David Chaillou: Légendes; Montage: rbbKultur
Bild: Fuga Libera

Zeitgenössische Klavierwerke - David Chaillou: "Légendes"

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"Légendes" hat der 1971 in Paris geborene Komponist David Chaillou seinen Zyklus von insgesamt elf zeitgenössischen Klavierstücken überschrieben. Mit Titeln wie "Empreintes" (Abdrücke) oder "Mirages" (Spiegelungen) wird bei Chaillou die Nähe zum französischen Impressionismus deutlich. Hinzu kommt ein moderner minimalistischer Ansatz, der auf Vorbilder wie Steve Reich deutet.

Feiner Regen

Trotz des unglaublichen Schwierigkeitsgrades dieser Musik, die ein sehr schnelles Spiel mit beiden Händen erfordert – die dabei absolut abhängig voneinander sein müssen – ergibt sich eine durchsichtige Leichtigkeit der Klänge. Höchst dynamische Musik, die nur ganz selten auf einem Akkord stehenbleibt, stattdessen immer in Bewegung ist.

Wie feiner Regen, der scheinbar gleichförmig fällt, aber in sich doch vielfältig nuancierte Unregelmäßigkeiten zeigt. "Pluies blanche" heißt ein Satz, der diesem Bild die entsprechende musikalische Gestalt gibt. Ziel seiner Stücke sei es, sagt David Chaillou, "den Zuhörer in einen empfindsamen Raum eintreten zu lassen, in dem ein jeder seiner eigenen Erzählung folgen kann."

Klarer Ton

David Chaillou ist in Frankreich ein bekannter Komponist, arbeitet mit renommierten Orchestern, schreibt Konzertmusik, aber auch Werke für Theater und Ballett. In seiner Geburtsstadt Paris hat er Komposition am Konservatorium studiert, dazu Geschichte an der Sorbonne.

So wie Chaillou ist auch Laura Mikkola Anfang der 1970er Jahre geboren. Sie hat an der Sibelius-Akademie in Helsinki Klavier studiert, später als Pianistin renommierte Preise gewonnen. Oft hat sie zeitgenössische Komponisten uraufgeführt, mit ihrer exzellenten Technik und einem leichten, klaren Klavierton ist sie auch für Chaillous Musik genau die Richtige.

Geistiger Raum

Die insgesamt elf Sätze hat der Komponist zu einer modernen Suite zusammengestellt, in der sich beim Zuhören der geistige Raum ganz enorm erweitert – sofern man die zarten, unaufdringlichen Kaskaden an sich heran lässt. Die Musik ist "luftig" aufgenommen, ein Raumklang, der zum offenen, freischwebenden Charakter dieser modern-impressionistischen Klangmalereien passt.

Hans Ackermann, rbbKultur

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