Leonskaja - Schumann; Montage: rbbKultur
Bild: eaSonus

Klavier - Leonskaja - Schumann

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Auf ihrer neuesten Doppel-CD spielt die georgische Pianistin Elisabeth Leonskaja, die in Wien lebt, Werke von Robert Schumann. Leonskaja ist Mitte 70, müsste also vermutlich schon früher Werke dieses Klavier-Klassikers aufgenommen haben. Oder etwa nicht!?

Um die Klavierwerke von Robert Schumann – die sonst alle Leute spielen – hatte die georgische Pianistin Elisabeth Leonskaja lange Zeit einen großen Bogen gemacht. Jetzt, als "Grande Dame des Klaviers", nähert sie sich ihnen von den Rändern des Gesamtwerkes her – in Gestalt der frühen "Papillons" op. 2 und der Symphonischen Etüden op. 13 sowie der späten, schon in die "verwirrte" Phase Schumanns fallenden "Geister-Variationen" (seinem letzten Werk).

Gesprochen, nicht gesungen

Nicht ganz so spektakulär gelungen wie bei den vorangegangenen Schubert-CDs, aber doch kongenial trifft Leonskaja den eben nicht liedhaften, sondern lyrischen Charakter der Werke. Schumann, in seinen Klavierwerken, will nicht gesungen, sondern "gesprochen" sein. Als Poet, nicht als Lieder-Komponist (wie Schubert) muss man ihn behandeln. Auch für die Eigenart Schumanns, seine Werke jedenfalls abzuschließen (im Unterschied zu Schubert, der vieles liegen ließ), und die Probleme stattdessen in die Musik gleichsam hereinzuholen, findet Leonskaja einen absolut originellen, eigenständigen Ton der Verinnerlichung und Verdichtung.

Elisabeth Leonskaja, Klavier; © Marco Borggreve
Bild: Marco Borggreve

Einzig dem virtuosen Gehalt zum Beispiel in Schumanns beiden Sonaten wird Leonskaja (mit 74 Jahren) nicht mehr voll gerecht. Obwohl diese Werke eher als Tondichtungen (ohne emphatischen Formbezug) beschrieben wurden, hadert die Pianistin hier teilweise mit den Dimensionen. Dennoch gelingt es ihr souverän, sich aus dem Schatten ihres übermächtigen Idols Svjatoslav Richter zu lösen (den sie in späten Jahren auch persönlich betreute und begleitete). Weit mehr als nur sympathisch.

Kai-Luehrs Kaiser, rbbKultur

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