Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43 © Alpha
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CD-Kritik - Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43

Bewertung:

Einen neuen Zyklus mit den Symphonien von Jean Sibelius hat der finnische Dirigent Santtu-Matias Rouvali begonnen. Er ist Chef der Göteborger Symphoniker. Sibelius-Aufnahmen eigentlich genug! Ist dies trotzdem ein vielversprechender Zyklus?

Ein neuer Zyklus mit allen sieben Sinfonien von Jean Sibelius, dirigiert von dem finnischen Tanz-Wuschel und Irrwisch Santtu-Matias Rouvali, verheißt einen überraschenden Neuaufbruch. An der zweiten Station haltend, also bei der zweitpopulärsten Sinfonie (Nr. 2) von Sibelius (nach der Fünften), bestätigt Rouvali das originelle Kennzeichen seines Ansatzes.

Hier weht ein herber, frischer Ostseewind durch die Partitur. Nichts Klobiges, Sahniges oder Traniges, wie man es sonst bei einem zu stark "brucknerfizierten" Sibelius antrifft. Die Göteborger Symphoniker, die Rouvali seit zweieinhalb Jahren leitet, hat er von seinem Vorgänger Gustavo Dudamel offenbar in sehr gutem Zustand übernommen. Alles ist hellsichtig transparent; unterstützt wohl auch durch die legendäre Akustik im Göteborger Konserthus: ein langes, schmales Handtuch, in dem man sich vorkommt wie im Innern eines Gehörgangs.

(Der Saal zählt zu den Besten gemeinsam mit der Symphony Hall in Boston und dem Wiener Musikverein.) Als Draufgabe gibt es mit der König Christian II-Suite ein zu wenig bekanntes Werk von Sibelius (wovon sonst hauptsächlich Aufnahmen von Inkinen, Vänskä und N. Järvi greifbar sind). Sibelius selber dirigierte das Werk noch 1926 bei seinem letzten Auslandsauftritt (in Kopenhagen). Er fand es offenbar gut. Und hätte allen Grund, von dieser mehr naturhaften als strukturellen Wiedergabe angetan zu sein.

Kai-Luehrs Kaiser, rbbKultur

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