Cesar Franck, Klavierwerke © harmonia mundi
Bild: Harmonia Mundi

Klavierwerke - César Franck: "Préludes, Fugues & Chorals"

Bewertung:

Dass Nikolai Lugansky ein großartiger Rachmaninow-Pianist ist, hat er schon mehrfach bewiesen. Nun begibt er sich mit den Werken von César Franck auf ein ganz anderes Terrain. Aber auch französische Romantik mit barockem Einschlag scheint ihm zu liegen.

In gewisser Weise verkörpert César Franck das genaue Gegenteil von Sergej Rachmaninow. Er war kein Weltklasse-Pianist, ist nur wenig rumgekommen und hat keinen Wert auf Effekte gelegt. Für Nikolai Lugansky macht genau das den Reiz aus. Franck hat nur einige Stücke für Klavier komponiert, obwohl er seine Karriere als Pianist gestartet hat.

Seine Anstellung als Organist in Paris hat dann ganz den Fokus auf dieses Instrument verlagert. Aus seinem Werk hat Lugansky zwei jeweils dreiteilige Klavierzyklen ausgesucht und sie um zwei ähnliche Orgelwerke ergänzt, die sich gut auf das Klavier übertragen lassen.

Bei allen Stücken ist der Bezug zu Johann Sebastian Bach und zum Kontrapunkt deutlich. Ganz traditionelle Choräle und Fugen gehören dazu. Lediglich harmonisch gestattet sich Franck romantische Anwandlungen und Aufschwünge. Die Rhythmen wirken fast monoton. Diese weltabgewandte Musik fordert Versenkung und eine beinahe meditative Haltung.

Nikolai Luganskys Interpretationen lassen sich ganz darauf ein. Die melodischen Linien werden klar gezogen, die Dynamik wird nur ganz behutsam angehoben und abgesenkt bei einem runden, nie trockenen Klangbild. Mag sein, dass der Pianist hier etwas untertourig fährt, aber umso tiefer führt er in die sakral angehauchte Klangwelt von César Franck hinein. Wer etwas Geduld und Offenheit mitbringt, kann hier so etwas wie Transzendenz erfahren.

Dirk Hühner, rbbKultur

Weitere Rezensionen