Florenz 1350 © Ambronay
Bild: Ambronay

Alte Musik - "Florenz 1350 – Ein Florentinischer Garten im Mittelalter"

Bewertung:

Zwischen 1350 und 1400 entwickelte sich Florenz zu einem kulturellen Zentrum Europas. Dies hing einerseits mit dem materiellen Reichtum der Handelsstadt zusammen, andererseits mit einer schier unglaublichen Bildung größerer Teile der Bevölkerung. Zwei Drittel konnten sogar lesen!

Petrarca und Bocaccio prägten die italienische Sprache für Jahrhunderte, Musiker wie Franceso Landini und Paolo da Firenze entwickelten einen ganz eigenen musikalischen Stil. Musik zwischen Politik, Liebe und Religion bietet eine CD des Sollazzo Ensembles.

Pralles Leben in virtuoser Musik

In "Godi Firenze" kommt der ganze Stolz der Stadt zum Ausdruck. Marktschreie, Übermut und pralles Leben! Vor allem rhythmisch ist diese Musik äußerst virtuos und komplex.
Wie raffiniert die Kunst der nur durch ihre Vornamen bekannten Komponisten ist, kann man in der Caccia ("Jagd") "durch weite Auen" verfolgen. Hier schildert Giovanni da Firenze wie elegante Damen sich mit Jagdhunden in der Natur ergehen, um dann dunkle Ecken aufzusuchen. Von Männern ist nicht die Rede, aber wie die Musik langsam fast verstummt lässt vieles erahnen.

Moderner als vieles aus dem 19. Jahrhundert

Die religiöse Musik der Zeit steht in Raffinement nicht hintan. Paolo da Firenze klingt auch heute noch avantgardistisch. Ein kurzes Gotteslob klingt da recht weltlich und forschend. Die Interpreten des Ensembles könnten noch deutlicher aussprechen, das ist leider fast immer ein Problem. Musiker können sich einfach nicht vorstellen, dass auch in raffiniertester, mäandernder Musik die Sprachsilben überdeutlich konsonantisch gestaltet werden müssen, um den vollen Reiz der Stücke zu entfalten. Manchmal ist die Intonation nicht ganz sicher, aber insgesamt kommt die elegante, überschwänglich bis intime Musik sehr lebendig und heutig herüber. Irgendwie moderner und heutiger als vieles aus dem 19. Jahrhundert!

Clemens Goldberg, rbbKultur

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