Franz Schubert: Symphonien, © Sony
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Kammermusik - Franz Schubert: Symphonien Nr. 4 und 6

Bewertung:

Der Komponist Heinz Holliger hat bei seinen Werken immer vermieden, eine "dicke Mehlsuppe" im Orchester anzurichten. Auch wenn er dirigiert, achtet er auf klare Linien und Luftigkeit. Bei der dritten Folge seiner Schubert-Gesamtaufnahme kann so Schuberts Vorbild Rossini an allen Ecken und Enden besonders schön aufleuchten.

Die Aufnahme aller Schubert-Sinfonien mit dem Kammerorchester Basel ist ein echtes Herzensprojekt. Vor fünf Jahren hat Heinz Holliger mit dem Orchester die "Unvollendete" mit einem solchen Einverständnis aufgeführt, dass daraus der Plan zu Größerem erwuchs. Den Sinfonien werden auf jeder CD jeweils passende Ouvertüren an die Seite gestellt. Klanglich definiert sich das Orchester durch Darmsaiten auf den Streichinstrumenten und historische Blasinstrumente.

Stimmiges Konzept

Auch bei der dritten Folge mit der Ouvertüre "im italienischen Stil" und den beiden Sinfonien Nr. 4 und 6 erweist sich dieses Konzept als stimmig. Heinz Holliger und das Kammerorchester Basel haben bei den Interpretationen deutlich Rossini im Sinn, der in den 1820er Jahren in Wien allgegenwärtig war und dessen Oper "Tancredi" einen tiefen Eindruck auf Schubert hinterlassen hat. So schrauben sich insbesondere die Ouvertüre und die Finalsätze in geradezu schwindelerregende Wirbel hinein. Die Anfänge dagegen sind theatralisch gedehnt und dräuen harmonisch im Ungewissen.

Dramatik und Heiterkeit

Die Koppelung der "kleinen C-Dur-Sinfonie" und der "Tragischen" nimmt letzterer auch endlich einmal die Bürde, unbedingt in der Kategorie einer Beethoven-Nachfolge zu stehen. Nein, hier geht es einmal nicht um Kampf und Schicksal, sondern um opernhafte Dramatik und Auflösung in Heiterkeit. Heinz Holliger ist sich der Doppelbödigkeit von Schubert sehr bewusst, aber er lenkt sie eben ins Positive. Der Überschwang bleibt bei ihm stets präzise und geordnet. Das ist vielleicht die einzige winzige Einschränkung dieser mit wundervollem Klang aufgenommenen CD.

Dirk Hühner, rbbKultur

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