La Bellezza: Violinmusik © Pan Classics
Bild: Pan Classics

Violinmusik 17. Jahrhundert - Lina Tur Bonet: "La Bellezza"

Bewertung:

Das 17. Jahrhundert war in weiten Teilen Europas ein ausgesprochenes Krisenjahrhundert mit Kriegen, Konfessionsauseinandersetzungen, Epidemien, Hungersnöten und der ständigen Nähe zum Tod. Und dennoch: Die Musik hat in diesem Jahrhundert faszinierende neuartige Stile und Gattungen entwickelt.

Dabei entdeckten die Komponisten erstmals in großem Rahmen die Ausdruckskraft von Instrumenten und schufen – von Italien ausgehend – eine Vielzahl von Solo- und Ensemblewerken von unvergleichlicher Schönheit.

Originelle Werkauswahl

Die spanische Geigerin Lina Tur Bonet und ihr Ensemble Musica Alchemica laden auf ihrer neuesten CD unter dem Titel "La Bellezza" zu einer musikalischen Reise durch das 17. Jahrhundert ein. Auch wenn die eingespielte Musik aus so unterschiedlichen Städten wie Neapel (Falconieri), Modena (Uccellini), Venedig (Marini), Salzburg (Biber), Wien (Schmelzer), Lübeck (Buxtehude) und Dresden (Westhoff) stammt, besitzt sie in ihrer Originalität und ihrem Kontrastreichtum übergreifende klangliche Eigenschaften. Nichts wirkt hier beliebig oder "standardisiert", immer wieder ist man überrascht von den harmonischen und melodischen Entwicklungen.

Makellose Interpretation

Diese hervorragende Werkauswahl wird von Musica Alchemica perfekt und überzeugend im Ensemble dargeboten. Lina Tur Bonet präsentiert einige Solostücke mit bestechender Intonation und überlegten Verzierungen. In den zahlreichen Triosonaten steht ihr der Geiger Valerio Losito mit bester Qualität zur Seite. Besonders reizvoll ist (wie schon in vorherigen Aufnahmen von Musica Alchemica) der groß besetzte Continuo, bei dem sechs Musiker abwechslungsreich mitwirken. In Tuttibesetzung (Weichlein, Uccellini, Falconieri) meint man ein volles Barockorchester zu hören, die Solobesetzungen zwischendurch (etwa Westhoff oder Buxtehude) wirken dagegen als fein austarierte Kammermusik. Was für eine wunderbare Reise durch die musikalische Schönheit des 17. Jahrhunderts.

Bernhard Schrammek, rbbKultur

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