Beethoven around the World, Quatuor Ébène © Erato
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Kammermusik - Quatuor Ébène: "Beethoven Around the World"

Bewertung:

Unter dem Titel "Beethoven Around The World" versammelt das Quatuor Ébène, eines der renommiertesten Streichquartette der Gegenwart, sämtliche 16 Streichquartette Beethovens, so wie man sie bei einer Welttournee 2019 auf fünf Erdteilen darbot (nur in Ozeanien und in der Antarktis war man nicht). Das ist schön und trifft den durchaus internationalen Stil dieser Formation gut.

Als Verkaufs-Gimmick ist das Programm freilich auch nicht zu überschätzen. Die Frage, wie ein Werk aufgeführt werden sollte, dürfte nach wie vor völlig unabhängig davon sein, ob wir uns nun gerade in Paris, Wien, Philadelphia, Melbourne, Tokyo, São Paulo oder in Nairobi befinden.

Unerachtet der Live-Situationen bieten die Aufnahmen technische Perfektion der Endstufe – also in Vollendung ebenso wie auf der Grenze zum Reißbrett (bzw. zum Computerprogramm). Man hört Lineare, Winkelmesser und Laborbeleuchtung, was hier indes nicht kritisch, sondern nur kennzeichnend hervorgehoben sei. (Beurteilen mag es jeder selber.)

Natürlich hat ein dermaßen internationalistischer Zugang auch fast jeden Rest französischer Lässigkeit, Freiheit oder sonstiger nationaltypischer Eigenheiten vertilgt. Stattdessen herrscht ein umso erhabenerer, teilweise finsterer Ernst. Hier gibt es – bei aller Ausgezirkeltheit – schrille, fahle und finstere Töne noch und nöcher. Worin sogar die "Berliner Schule" mitklingen mag, die darin besteht, dass sich das Quatuor Ébène stark von dem Berliner Kammermusiklehrer Eberhard Feltz (an der Eisler-Hochschule) inspirieren ließ – sowie von dessen Kontakten zu György Kurtág.

So kommt diesem Zyklus – bei allem, heute üblichem Perfektionismus – jedenfalls ein Höchstmaß an Handschrift und Profil zu. Neben dem Artemis-Zyklus und älteren Katalog-Klassikern (Juilliard, Guarneri etc.) die zurzeit wohl beste Gesamtaufnahme der Beethoven-Quartette.

Kai-Luehrs Kaiser, rbbKultur

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