Vladimir Sofronitzky, Milestones of a Piano Legend © Documents
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Klavier - Vladimir Sofronitzky: "Milestones of a Piano Legend"

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Was Klaviermusik betrifft, ist die russische und sowjetische Musikgeschichte schier unerschöpflich. Eine Box mit 10 CDs erinnert jetzt an den überragenden Pianisten Vladimir Sofronitzky.

1901 in Sankt Petersburg geboren, war Vladimir Sofrontizky in der Sowjetunion eine geradezu kultisch verehrte lebende Legende. Svjatoslav Richter soll ihn einen Gott genannt haben, Emil Gilels erklärte ihn anlässlich seines Todes 1961 zum "größten Pianisten der Welt".

Skrjabin und mehr

Traumwandlerisch sicher bewegt sich Sofronitzky in den visionär entrückten Klangwelten von Alexander Skrjabin, dessen Tochter Elena er 1920 geheiratet hatte. Die neue Box hält aber auch wunderbare Aufnahmen von Prokofjew, Rachmaninow, Borodin, Ljadov, Schostakowitsch und Glasunow bereit. Sie spiegelt anhand von Chopin-, Beethoven-, Schubert- und Mozartaufnahmen zugleich, wie breit Sofronitzkys Repertoire auch über die russische Musik hinaus war. Atemberaubend spielt er etwa Chopins 1. Scherzo, das sich unter seinen Fingern in ein völlig neues, von atemlosem Furor getriebenes Stück verwandelt.

Wildheit und Freiheit

Sofronitzky hatte schier alles, was einen herausragenden Pianisten ausmacht: eine stupende Technik, ein absolut sicheres Formgefühl, eine Mischung aus Wildheit, Freiheit und sprechender Poesie, einen Reichtum an Farben, eine rhythmische Begabung sondergleichen und einen sehr speziellen, immer leicht elektrisiert klingenden Anschlag.

Transzendenz

Er spielte jedes Mal wie um sein Leben. Einzigartig und letztlich unerklärlich bleibt seine Fähigkeit, die Grenzen des bloßen Klavierspiels zu transzendieren und die Musik filterlos selbst zum Sprechen zu bringen. Nie geht es um bloßes Klavierspiel, immer scheint die Aussage der Werke ungefiltert und direkt zum Hörer durchzudringen.

Julia Spinola, rbbKultur

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