Händel: Konzerte & Sonaten, mit Bart Naessens Claviorganum; Montage: rbbKultur
passacaille
Bild: passacaille

Bart Naessens spielt das Claviorganum - Georg Friedrich Händel: Konzerte & Sonaten

Bewertung:

Eine Kritik von Bernhard Schrammek

Um seinem Londoner Publikum noch mehr Attraktionen zu bieten, hat Georg Friedrich Händel in den Pausen seiner Oratorienvorstellungen eigene Orgelkonzerte aufgeführt. Den originalen Instrumenten jedoch, die Händel damals gespielt hat, ist nur mit vielen Vorbehalten auf die Spur zu kommen, da keine der Theaterorgeln erhalten geblieben ist. Rechnungen und anderen Aufzeichnungen zufolge sind jedoch relativ stark disponierte Kleinorgeln zu vermuten, die mit sechs bis zehn Registern ausgestattet waren, darunter als Grundstimme in jedem Falle ein ausgebauter Prinzipal 8'.

Das Claviorganum

Seit dem 15. Jahrhundert ist im europäischen Instrumentenbau die Anfertigung von Claviorgana nachweisbar. Es handelt sich um eine Kombination aus Cembalo und Kleinorgel, wobei beide Teilinstrumente über dieselbe Tastatur bedienbar sind. Einige wenige dieser Claviorgana sind heute noch in Museen erhalten. Für Händels Londoner Zeit gibt es keine Belege, dass er ein solches Instrument genutzt hat. Ganz ausgeschlossen ist es aber auch nicht, da diese Bauweise auch in England bekannt war.

Für Händel das richtige Instrument?

Bart Naessens macht nun die Probe aufs Exempel und spielt auf der neuesten CD des Ensembles Il Gardellino den Solopart von drei Händel-Orgelkonzerten auf einem (nachgebauten) Claviorganum ein. Er spielt die Stücke ganz hervorragend und wird von dem klein besetzten Streicherensemble im perfekten Zusammenspiel begleitet.

Und dennoch vermag dieses Claviorganum als Soloinstrument nicht so recht zu überzeugen, zumal es nur drei Orgelregister (darunter kein ausgebautes, sondern ein gedacktes 8'-Register) aufweist. Wenn Bart Naessens die Orgel pur spielt, klingt sie nur wenig durchdringend, wenn er (wie in den meisten Sätzen) das Cembalo dazukoppelt, ist der Cembaloklang dominant, während die Orgel aufgrund der fehlenden Grundtönigkeit im Hintergrund bleibt.

Dieser Effekt wirkt in den ersten Sätzen durchaus originell, verbraucht sich aber nach einiger Zeit und weckt die Sehnsucht nach kräftigen, möglichst auch mit Aliquotstimmen veredelten Orgelklängen. Als Continuoinstrument dagegen – zu hören in den weiteren Werken des Albums – macht sich das Claviorganum in seiner speziellen Klangmischung sehr gut.

Bernhard Schrammek, rbbKultur

Weitere Rezensionen