Cristina Caprioli / ccap: Leafing – Spoons; © Håkan Larsson
Bild: Håkan Larsson

34. Internationales Tanzfestival | 5. -27.08.2022 - Tanz im August

Virve Sutinen hat für ihre letzte Ausgabe von "Tanz im August" noch einmal freudig die Muskeln spielen lassen und ein für sie als Kuratorin exemplarisches Tanzfestival entworfen. Es gibt wieder Tanz aus aller Welt - aus Afrika, Asien, Australien, Nord- und Südamerika, diesmal auch mehr aus Skandinavien. Und es gibt wieder ein sehr weites Spektrum an Tanz-Formen.

So beschäftigen sich die Choreografinnen und Choreografen mit Klassischem Ballett, Techno-Club-Tanz, traditionellem Tanz aus Thailand, spanischem Flamenco oder brasilianischem Urban Dance – das sind nur einige wenige Beispiele.

Genreübergreifend und politisch motiviert

Dazu kommen Stücke, die sich genreübergreifend öffnen zur Bildenden Kunst, zu Installationen, Spoken-Word-Konzerten oder der Filmwelt des Surrealisten Luis Bunuel oder die politisch motiviert sind, etwa in der Auseinandersetzung mit Kolonialismus in Australien und Afrika, mit der Naturzerstörung am Amazonas oder im Norden Skandinaviens, bei den indigenen Samen.

Ein international ausgerichtetes Festival - doch die berühmten Compagnien fehlen

Insofern ist diese neunte Festival-Ausgabe von Virve Sutinen eine für sie typische. Sie hat selten eingeladen, was auch anderswo gezeigt wurde, hat die ganze Bandbreite an Tanzstilen in aller Welt im Blick und hat damit das Festival viel internationaler ausgerichtet, auch politischer und gesellschaftskritischer, oft mit hierzulande noch unbekannten Tanzkünstlerinnen und Tanzkünstlern. Das vermeintlich Randständige war bei ihr immer verbunden mit der Herausforderung, über den eigenen Tellerrand zu schauen, sich unterschiedlichsten Themen, Kulturen, Traditionen aus aller Welt zu öffnen.

Was nicht in ihrem Fokus lag, spiegelt sich auch bei dieser Ausgabe: Es fehlen die Gastspiele großer berühmter Compagnien, seit vielen Jahren ein Manko in Berlin.

Festival-Highlight: Vielfältige Retrospektiven

Ungewöhnlich und eine große Bereicherung waren hingegen die Retrospektiven, die Virve Sutinen Choreografinnen gewidmet hatte: Rosemary Butcher, La Ribot, Deborah Hay. Diesmal ist es Cristina Caprioli, die Italienerin in Schweden, die bei "Tanz im August" mehr als 20 ihrer immer genreübergreifenden Werke zeigen wird – eine kluge Entscheidung.

Diese Retrospektive gehört zu den Höhepunkten des Festivals, wie auch die Gastspiele von La Veronal, Robyn Orlin oder Bruno Beltrao, die auf keinen Fall verpasst werden sollten. Allein bei diesen drei Stücken haben wir surrealistisch-filmisch-traumwandlerisches und eine Auseinandersetzung mit der Apartheid in Südafrika und einen Blick auf die aktuellen gesellschafts-politischen Ereignisse in Brasilien. Was für eine Vielfalt an Themen!

Frank Schmid, rbbKultur

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