The Ugly Duckling
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Kammerspiele - The Ugly Duckling

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"The Ugly Duckling" ist der Ausgangspunkt für eine Theaterproduktion, in der drei Berliner Dragqueens neben zwei Schauspielern und einer Schauspielerin des Deutschen Theaters auftreten.

Der dänische Dichter Hans Christian Andersen fand sich hässlich und wurde von Selbstzweifeln und Albträumen gequält. Einige seiner Märchen können als Versuch gesehen werden, sich diese Not von der Seele zu schreiben.

"Das hässliche Entlein" – auf Englisch "The Ugly Duckling" ist nun der Ausgangspunkt für eine Theaterproduktion, in der drei Berliner Dragqueens neben zwei Schauspielern und einer Schauspielerin des Deutschen Theaters auftreten.

Schwanenküken unter Enten bekommen Ärger

Wenn ein Schwanenküken versehentlich von einer Ente ausgebrütet wird, gibt es Ärger. Das Küken sieht anders aus als die anderen und wird so lange gehänselt, bis es sich selbst für ein hässlich hält. In Andersens Märchen  läuft das "Entlein" davon und möchte am liebsten sterben. Da erblickt es im Wasser sein Spiegelbild und erkennt, dass es zu einem Schwan herangewachsen ist.

Regisseur Bastian Kraft bringt die Geschichte mit den Lebensberichten seiner Darsteller zusammen. Die Sechs spielen sich weitgehend selbst. Sie sitzen an einem Garderobentisch, schminken und verkleiden sich. Man kann zusehen, wie aus Alltagsmenschen glitzernde Dragqueens werden. Und nebenbei erzählen sie.

Die geschminkte Wahrheit

Für die Dragqueens war es schwer, sich ihre Neigung einzugestehen. Sie hatten Angst verachtet oder gedemütigt zu werden. Gérôme Castell, die seit Jahrzehnten eine Größe in der Berliner Transgender-Szene ist, führte anfangs ein Doppelleben – tagsüber ging sie als Mann ins Büro, nachts trat sie als Glamour Girl in Clubs auf.

Es dauerte Jahre, bis sie sich eingestand, dass die Rolle, die sie auf der Bühne verkörperte, ihr wahres Ich war. "Mein Leben als Mann war die ungeschminkte Lüge",  sagt sie in den Kammerspielen. "Das hier ist die geschminkte Wahrheit."

Keine lustige Verkleidung

Sei du selbst – ist ein Imperativ der Inszenierung. Doch es wird auch gezeigt, wie schwer es ist, diesem Anspruch gerecht zu werden. Bastian Trost hat noch ein zweites Hans-Christian-Andersen-Märchen in den Text eingeflochten – "Die kleine Meerjungfrau". Die Nixe verliebt sich in einen Prinzen und möchte mit ihm leben, doch ihr Fischschwanz hindert sie daran. Sie sucht eine Hexe auf, die ihr menschliche Beine herbeizaubert, doch jeder Schritt, den sie geht, tut so weh, als ob sie auf Messer treten würde.

Diese Schmerzen sind auch den Dragqueens vertraut. Sie tragen Highheels oder schnüren sich in Korsetts ein. Judy LaDivina, die aus Israel stammt, erzählt, wie sie sich mit Klebebändern ihren Penis an den Unterleib klebt, damit er nicht mehr zu sehen ist. Schon die Beschreibung tut weh! So wird klar, dass der Schritt auf die andere Seite nicht nur eine lustige Verkleidung ist…

Sehnsucht nach Andersartigkeit

Die Sehnsucht nach Andersartigkeit kennen auch die Schauspieler nicht fremd, die neben den Dragqueens am Schminktisch sitzen. Helmut Mooshammer berichtet, wie er schon als Kind seine Mutter nachahmte, Canar Sunar schlüpft in ein Glitzerkleid, verzichtet aber darauf, seinen Bart zu überschminken. Er liefert eine gekonnte Travestie. Regine Zimmermann hingegen zeigt ihre Wandlungsfähigkeit – mal klebt sie sich einen Schnurrbart an, mal setzt sie eine Marilyn-Monroe-Perücke auf – auch das wird von den anderen akzeptiert.

Drag is for everybody

Warum sollten sich nur Männer als Dragqueens auftakeln? – "Drag is for everybody", ruft Judy LaDivina. "JEDER kann das machen und jeder SOLLTE das machen!". Und das ist die zweite Botschaft der Inszenierung. Sie ist eine Aufforderung zum Perspektivwechsel – sehr kreativ, sehr lustvoll und bildstark. Empfehlenswert.

Oliver Kranz , kulturradio

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