Autorentheatertage am Deutschen Theater | Das Haus auf Monkey Island © Stephan Walzl
Stephan Walzl
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Autorentheatertage am Deutschen Theater - "Das Haus auf Monkey Island"

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Wie kann man Autoren am besten entdecken und fördern? Indem man sie aufführt. In den Kammerspielen war gestern das Stück "Das Haus auf Monkey Island" von Rebekka Kricheldorf zu sehen.

Noch bis zum Wochenende laufen am Deutschen Theater die Autorentheatertage – hier stehen Dramatiker und neue Texte im Mittelpunkt. Zehn Inszenierungen neuer Stücke aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind zu dieser Festivalausgabe eingeladen. Darunter auch Rebekka Kricheldorfs Stück "Das Haus auf Monkey Island", inszeniert am Oldenburger Staatstheater.

Kricheldorf ist die schwarzhumorige Satirikerin der Gegenwartsdramatik, aber auch eine intellektuelle Autorin, die sich mit gesellschaftspolitischen, wissenschaftlichen und philosophischen Fragen beschäftigt. Grundthema ist diesmal die Entscheidungsfreiheit des Menschen, seine Manipulierbarkeit durch Werbung und Suchtstoffe, und die große Frage, ob der Mensch durch seine Gene, seine Hormone unveränderbar ist, keinen freien Willen besitzt. Kricheldorf hat eine Diskurs- und Wissenschafts-Farce geschrieben, in der vor allem die technologisch perfektionierten Algorithmen der Jetztzeit eine Rolle spielen.

Vier Wissenschaftler sind von einem Großunternehmen engagiert und in eine Luxusvilla auf der Affeninsel geflogen worden: Ein Soziologe, eine Neuro-Wissenschaftlerin, ein Marketing-Mensch, eine Psychologin sollen hier ein Werbe-Konzept entwickeln, wie man künstlich gezüchtetes aber eben auch klimaneutrales und tierfreundliches In-Vitro-Fleisch gewinnbringend auf den Markt bringt. In dieses Kammerspiel-Setting sperrt Kricheldorf die vier unterschiedlichen Typen wie Laborratten ein: da ist die Fortschrittsgläubige, der Manipulator, die Weltverbesserin und der Realist.

Autorentheatertage am Deutschen Theater | Das Haus auf Monkey Island © Stephan Walzl
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Klug, aber verkopft

Umso länger sie auf Monkey Island arbeiten, desto mehr fühlen sie sich tatsächlich wie Versuchskaninchen – das "Smart Home", in dem sie leben, stellt nämlich jedem Bewohner das zur Verfügung, was er am meisten begehrt: Bei der einen sind es die Chips, die sie als Teenagerin fresssüchtig gemacht haben – beim Zweiten laufen im Fernseher ausschließlich Pornos mit seinem individuellen "Beuteschema", beim Dritten liegen Kokstütchen auf dem Kopfkissen. Alles durch Algorithmen zu Tage gefördert, die mit freien Daten gefüttert wurden.

Kricheldorfs Texte haben neben der Pointenschärfe stets auch ein großes Diskursbewusstsein – tendieren aber oft, so auch hier, bei aller klugen, intensiven Recherche zur verkopften Überfrachtung. So schön die Sprachspiele sind – die Figuren bleiben Thesenträger.

Mehr Ruhe hätte gut getan

Der Regisseur Matthias Kaschig hat die Statik des Stücks auf der Bühne kaum verlebendigen können. Sein Ansatz, bei diesem komplexen Stoff, bei so viel Pointen-Gewitter auf eine reduzierte Bühne zu setzen, ist erst einmal nachvollziehbar. Nur ein weißer Pavillon mit Schwingtüren steht hier, der sich ab und zu dreht und mit Video-Projektionen bespielt wird. Allerdings fällt Kaschig keine szenische Situation ein, mit der er die kopflastige Farce erden kann, konkret, greifbar machen kann. Die Schauspieler treten von einem Bein aufs andere, während sie auf der Bühne herumstehen.

Nicht nur, dass Kaschig das Stück im abstrakten Raum spielen lässt, er hält die Schauspieler auch nicht dazu an, den Text zu gestalten, Pausen zu lassen, ihn zu denken beim Sprechen. Bis auf den hippiesken Soziologen rattern die Spieler den Text oft wie Sprechautomaten herunter, sodass viele Pointen verloren gehen – aber auch der wissenschaftliche Zusammenhang untergeht. Schon akustisch und wegen des Sprechtempos versteht man (ohne zuvor angeeignete Textkenntnis) nur die Hälfte. Mehr Ruhe und ein realistisches Setting hätten der Inszenierung durchaus gut getan. 

Autorentheatertage am Deutschen Theater | Das Haus auf Monkey Island © Stephan Walzl
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Drei aus 113 – Die "Lange Nacht der AutorInnen"

In den Tagen zuvor hatte Publikumsliebling René Pollesch wohl für die gelösteste Stimmung beim Festival gesorgt. Er war mit seiner Zürcher Arbeit "Ich weiß nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien)" zu Gast. Zu sehen war auch Thomas Köcks Stück "atlas" in der Leipziger Uraufführung, das bei den Stücke-Tagen in Mülheim gerade den renommierten Dramatikerpreis gewonnen hat. Beim Berliner Gastspiel demonstrierten Aktivisten vor dem Deutschen Theater, sie beklagen, auch in einem offenen Brief, dass ein Österreicher über Vietnamesen schreibt, dass keine Vietnamesen in diesem Stück mitspielen oder zum Regieteam gehören. Das sei die "Neuauflage kolonialer Traditionen". Ein schwieriger Einwand, wenn es um die Verwandlungskunst Theater geht.

Das Herzstück der Autorentheatertage steht allerdings noch bevor: Die "Lange Nacht der AutorInnen", bei der drei neue Stücke uraufgeführt werden, die eine Jury diesmal aus 113 Stücken ausgewählt hat.

Barbara Behrendt, rbbKultur

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