Die Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater | Alles was Sie wollen: Herbert Herrmann und Nora von Collande © Franziska Strauss
Franziska Strauss
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Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater Berlin - Alles was Sie wollen

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Leicht, aber nie seicht – In der Komödie am Kurfürstendamm ist Herbert Herrmann jetzt gemeinsam mit seiner langjährigen Partnerin, Nora von Collande, in dem Stück "Alles was sie wollen" zu erleben.

Theater auf dem Theater – da passiert es nicht selten, dass Schauspieler über die Kunst des Schauspiels schwadronieren, sich in eitler Selbstbespiegelung verheddern, und das war’s dann. Nicht so in diesem Fall. Hier steht das Theater im Zentrum des Stückes, aber als Mittel, um sich mit Gewichtigem auseinanderzusetzen – mit dem Verhältnis von Wahrheit und Lüge beispielsweise, mit nicht weniger als dem Sinn des Lebens, mit den Möglichkeiten und Grenzen einzelner Individuen, über sich hinaus in die Gesellschaft zu wirken.

Starkes Schauspiel

Publikumsliebling Herbert Herrmann spielt nicht allein eine der Hauptrollen, er hat das Stück auch inszeniert – als Geschenk an sich selbst zum – man mag’s nicht glauben, so jugendlich wirkt er – 78. Geburtstag.

Die Intelligenz seiner Regie zeigt sich schon allein darin, dass er seiner Lebensgefährtin und Schauspielpartnerin Nora von Collande den Abend gleichsam zu Füßen gelegt hat. Sie darf brillieren – und das tut sie in der komplizierten und komplexen Rolle einer Theaterautorin mit Schreibhemmung.

Dieser Lucie geht’s gut. Sie wohnt in einer schicken Wohnung in Paris, ihr Mann ist ein erfolgreicher TV-Schauspieler, sie hat schon -zig internationale Hits herausgebracht. Nun aber ist künstlerische Funkstille. Die durchbricht Hausnachbar Thomas, ein Steuerberater. Ideenreich und findig sorgt er für manche Initialzündung. Ihn spielt Herbert Herrmann. Die Beiden agieren mit Charme, temporeich, sehr leichtfüßig.

Dem entspricht der Stil der Inszenierung bestens. Das Stück besteht einer Reihe pointierter Szenen, Miniaturen, aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur. Der Vorhang geht auf, er geht zu; auf dem Vorhang sind bühnenfüllend Momentaufnahmen zu sehen; Klaviermusik setzt kurze Akzente. Das ist sehr flüssig. Die Ausstattung von Stephan Fernau und die Kostüme von Nora von Collande unterstützen das mit Einfallsreichtum und Eleganz.

 Eleganz ist ein wichtiges Stichwort: Der Witz wird nie grob, setzt immer auf Intelligenz, ist eher verhalten denn laut. Da sorgt sogar Grausames, etwa der Tod eines geliebten Menschen, für eine starke Pointe.

Das Autoren-Duo Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, bekannt geworden mit "Der Vorname", hat ganze Arbeit geleistet, wie auch, das sei nicht vergessen, Georg Holzer, der das Stück ins Deutsche übersetzt hat.

Die Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater | Alles was Sie wollen: Nora von Collande © Franziska Strauss

Unterhaltung mit dem feinen Bisschen mehr

Je länger das Stück dauert, umso weniger kann sich das Publikum sicher sein: Ist es Zeuge nachbarschaftlicher Treffen, schaut es in den Kopf der Autorin, die grad ihr neues Stück schreibt, oder sieht es gar das längst fertige Stück. Die Grenzen zwischen Kunst und Leben werden spielerisch aufgehoben. Das ist von außerordentlichem Reiz – und das ist modernes Boulevard-Theater höchster Weihe.

Nichts gegen pure Unterhaltung. Wenn gut gemacht, ist das was Tolles. Aber noch toller ist es, wenn das berühmte kleine Bisschen mehr da ist. Der Abend ist leicht, aber nie seicht. Man hat auf dem Nachhausweg einiges zu besprechen – über sich selbst, darüber, wie man zum gesellschaftlichen Miteinander beiträgt. Und man hat Spaß dabei.

Die Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater | Alles was Sie wollen: Herbert Herrmann © Franziska Strauss
Bild: Franziska Strauss

Rührend, nicht sentimental

Der Abend hat auch rührende Momente, die jedoch nie ins Sentimentale abgleiten. Stattdessen wird’s gelegentlich sogar bös-satirisch, immer dann, wenn die Eitelkeit von realitätsfernen Künstlern gegeißelt wird. Womit das Stück allerdings nicht endet. Ganz am Schluss darf auch ein bisschen Traumfabrik sein – allerdings mit Widerhaken. Köstlich!

Peter Claus, rbbKultur

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