Ein Sommernachtstraum © Staatstheater Cottbus/ Marlies Kross
Marlies Kross
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Staatstheater Cottbus - "Ein Sommernachtstraum"

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Es gibt Theaterstücke, die gehören zur DNA dessen, was gerne als "Abendland" bezeichnet wird. "A Midsummernight‘s Dream" von William Shakespeare dürfte eines der am häufigsten gespielten Dramen auf europäischen Bühnen sein. Und es inspiriert bis heute nicht nur Regisseure und  Komponisten, sondern auch Choreographen zu unterschiedlichsten Umsetzungen.

Den "Sommernachtstraum" als klassisches Ballett hat es daher schon häufiger gegeben, in mehr oder minder geglückten Inszenierungen. Nun hat das Staatstheater Cottbus eine solche Produktion herausgebracht, choreografiert von Jason Sabrou und dem Ballettchef des Hauses Dirk Neumann. Gestern Abend - pünktlich zur Mittsommernacht - war die  Uraufführung im Innenhof der Cottbusser Alvensleben-Kaserne.

Die Handlung aufs Wesentliche reduziert

Die poetisch-verworrenen Liebesgeschichten der Protagonisten im "Sommernachtstraum", die umgeben sind von der Phantasiewelt der Elfen und Zauberwesen, dazu als irdischer Gegensatz das ganz burleske Spiel der Handwerker - all das lässt sich in der Tat sehr gut in der Form des klassischen Balletts umsetzen. Das Konzept ging auf, und das lag an den guten Vorgaben des Librettos von Michael Böhnisch - mit detaillierten Regieanweisungen und mit einer klugen Musikauswahl, die vom Band bzw. Chip kam.

Von der bekannten Schauspielmusik von Mendelssohn über Opernmelodien bis zur Filmmusik war da alles dabei und sorgte für angenehme Abwechslung. Auch in Bezug auf die verworrene Handlung hat Michael Böhnisch die bestmögliche Vorbereitung geliefert, indem er sie aufs Wesentliche reduziert, nämlich auf das Verwirrspiel um die vier Liebenden Helena, Demetrius, Lysander und Hermia. Dann gibt es Oberon und Titania, also das Elfenkönigspaar, etliche Elfen und schließlich der Kobold Puck natürlich, der die Verwirrung stiftet und am Schluss dafür sorgt, das alle sich finden.

Dazu kommt dann noch die zweite, komische Ebene der Handwerker, die aber kein Theaterstück einstudieren, sondern eine Tanzrevue. Und wenn man sich das vorher klar macht anhand des guten Programmflyers, dann kann man sich fallen lassen und den Tanzschritten hingeben...

Ein Sommernachtstraum © Staatstheater Cottbus/ Marlies Kross
Szenenbild mit Jhonatan Arias Gómez (Puck) | Bild: Marlies Kross

Fantasievolle choreografische Einfälle

Beide Choreografen verstehen ihr Handwerk exzellent. Jason Sabrou war bis vor zwei Jahren als Tänzer in Cottbus engagiert und sehr beliebt beim Publikum, er kennt daher die Compagnie ausgezeichnet und kann seinen Ex-Kolleginnen und Kollegen das Optimale abverlangen. Ballettdirektor Dirk Neumann hat, nehme ich an, diese kreativen Ideen dann gebündelt.

Da waren zum Teil sehr beeindruckende Momente dabei, z.B. beim Zweikampf von Demetrius und Lysander - mit Schulterwürfen, die fast filmreif waren! Aber es gibt auch berückend schöne poetische Bilder, wenn die Elfen um die Königin Titania tanzten oder wenn Puck zum Happy-End die Liebenden ganz handfest zusammengruppiert. Also es gab vom Anfang bis zum Ende einen dramaturgischen roten Faden, und die fantasievollen choreografischen Einfälle reihten sich wie Perlen aneinander.

Hervorragende Tänzer

Die Leistungen der Tänzer waren hervorragend - es fällt schwer, einzelne besonders herauszuheben. Den größten Applaus am Ende bekam Venira Welijan in der Rolle der Hermia, die in ihrer Anmut wirklich beeindruckte. Dann natürlich Kobold Puck, wunderbar agil verkörpert von Jhonatan Arias Goméz  - man hatte man fast den Eindruck, dass er nicht sprang, sondern flog bzw. sich von einer Seite der Bühne auf die andere "beamen"  konnte. Laute Lacher auf seiner Seite hatte István Farkas, das Urgestein der Cottbusser Compagnie - auch ein absoluter Liebling des Publikums - als Oberhandwerker Zettel. Er rennt immer mit einer antiken Fliegerhaube à la "Quax, der Bruchpilot" über die Bühne bis er in einen Esel verwandelt wird...

Die Bühne von Hans-Holger Schmidt zeigt am Anfang eine klassisch-griechische Ruinenlandschaft, so wie Shakespeare sich das wahrscheinlich vorgestellt hat. Später gibt es den verwunschen Wald, der aber doch sehr nach Niederlausitz aussieht. Das fügt sich sehr gut zusammen mit den Kostümen von Adriana Mortelliti. Die Liebenden tragen moderne Hochzeitsgewandungen, die Elfen hautfarbene Ganzkörperkondome, die mit Laub geschmückt sind. Als Einziger richtig auffällig ist Kobold Puck in rot und schwarz im Kostüm aus Lack und Leder - ein perfekter kleiner Teufel. Das ist nicht sonderlich originell, aber es ist stimmig und es lenkt nicht ab von der guten Choreografie und den perfekt ausgeführten Tanzschritten.

Fazit: Diese Ballett-Adaption von Shakespeares Sommernachtstraum unter freiem Himmel ist absolut empfehlenswert...und das Wetter soll ja in den nächsten Tagen auch passen!

Claus Fischer, rbbKultur

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