Bühnenszene: The Queen's Men
Thomas M. Jauk
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Hans Otto Theater Potsdam - "The Queen’s Men"

Bewertung:

"The Queen’s Men" hat Bettina Jahnke als leichte, nette Unterhaltung für laue Sommerabende inszeniert – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Perfektes Wetter am vergangenen Wochenende für die Eröffnung der Open-Air-Saison. Am Potsdamer Hans Otto Theater startete sie auf der neuen Sommerbühne, direkt am Tiefen See, hinter dem Theater. Diese Seebühne sollte bereits 2007 zusammen mit dem Theaterneubau eröffnet werden – doch dann fehlte das Geld und auch der Wille, die Bühne fertigzustellen. Wenige Jahre später gab es Streit, weil andere Künstler über eine private Seebühne nachdachten.

Das Theater entwarf daraufhin ein neues Konzept, das aber wiederum zu teuer war. Deshalb spielte der Intendant Tobias Wellemeyer ab 2012 im Gasometer nebenan Open Air, das kam günstiger.

Der Traum von der Seebühne

Bettina Jahnke hat den Traum von der Seebühne nun ganz pragmatisch realisiert: Die Bühne ist kleiner und deutlich weniger aufwendig als im alten Konzept. Es wurde keine extra Zuschauertribüne gebaut, man sitzt auf den breiten Stufen, die hinterm Haus zum See hinunter führen und auf Stühlen davor. Die schmale Bühne ragt übers Wasser, gesäumt von einer Kastanie und einer Pappel – eine traumhafte Kulisse.

Die Spielfläche besteht aus drei roten, wellenförmigen Holzstegen, die ans rote Theaterdach erinnern. Von den oberen Reihen hat man die deutlich bessere Sicht – von hier aus sieht man sogar den malerischen Flatowturm am anderen Ufer, der wie selbstverständlich Teil des Bühnenbilds wird.

Das Gasometer hatte den Charme des verwitterten Industriedesigns. Die Seebühne ist romantischer, lieblicher: der Horizont ist weit, Schiffchen fahren vorbei. Und wenn der Silberreiher just im Moment übers Wasser fliegt, da von den leichten Schwingen der Liebe die Rede ist, wird die Natur zum besten Mitspieler.

Eine leichte Komödie à la Shakespeare

Es ist also die ideale Kulisse für eine leichte Komödie à la Shakespeare. Der Schauspieler Peter Jordan hat "The Queen’s Men" 2017 als Auftragswerk fürs Theater Düsseldorf geschrieben. Es spielt zu Zeiten Shakespeares: Die Anhänger Maria Stuarts haben versucht, Königin Elizabeth zu töten – und weil die Königin wissen will, auf welcher Seite das Volk steht, schleust sie sich in eine Theatertruppe ein. Bei diesen liederlichen Schauspielern, heißt es, macht noch jeder Klatsch und Tratsch die Runde.

Elizabeth tritt dort als Parodie ihrer Selbst auf, vermeintlich als Königin kostümiert. Sie wird die Muse von Shaunessy Williams, dem noch jungen und unbekannten Shakespeare, für sie schreibt er Romeo und Julia und rettet die Truppe kurz vor dem finanziellen Aus. Von ihren eigenen Leuten wird Elizabeth schließlich in den Tower geworfen, und muss von der Theatertruppe befreit werden.

Irgendwas mit drei Hexen und einem König

Dieser lose, alles andere als zwingende Plot dient allerdings nur dazu, Shakespeare-Stücke anzuspielen und über das Theater an sich zu referieren. Shaunessy wird für sein Märchenstück belächelt, an dem er arbeitet – irgendwas mit drei Hexen und einem König: Macbeth natürlich.

Am Anfang wird Hamlet geprobt, ein Stück, das Shaunessy angeblich nur aus Jux geschrieben hat, der Plot sei doch wirklich allzu doof. Alle Shakespeare-Dramen sind hier Zufallsprodukte und Gemeinschaftsarbeiten. Es ist der Abgesang aufs Künstler-Genie und die Lobpreisung der Stückentwicklung mit dem Ensemble.

The Queen's Men
Bild: Thomas M. Jauk

Wir sind schließlich Schauspieler!

Darüber hinaus hat Peter Jordan alles aufgegriffen, was an Themen gerade durchs Theater rauscht: die Blackfacing-Debatte, der Ruf nach Kunstfreiheit und politischem Theater. Joachim Berger gibt den reaktionären Alten, der beklagt, das Theater sei nur noch Geschrei und Effekte. Und Elizabeth führt aus Dank am Ende das subventionierte Theater ein.

Die Schauspieler treten in Pomp und Perücken, Halskrausen, weiß geschminkten Gesichtern auf – eine Hommage an den Verwandlungszauber des Theaters und die Feier seiner Schauspieler. Es werden Degen gezückt und Klingen geschwungen, jede Clownsnummer ausgiebig ausgekostet und jeder Theatergag abgegrast. Leben für den Spaß und für die Kunst, heißt es am Ende – wir sind schließlich Schauspieler!

Für laue Sommerabende

Richtig zünden kann das allerdings nicht so recht – bei zweieinhalb Stunden gibt es mitunter längere Durchhänger, vor allem, wenn die Clowns im zweiten Teil versuchen, italienische und niederländische Akzente zu imitieren.

Doch es ist eine hübsche Ensemblearbeit zum Abschluss der Saison. Insgesamt elf Spieler stehen auf der Bühne, darunter auch Moritz von Treuenfels in seiner letzten Rolle. In der kommenden Saison geht er mit Andreas Beck zunächst ans Theater Basel, dann ans Münchner Residenztheater – eine tolle Karriere. In Potsdam wird der Publikumsliebling als herausragender Spieler fehlen.

"The Queen’s Men" hat Bettina Jahnke als leichte, nette Unterhaltung für laue Sommerabende inszeniert – nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Barbara Behrendt, rbbKultur

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