"Zuhause bin ich Darling": Judy (Judith Richter, re) und Johnny (Niklas Kohrt) haben sich völlig den 50er-Jahren verschrieben; © Franziska Strauss
Bild: Franziska Strauss

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater - "Zuhause bin ich Darling"

Bewertung:

Vor gut einem Jahr wurde das Stück "Home, I'm Darling", in London uraufgeführt – und hat in diesem Frühjahr den begehrten Laurence-Olivier-Award als "Beste Komödie" erhalten. Gestern Abend war die deutschsprachige Erstaufführung ...

Irritierend: Am Ende ist nicht wirklich klar, um was es in dem Stück geht. Wir erleben ein junge Ehepaar – er ist Angestellter im Immobiliengeschäft, sie Hausfrau – offenbar aus Leidenschaft. Früher war sie mal im Finanzgewerbe, hat dem aber das Arbeiten für Haushalt und Mann vorgezogen. Denn: die Zwei leben ihren Traum, einen sehr individuellen, den, so zu leben wie in den 50er Jahren. So sieht’s denn auch bei ihnen aus – bunt, piefig, clean.

Und es geht nicht gut: Er wird nicht befördert, damit landen sie finanziell in einer Sackgasse. Eine existentielle Katastrophe bahnt sich an. Überraschend: Nicht er ist der Pantoffeltiger, sie will diesen Lebensstil. Der angedeutete Grund: Sie ist bei der Mutter in einer Hippie-Kommune aufgewachsen – und sehnt sich nach bürgerlicher Bilderbuch-Idylle.

Das wird abgespult – von neckischen Szenen zunächst, hin zur angedeuteten Studie einer psychisch kranken Frau, schließlich zu einem Happy End: Er passt sich den Erwartungen der Außenwelt an – und kriegt doch noch eine berufliche Chance samt Gehaltserhöhung.

Abgestandene Gags

Packend daran ist die Unverfrorenheit, mit der hier abgestandene Gags und Klischees serviert werden: Würden Theaterdialoge riechen wie vergammeltes Fleisch, hätte es im Schillertheater zum Himmel gestunken. Erschreckend auch: Wie oberflächlich sehr ernste Themen ohne dramaturgische Raffinesse abgespult werden.

Das Thema nervlicher Zerrüttung einer jungen Frau, der Geschlechterclinch und die "MeToo"-Debatte – die wird regelrecht missbraucht. Es gibt nämlich eine Nebenfigur, einen Mann, der der sexuellen Übergriffigkeit gegenüber einer Kollegin beschuldigt wird, was nur so nebenbei abgehandelt wird.

Das schnell-schnell erreichte Happy End wirkt aufgesetzt. Und es ärgert. Denn es sagt: Sei brav, sei bloß nicht individuell, hab um Himmels Willen keinen Spleen – und schon wird's dir gut gehen. Das schon allein deshalb, weil etwa Doris Day in ihren Filmen, auf die hier gern angespielt wird – am berühmtesten "Bettgeflüster" – Mitte und Ende der Fünfzigerjahre einen ganz anderen Lebensstil propagiert hat – zu erreichen durch Frauen, die selbstbewusst und selbstständig sind, also selbstredend einem Beruf nachgehen.

Einfallslose Regie

Inszeniert hat Philipp Besson. Er hat schon einige Erfolge als Regisseur vorzuweisen, etwa auch am Hans Otto Theater in Potsdam. Hier ist ihm nicht viel eingefallen, abgesehen davon, dass er Umbaupausen geschickt durch Fünfzigerjahre-Songs und Tanzeinlagen kaschiert: der Rhythmus ist schleppend, Charme fehlt, die Figuren erreichen keine Tiefe. Und, seltsam, er setzt auf Irritation: Die Akteure sprechen und spielen fast durchweg puppenartig, künstlich anmutend, angestrengt. Das wirkt gewollt. Es erschloss sich jedoch nicht, warum.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler waren durchweg chancenlos, anderes als Typen zu skizzieren, Pappkameraden, Abziehbilder, Karikaturen. Da wird kräftig auf die Tube gedrückt – doch mehr als heiße Luft kommt dabei nicht heraus.

Peter Claus, rbbKultur

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