Hass-Triptychon — Wege aus der Krise, Regie: Ersan Mondtag © Judith Buss
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Maxim Gorki Theater - "Hass-Triptychon oder Wege aus der Krise"

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Die Schriftstellerin Sibylle Berg spitzt gerne zu. Ihre Kolumnen, ihre Bücher, ihre Theaterstücke sind bittere aber auch komische Dystopien. Sarkastisch spießt sie den Zeitgeist auf, liefert literarische Schnappschüsse von 20-jährigen Dauerpraktikanten, von Bio-Bürgern, Gender-Mainstreamern, Pegida-Anhängern oder depressiven Spätkapitalisten. Ihr neues Stück klingt nicht weniger böse: "Hass-Triptychon oder Wege aus der Krise" heißt es. Und im Untertitel: "Eine Therapie in drei Flügeln".

Es hat schon den österreichischen Nestroy-Theaterpreis gewonnen und handelt von Menschen, die sich vom Leben betrogen und abgehängt fühlen. Leute aus der darniederliegenden Mittelschicht, die einmal etwas Anständiges gelernt haben, und die sich aufgrund des Versprechens vom ewigen wirtschaftlichen Wachstum ein Leben erträumt haben, das sich nun nicht einlöst. Sie sitzen an tristen Sonntagen irgendwo in der Provinz an Autobahnzubringern, die Viertel sind zubetoniert, Kultur gibt es keine. Sie arbeiten in Berufen "auf die man nicht kommt, wenn man als Kind von einer Beschäftigung träumt": Sie erstellen Online-Content für Wasserwerke, sie denken sich Marketingpläne für Haushaltsmülleimer aus oder arbeiten in Handyläden als Operator. Sie haben keine schönen Liebesbeziehungen, sie tun nichts Sinnvolles – und wenn sie überhaupt etwas spüren, dann ist es: Langeweile. Und Hass.

Hass ist das einzige, was Menschen antreibt

Das Stück ist in drei Kapitel, drei "Flügel" gegliedert: Anamnese, Diagnose, Therapie. Die griesgrämigen Figuren breiten ihr trauriges Leben vor uns aus – während der Therapeut, der sogenannte Hass-Master, eine misanthropische Kunstfigur, die in Reimen spricht, den Menschen das gibt, womit sie wieder Kontrolle über ihr Leben erlangen sollen: Waffen. Die Therapie besteht nun darin, dass sich alle gegenseitig abknallen. Der Hass, das ist Bergs bittere Pointe, ist das einzige, was Menschen antreibt. An der Liebe scheitern sie regelmäßig. Am Hass nicht. Ein Stück voller tiefschwarzer Hoffnungslosigkeit.

Hass-Triptychon — Wege aus der Krise, Regie: Ersan Mondtag © Judith Buss
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Düstere Horror-Atmosphäre

Der Regisseur Ersan Mondtag setzt oft auf große Bilder und düstere Horror-Atmosphären. Hier inszeniert er eine Art groteskes Musical. Auf der Drehbühne stehen dunkle Papphäuser in Schwarz-weiß-Optik, zu Beginn donnert es unheilschwanger wie in einem Gruselfilm. In den Zuschauerraum ragen große Strommasten, wie sie sich auf dem Land über die Felder ziehen. Auftritt Benny Claessens: weiße Kutte, langes blondes Haar und Zauberhut, eine Mischung aus Guru und Engel. Er ist der narzisstische Hassmaster, der Bergs Texte singt wie Kurt-Weill-Lieder und sich als hyperdominante Rampensau geriert.

Trolle, die zu Waffen greifen

Seine Therapiegruppe sind keine Menschen, sondern Trolle. Die Assoziation an anonyme Trolle im Internet, die den Hass in Kübeln auskippen, liegt natürlich auf der Hand. Hier sind sie allerdings weniger beängstigend-wütend als niedlich. In Fatsuits und mit riesigen spitzen Ohren, hochtoupierten Perücken gucken sie ganz unschuldig aus ihren blauen, grünen, violetten Gesichtern. Selbst bekannte Schauspieler wie Bruno Cathomas sind unter der Maske kaum erkennbar. Sie lassen sich vom Hassmaster maßregeln, müssen Choreografien trainieren und schließlich zur Waffe greifen.

Leiden an der Bedeutungslosigkeit

Allerdings scheint Ersan Mondtag den Text missverstanden zu haben: Er begreift als Spott und Hohn, was bei Sibylle Berg Resignation und Trauer ist. Die Hoffnungslosigkeit liegt in Bergs Texten stets unter der bösen satirischen Oberfläche – die Inszenierung jedoch zeigt uns Jammerlappen, die keine Menschen mehr sind, und macht sich über Leute lustig, die um ihre Existenz bangen, die in der Provinz sitzen und vom aufregenden Leben träumen. Bergs Text ist aber kein denunziatorischer, sondern ein fatalistischer, der keine andere Therapie mehr weiß, als dass sich die Menschheit auslöscht. Schwärzer geht es nicht. "Manchmal denke ich, die Welt gibt es nur, um mich zu kränken, aber: Ich vermute, sie weiß nicht einmal, dass es mich gibt." – Wer hier nur Narzissmus liest, nicht jedoch das Leiden an der Bedeutungslosigkeit, am nicht geliebt werden, der hört nicht richtig hin.

Unpolitische und zynische Interpretation

Legitim, das Stück als Groteske zu inszenieren – doch das Lachen müsste dann ein bitteres Höllengelächter sein, das die ganze Menschheit meint. Hier lacht man höchstens einmal über Benny Claessens eitles Entertainmentprogramm, das über eine Länge von zwei Stunden allerdings seine Durchhänger hat. Doch was hat man mit diesen lächerlichen Trollen zu tun? Dass sie sich am Ende abknallen – wen interessiert’s? Eine geradezu unpolitische und zynische Interpretation.

Barbara Behrendt, rbbKultur

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