Limited Edition Regime der Liebe Komödie über Arrangements in Liebesbeziehungen von Tanja Šljivar | Regie und Musik: Nazanin Noori
Arno Declair
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Box im Deutschen Theater - "Regime der Liebe"

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"Limited Edition" heißt die Reihe am Deutschen Theater, bei der sich junge Regisseurinnen und Regisseure auf der kleinen Bühne vor dem Hauptstadtpublikum ausprobieren dürfen. Die Inszenierungen stehen für drei Termine auf dem Spielplan – bei großem Erfolg können sie auch mal ins Repertoire wandern. Nun hat die Regieassistentin Nazanin Noori "Regime der Liebe" von Tanja Šljivar in der Box des Deutschen Theaters inszeniert.

Das Stück der jungen Dramatikerin aus Bosnien-Herzegowina, inzwischen auch Schauspieldirektorin am Nationaltheater Belgrad, wird zum ersten Mal in Deutschland gezeigt. Šljivar war vor zwei Jahren mit einem Text beim Stückemarkt des Theatertreffens zu Gast – ein depressiver Bilderreigen über Liebe, Inzest, Selbstmord.

In "Regime der Liebe" probieren nun fünf Figuren unterschiedliche Formen des Zusammenseins aus: serielle Monogamie, offene Zweierbeziehung, bisexuelle Beziehungen zu mehreren, bis hin zu Polyamorie.  

Entwurf eines deprimierenden Labors der Liebe

"Komödie über Arrangements in Liebesbeziehungen" lautet der Untertitel. Doch obwohl man die Dialoge durchaus ins Schräge, Komische ziehen kann, entwirft Šljivar eigentlich ein deprimierendes Labor, in dem jede Beziehungsform ins Unglück führt. Im Literaturverzeichnis führt die Autorin Bücher von Eva Illouz bis Roland Barthes an – das Stück ist eine Abrechnung mit modernen Beziehungsmodellen, die nach Šljivar nicht viel mit Liebe, aber umso mehr mit Egoismus zu tun haben. Vom Liebesmarkt ist die Rede, gedated wird über Tinder und Grindr; perfekt für Menschen, die Vermeidungsstrategien beherrschen. Wer sich aber auf einen Menschen einlässt, wird verletzt: Liebe tut weh, so die etwas banale Einsicht. Unterschwellig plädiert die Autorin also eigentlich für weniger austauschbare Intimbeziehungen.

Regime der Liebe – Komödie über Arrangements in Liebesbeziehungen von Tanja Šljivar | Regie und Musik: Nazanin Noori
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Seltsames Setting

Nazanin Noori verlegt das Stück nun in ein derart seltsames Setting, dass ohne die Information auf der Theaterhomepage, es handele sich um ein "postapokalyptisches Szenario", kaum zu verstehen wäre, worum es überhaupt geht. Auch auf dem Programmzettel ist nur ein höchst kryptischer Text zum Inhalt zu lesen.

Die Bühne: ein schwarzer Raum, von den Seiten hängen Metallketten. Zwei Männer stehen hier als Blondinen verkleidet in schwarzen Lackmänteln und durchsichtigen Negligees. An der Wand drei futuristische Gerätschaften, die an Staubsauger erinnern. Ein Sado-Maso-Keller der Zukunft? Von der Decke hängen zudem zwei Bildschirme, auf denen seltsame Dinge stehen, wie: "Gehirncomputerschnittstelle aktiviert" oder "Identitätskonstruktion abgeschlossen. Serielle Monogamie. Proband Eins und Zwei".

"Mit Liebe hat das so viel zu tun wie ein Zahnarztbesuch"

Die Lack-und-Leder-Männer müssen nun mit ironischem Pathos, viel Geschrei und Overacting die Beziehungsmodelle anspielen. Doch da nicht das kleinste Fünkchen Anziehungskraft zwischen ihnen zu spüren ist, bleibt rätselhaft, welches Experiment mit den "Probanden" ausagiert wird. Mit Liebe hat das so viel zu tun wie ein Zahnarztbesuch. Zwischendurch tritt eine Frau mit künstlich roter Wallemähne auf, als sei sie gerade einem Raumschiff entstiegen, und hält längliche Monologe über die Einsamkeit. Es könnte die Versuchsleiterin sein – doch auf dem Bildschirm steht "Der letzte Mensch" und aus dem Off dringt eine Männerstimme, die Fragen stellt. Am Ende wird die Knarre gezogen und Männer und Frau schießen sich gegenseitig nieder.

Das Thema ist spannend – die Umsetzung bleibt rätselhaft

Was das zu bedeuten hat? Vielleicht wollen sich die Männer letztlich doch zur wahren Liebe bekennen? Ist aber auch nicht so wichtig – denn die verkleideten Lack-Kammeraden auf der Bühne gehen einen so viel an wie Zombies in einem Computerspiel.

Dabei steht hier ein so spannendes Thema zur Diskussion: Wie haben sich unsere Liebesbeziehungen verändert, wie austauschbar sind sie? Doch zwei Seiten Eva-Illouz-Lektüre oder ein halbes ZEIT-Feuilleton machen einen deutlich klüger als diese anderthalb Stunden. 

Scheinbar fehlende Projektbetreuung

Es ist ja durchaus lobenswert, dass der DT-Intendant Ulrich Khuon seine Regieassistentinnen und -assistenten erste Fingerübungen probieren lässt. Seltsam allerdings, dass die Projekt-Betreuung dann auszubleiben scheint. Dass sich ein kluger Dramaturg wie David Heiligers, im Programmzettel als Produktionsdramaturg angeführt, mit dem Konzept dieses Abends tatsächlich beschäftigt haben soll, ist zumindest überraschend. Fraglich auch, ob man so ein erstes "Ausprobieren" tatsächlich öffentlich machen und nicht lieber intern, unter Kollegen und Bekannten, zeigen sollte. Den Nachwuchskräften tut man mit großer Werbung und Presseeinladungen oft keinen Gefallen. Für Freunde völlig in Ordnung – für zahlende Besucher, die sich in diese Vorstellung an einem großen Hauptstadttheater verirren, weniger

Barbara Behrendt, rbbKultur

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