Sarabande © Nobutaka Shomura, Sasha Amaya
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Sophiensæle - 29. Tanztage Berlin

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Immer in den ersten Januartagen strömt das Tanz-Publikum in die Sophiensæle in Berlin-Mitte, zum ersten Tanzfestival des Jahres, zu den Tanztagen Berlin, dem Festival für den Nachwuchs im Zeitgenössischen Tanz. Gestern Abend wurde die 29. Ausgabe des Festivals mit drei Premieren eröffnet.

In einem insgesamt schwachen Abend war das gelungenste Stück "Tricks for Gold" von Frida Giulia Franceschini, der jungen Choreographin, die neben Zeitgenössischem Tanz auch Ballett und Visual Arts studiert hat. Sie ist für ihre Performance in die Welt der Zauber-Varieté- und Online-Erotik-Shows geschlüpft, präsentiert sich als Magierin, die unter Bergen von Tüchern hervor erscheint und aus ihrem Schoß Gold gebiert.
Ihr Stück ist eine kleine ironische Zaubershow nah an der Persiflage, aber ernst gemeint, immerhin geht es ihr um die Objektwerdung und Vermarktung des weiblichen Körpers.

Körper als Objekt der Begierde

Franceschini zeigt, wie Frauen in solchen Shows eingesetzt werden: eindeutig sexualisiert. Beine oder Brüste nackt oder als Assistentin mit unnahbar-laszivem Blick stupide hüpfend und trippelnd. Sie schleudert die langen Haare, zeigt einen Striptease, der entblößt und verschleiert – sie zeigt einen Körper also als Objekt der Begierde.
Nur dass sie die Fäden zieht, die Mechanik dieser Form von Missbrauch offenbart und der Lächerlichkeit preisgibt.

Emanuel Gat: "Sunny" © JUBAL BATTISTI
Bild: JUBAL BATTISTI

Sasha Amaya: "Sarabande" – Barocke Tanzformen

Sasha Amayas Stück "Sarabande" ist hingegen ein Versuch zu barocken Tanzformen für den sie vier barocke Tänze untersucht hat: Allemande, Sarabande, Passacaille und Menuet. Dafür steigt sie mit ihrem Bühnenpartner Falk Grever in die Positionen der Tänzer: die Füße gespreizt, die Beine angewinkelt, Arme und Hände kokett erhoben. Sie imitieren die Bewegungs- und v.a. Standbild-Formen des französischen Hoftanzes aus der Zeit der Entstehung des klassischen Balletts, aus der Zeit der höfischen Etikette.
Zwar gehen beide in Distanz zu einer reinen Kopie dieser Tänze, indem sie etwa die eigentlich steife vertikale Achse des Körpers kippen und biegen, indem sie sich über den Boden wälzen und nicht perfekt, sondern gewollt amateurhaft agieren, indem sie ihr Erkunden ausstellen. Aber zu einer Antwort auf ihre eigentliche Frage, wie Barocktanzformen heute im Zeitgenössischen Tanz genutzt werden könnten, dringen sie nicht vor – auf dem Papier war das bestimmt ein interessantes Projekt.

Lois Alexander: "Neptune" – Frauen of Color

Lois Alexanders Choreographie "Neptune" kommt recht bedeutungsschwer daher. Lois Alexander, Ende 20, dunkelhäutig, aus den USA, ist eine faszinierende Tänzerin, kraft- und energievoll und doch wie durchscheinend und durchlässig anmutig. Für ihr zweites Solo-Stück hat sie sich jedoch zu viel vorgenommen, wollte ihre eigene Position als Frau und marginalisierte Frau of Color thematisieren und zugleich auch, wie es im Programmheft heißt: "die sozialen Strukturen, die Frauen of Color im Laufe der Geschichte beeinflusst haben". Das versucht sie mit stillem Ernst, mit langsam schmelzenden Eisblöcken, die an Ketten von der Decke hängen und u.a. mit einem Kettentanz, bei der sie die lange Gliederkette erst wie eine Last um den Hals, dann wie einen Schmuck um den Körper trägt und die Enden schließlich im wirbelnden Kreistanz fliegen lässt – ein Akt der Befreiung, wenn man so will.
Allerdings bleibt Lois Alexander auf einer derart verdichteten metaphorischen Ebene, in einem so rätselhaften privaten Universum, das man ratlos aus der Choreographie geht.

Ein Festival für frühe choreographische Versuche

Nun sind die Tanztage das Festival für den Nachwuchs, für frühe choreographische Versuche, die man auch als solche sehen sollte, aber davon gibt es mittlerweile in der Berliner Tanzszene viel und Besseres zu sehen.

Frank Schmid, rbbKultur

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