"Ich bin nicht Mercury"
Bild: © DERDEHMEL / Urbschat

Schlosspark Theater Berlin - Ich bin nicht Mercury

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Songs der Rockband Queen und ihres Frontmannes Freddy Mercury werden an diesem Abend genüsslich serviert – und ansonsten so gut wie nichts.

In dem Stück geht es, bei genauem hinsehen und hinhören, um nichts. Kann es auch nicht, denn es ist kein Stück. Es ist auch kein Musical. Es ist eine Aneinanderreihung von Songs. Zwischendurch gibt es Textfetzen in Mini-Spiel-Momenten. Da wird klar, dass wir als Publikum dabei sind, wie eine Band und drei Sänger sowie eine Sängerin eine Probe absolvieren für eine anstehende Aufnahme von Songs Mercurys und der Rockband Queen.

Queen-Fans können mitklatschen, gerne auch mal schunkeln

Die Textfetzen zwischen den Gesangseinlagen schleudern Reizworte ins Publikum – zum Beispiel "schwul" oder "krank" – und dann fetzen sich die Künstler auf der Bühne ein bisschen. Dabei geht's um Eifersucht und Egomanie, ein bisschen. Und schon kommt der nächste Song. Haupteinfall: einer der Sänger der Truppe lebt offenbar mit der Sängerin zusammen, hat erst spät rausgefunden, dass er auf Männer steht, und schon gibt's Probleme, die hier allerdings grad mal Problemchen sind, und die auch im Handumdrehen gelöst werden. Das ist alles nicht der Rede wert. Das Entscheidende ist die Präsentation der Songs. Die funktioniert, wenn man, wie das Premierenpublikum, auf Butterfahrten-Modus schaltet. Queen-Fans können mitklatschen und mitsummen, gern auch mal schunkeln. Besonders geglückt in der Interpretation wirken die eher leisen Songs, die aber die Ausnahme sind.

Sophie Berner singt alle an die Wand

Aus dem Ensemble der Akteure auf der Bühne ragt Sophie Berner, die einzige Frau der Chose, heraus. In Berlin ist sie bekannt als umjubelte Sally Bowles in "Cabaret" in der Bar jeder Vernunft; da war sie besser als Liza Minnelli im Film. Sophie Berner singt alle an die Wand. Auch schauspielerisch hat sie einen fesselnden Moment, wenn sie einen arroganten Mitstreiter in die Pfanne haut. Vor allem aber strahlt sie als Sängerin. Während es ansonsten oft nach Karaoke auf Koks klingt, Lautstärke mit Intensität verwechselt wird, hat Sophie Berner auch Zwischentöne, leise Momente, Intimität. Wenn sie die Ballade "You Take My Breath Away" interpretiert, gibt’s sogar einen Gänsehautmoment. Da wird der Abend dann zu einem überzeugenden Queen-Cover-Konzert.

"Ich bin nicht Mercury"
Bild: © DERDEHMEL / Urbschat

Wenn Queen – dann lieber das Musical "We will Rock You"

Am Ende bleibt allerdings nichts als eine ernüchternde Erkenntnis: Wenn Queen-Hommage auf der Bühne, dann greife man zum bekannten Musical "We will Rock You". Denn das überzeugt als Stück, fesselt musikalisch und hat obendrein sogar eine spannende politische Ebene.

Peter Claus, rbbKultur

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