Szene aus "DER SOHN" von Florian Zeller am Renaissance-Theater Berlin (Bild: Barbara Braun/drama-berlin.de)
Bild: Barbara Braun/drama-berlin.de

Renaissance Theater Berlin - "Der Sohn"

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In der Spielzeit 2016/17 war das Stück "Der Vater" des französischen Autors Florian Zeller ein Hit am Renaissance Theater Berlin. Dort steht jetzt das bisher letzte Stück des Autors neu auf dem Spielplan, "Der Sohn". Auch hitverdächtig?

Ist das eine Fortsetzung des Erfolgsstückes "Der Vater"? – Nein und ja.

Nein, weil die Geschichte des Stückes "Der Vater" nicht weitererzählt wird; da geht es um einen dementen alten Mann, hier um einen halbwüchsigen Sohn mit Problemen.

Ja, weil Zeller sich auch in seinem Stück "Der Sohn" eindeutig auf Große des Theaters wie Ibsen und Strindberg beruft. Anders als sie allerdings rollt er die Geschichte eines Familiendramas weniger grüblerisch, eher zupackend auf. Und Zeller dem Publikum mehr Fragen als dass er Antworten gibt.

Dieser Abend wird ein Hit

Kurz zur Story: Wir haben ein Elternpaar, sie sind geschieden, der Vater hat die Frau und den pubertierenden Sohn allein gelassen, lebt mit seiner neuen Frau und dem gemeinsamen Baby zusammen. Da taucht die Ex auf, berichtet, dass sie mit dem Sohn nicht mehr klarkommt, dass der seit Monaten nicht zur Schule geht, dass er abwesend wirkt, seltsam. Er, der Sohn, Nicolas, will beim Vater und dessen neuer Familie leben. Sie versuchen es. Alle Erwachsenen ziehen an einem Strang. Doch es klappt gar nicht. Das Problem: Die Erwachsenen erkennen nicht, dass der Junge schwer depressiv ist. Es kommt schließlich zu einem Suizid-Versuch. Und es wird noch viel, viel dramatischer...

Das ist exzellent gespielt, von allen – und das ist großartig inszeniert von Guntbert Warns, dem künftigen Intendanten des Renaissance Theaters. Er hat sehr subtil gearbeitet, hat alle Gefahren, dass der Abend etwa in Sentimentalität abrutscht, umschifft. Warns schafft es, das war zur Premiere sehr deutlich an den Publikumsreaktionen zu spüren, dass viele im Zuschauerraum eigenes Erleben gespiegelt sehen, sich selbst erkennen.

Eine Inszenierung vom Feinsten

Geboten wird klassisches Schauspieltheater. Der Regisseur hat sich völlig zu Recht auf die Kunst der Akteure verlassen, darauf, dass sie Innerste der Charaktere nach außen kehren können. Dabei baut Warns auf eine überaus genaue Körpersprache. Im Gang, in der Mimik, in der Art des Redens – und Schweigens! – spiegelt sich die jeweilige Verzweiflung der Figuren, ohne dass das je vordergründig wirkt.

Eine Entscheidung ist besonders clever: Warns lässt in einer fast surrealen Atmosphäre in wenigen, wandelbaren Kulissen spielen. Die haben nichts Heimeliges, da kommt keinerlei Zu-Hause-Gefühl auf, das dreht sich, wandelt sich, macht damit unterschiedliche Räume sichtbar. Und: Die ganze Zeit sind eine Bühnenarbeiterin und zwei Bühnenarbeiter zu sehen, die die jeweiligen Ortswechsel ermöglichen. Das sorgt für Distanz; da hat Kitsch keine Chance. Das ist wirklich sehr genau gearbeitet.

Ein Fest für Freunde klugen Schauspieltheaters

Auch wenn das Stück am Ende etwas zu sehr auf Knalleffekte à la Krimi setzt – ein Fest für Freunde klugen Schauspieltheaters – weil die Schauspieler wirklich überaus präzise agieren, weil sie sehr klug Gefühle sezieren, ja, analysieren, aber nie gefühlig werden. Da ist der junge Carl Winklmayr im Part des Sohnes, die immer begeisternde Anika Mauer als Mutter, nuanciert Michael Rotschopf als Vater, der nur das Beste will, aber fassungslos durchleiden muss, dass er nicht weiß, was das Beste ist. Alle sind gut!

Und das Schönste: Man nimmt viel, sehr viel zum Nachdenken mit nachhause. Ein wahrlich großer Theaterabend!

Peter Claus, rbbKultur

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