Staatsballett Gala: "From Berlin with Love" © Staatsballett/YouTube (Screenshot)
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Staatsballett-YouTube-Kanal - Staatsballett Gala: "From Berlin with Love"

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Zum Abschluss dieser verkorksten Covid-19-Saison und als Ausblick auf die kommende, hat das Berliner Staatsballett gestern Abend die Premiere einer Online-Gala gefeiert. "From Berlin with Love". Sozusagen ein Liebesgruß an die Ballettfans über den Staatsballett-Youtube-Kanal. Aber eine Ballett-Gala ohne Publikum? Und die Tänzer mit Abstandsregeln?

Den üblichen Pomp von Gala-Abenden kann diese Online-Version nicht entwickeln, trotz prächtiger Kostüme und des Versuchs, festliche Atmosphäre herzustellen. Dies ist dann doch nur ein kleines Appetithäppchen.
Nur sieben kurze Szenen, Soli und Ausschnitte aus Balletten des Repertoires, ein bisschen was Neues, knappe 47 Minuten lang, wenn man die Einleitung der Interims-Intendantin Christiane Theobald einberechnet, die zu Beginn von einer Kamera begleitet durch die Ballettstudios und den Backstage-Bereich der Deutschen Oper führt.

Staatsballett Gala: "From Berlin with Love" © Staatsballett/YouTube (Screenshot)
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Aufzeichnung unter Covid-19-Bedingungen

Dort wurden die Szenen vor einigen Wochen aufgenommen, die Tänzerinnen und Tänzer hatten ihre Auftritte nacheinander, streng getrennt. Nur die Paare, die ohnehin zusammenleben, durften gemeinsam auf die Bühne und dort gab es nur Klavierbegleitung oder Musik vom Band.
Für die Tänzer war es sicher eine Freude, sich wieder präsentieren zu dürfen, nachdem sie wochenlang allein zu Hause trainiert hatten, übrigens auf Teilen eines alten Tanzbodens der Deutschen Oper, der kleingeschnitten zu ihnen gebracht wurde.

Zwei Szenen aus "Schwanensee"

Freude und Stolz sieht man ihnen jedenfalls an, etwa in den zwei Szenen aus "Schwanensee" in der Patrice-Bart-Fassung, angelehnt an die Uraufführungs-Choreographie von Marius Petipa – Standard bei Gala-Abenden. In der ersten "Schwanensee"-Szene tanzt der nicht mehr ganz so neue Star des Staatsballetts Daniil Simkin ganz in schwarz ein furchtbar traurig-tragisches Prinzen-Drama und man sieht, was für ein phantastischer Tänzer er ist – nicht nur ungeheuer ausdrucksstark, sondern von ungeheuerlicher Präzision und Präsenz.


In der zweiten "Schwanensee"-Szene zeigen sich Iana Salenko und Marian Walter in wunderschöner Intimität – der Prinz und die Schwanenkönigin im Verliebtheitsrausch, im Liebes-Duett, das schon ein Hauch von Trauer durchweht – das geht zu Herzen. Oder ist es vielmehr so, dass ihre Zartheit, Vertrautheit und Harmonie deswegen so auffallen, weil es uns erschreckt, so etwas in Corona-Zeiten zu sehen?
Wie auch immer – das sind zwei Glanzpunkte dieser kleinen Gala, der andere gelingt natürlich Polina Semionova.

Polina Semionova als tragisch Leidende

Der große Berliner Publikumsliebling tanzt ein Solo von Mauro Bigonzetti, dem italienischen Choreographen. Polina Semionova, ebenfalls ganz in schwarz, in kurzem Tutu und knappem Top sah sie fast ausgezehrt aus, gibt zu Antonio Vivaldis "Stabat Mater dolorosa" eine gequälte Seele, leidend, verzweifelt und stolz. Mit zumeist geschlossenen Augen tanzt sie ein Solo voller Pein und Leid, die Bruchlinien des Schmerzes laufen durch ihren Körper, durch jede einzelne Bewegung. Das ist ergreifend und mitunter erschütternd anzusehen – ein Eindruck, zu dem allerdings der Gesang von Countertenor Andreas Scholl, begleitet vom Ensemble 415 beiträgt.

Ausblick auf die kommende Saison – unter welchen Bedingungen auch immer

Das Staatsballett nutzt diese Online-Gala v.a. als Ausblick auf die kommende Saison. Die "Schwanensee"-Szenen und auch das Solo von Aurora Dickie aus der großartigen "Jewels"-Choreographie von George Balanchine sollen bei den beiden Gala-Abenden Ende August und Mitte September gezeigt werden, die ebenfalls "From Berlin with Love" heißen – mal sehen, unter welchen Bedingungen sie überhaupt möglich sein werden.

Choreographien der Tänzerinnen und Tänzer – "Lab Works Covid 19"

Und für Anfang September ist ein Abend mit Choreographien der Tänzerinnen und Tänzer geplant "Lab Works Covid 19", mit Stücken, die sie in der Zeit des Lockdowns entworfen haben.
Ross Martinson zeigt einen kleinen Ausschnitt, der die Vermutung nahelegt, dass er an seiner Choreographie noch arbeiten sollte und Ksenia Ovsyanick und Johnny McMillan haben eine Improvisation getanzt, ein Paar, das auf Abstand bleiben muss, auch wenn beide zueinander wollen.
Das war sehr spannend – allerdings haben hier Kameras und Schnitt zu viel des Guten getan. Mehrere Kameras, immer zu nah dran, hektische Bild-Führung – dieses Duo wurde geradezu zerschnitten, sehr schade.

Staatsballett Gala: "From Berlin with Love" © Staatsballett/YouTube (Screenshot)
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Appetitanreger und Werbetrailer – Freude und Trauer

Diese Online-Gala ist kaum mehr als ein Appetitanreger, eine Art Werbemaßnahmen, ein Werbetrailer. In die große Freude, einige der Staatsballett-Tänzer endlich wieder sehen zu können, mischt sich allerdings auch Trauer. Es ist zu seltsam, sie auf der kahlen Bühne zu sehen, wie sie mit dem riesigen leeren Saal der Deutschen Oper hinter sich tanzen, sich ohne Applaus verneigen. Man blickt in diese gähnende Leere und der Tanz birgt bei aller Schönheit auch eine tragische Verlorenheit in sich. Man spürt den Verlust, den Tänzer und Zuschauer durch die Maßnahmen gegen Covid 19 zu ertragen haben und das ist auch schmerzvoll.

Frank Schmid, rbbKultur

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