Schlosspark Theater: Monty Phython's Spamalot; © Olaf Hais
Olaf Hais
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Musical basierend auf dem Filmklassiker "Die Ritter der Kokosnuss" - "Monty Python's Spamalot - Die Suche nach dem heiligen Gral"

"Spamalot" erzählt auf sehr freie Weise die Geschichte von König Artus und den Rittern der Tafelrunde, auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Das Musical basiert auf dem Monty-Python-Film "Die Ritter der Kokosnuss" und feierte 2005 seine Uraufführung am Broadway. Nun ist es am Schlosspark Theater zu sehen.

106 Plätze verkauft. Das bedeutet: eine Auslastung von 22 % am Schlosspark Theater bei jeweils drei gesperrten Sitzen dazwischen (eine Reihe vorher und hinterher gleichfalls blockiert). Abgesehen vom schönen Business Class-Gefühl, das bei solcher Platzpolitik eintritt, sind wir – bei der ersten Indoor-Premiere des Musiktheaters seit vielen Monaten! – doch schon zu sehr mit der Situation vertraut, um uns sonderlich zu erbittern. Ich sah einzelne Steglitzer, die ihren Mundschutz bereits mit Strass und Pailletten aufgehübscht haben. Auch wir sind Profis geworden. Uns kann nix mehr erschüttern.

Schlosspark Theater: Monty Phython's Spamalot; © Olaf Hais
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Abstandsregeln auf der Bühne?

Abstandsregeln auf der Bühne fallen ironisch aus. Bei der romantischen Szene zwischen Artus und Guinever tritt eine Ordnungskraft mit zwei Floretts dazwischen. Aktualisierungen solcher Art kann der 1975 kreierte Artus-Stoff nach dem Film "Die Ritter der Kokosnuss" gut brauchen. Monty Python, das war die Speerspitze des britischen Nonsense. Doch es ist 45 Jahre her. Mit King Arthur haben sie noch dazu ein britisches Nationalheiligtum am Wickel, dessen Parodie ohne Zutun selbstironische Pointen schenkt. In Deutschland, wo man den Stoff erklären muss, nützt uns das wenig.

Ein "Palim, palim" der 'Stimme Gottes'

Dennoch war "Spamalot" schon bei der New Yorker Uraufführung 2005 ein guter Erfolg (lief fast vier Jahre). Ich sah die Produktion (im Shubert Theatre): eine geölte Maschinerie des Musical-Entertainments. Seit 2009 hat sich das Werk solide von Köln über Karlsruhe bis Wunsiedel herabgearbeitet. Heute: ein Klassiker der Freilichtfestspiele von Röttingen bis Tecklenburg.

Die aktuell gezeigte Produktion war bis letzten Sonntag beim Seefestival Wustrau am Ruppiner See zu sehen. Schon dort mit einem Schlosspark Theater-Maskottchen: Johannes Hallervorden in diversen Rollen von Mönch über Leiche bis zur Seejungfrau. Er wird dem Vater immer ähnlicher; und scheint’s zu wollen. Dieter Hallervorden höchstselbst steuert als Stimme Gottes ein obligates "Palim, palim" bei. Damit sind die Götter benannt, zu denen geschworen wird.

Vergleiche zum Original fallen niemals günstig aus

Das Halbplayback unterbietet ein bisschen die Standards Berliner Musical-Gewohnheiten. Antje Rietz als "feuchte Fee vom See" singt vorzüglich. Nur dass Tom Quaas als Artus kein echter Komiker ist (eher als wenn Jan Hofer sich an einer Oliver Hardy-Parodie versucht). Man ertappt sich zu oft bei der Frage: Wie mag das bei John Cleese, Eric Idle oder Terry Gilliam ausgesehen haben?! Dieser Vergleich, gesteh ich’s nur, fällt niemals günstig aus. Das Kardinalproblem jeder "Spamalot"-Aufführung kann nur durch Hyperprofessionalität überrumpelt werden. Dazu ist die Produktion etwas zu spartanisch.

Ein leichter Wind von Wustrau

"Life’s a piece of shit/when you look at it", heißt es im Original. Dafür findet sich auch in der deutschen Übersetzung von Daniel Große Boymann kein gutes Äquivalent. Der Song, aus dem es stammt, heißt: "Always look on the bright side of life". Ein Geniestreich. Das wird hier zu: "Nimm das Leben beschwingt, hab einfach Spaß". – So dankbar ich für die Gelegenheit bin, dies gute Stück in Berlin zu sehen... Es weht doch ein leichter Wind von Wustrau drüber hin.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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