Deutsches Theater: "Play Strindberg" @ Arno Declair
Arno Declair
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Szenische Lesung - Deutsches Theater: "Play Strindberg"

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August Strindbergs Theaterstück "Totentanz" ist eine ziemlich düstere bürgerliche Ehetragödie, die beinahe tödlich endet. Friedrich Dürrenmatt hat daraus in den 1960er Jahren eine Komödie über die bürgerliche Ehetragödie gemach. Das Deutsche Theater zeigt sie nun als "szenische Lesung" mit einem Spitzenteam: Sophie Rois, Ulrich Matthes und Manuel Harder.

Drei kleine Tische und drei Stühle stehen vor einem schweren roten Samtvorhang. Rundennummer, Rundentitel, Gong werden von den Spielern angesagt, dann geht es in die Arena: antäuschen, Deckung, Verteidigung – und im richtigen Moment zuschlagen, auch wenn’s unter die Gürtellinie geht. So lauten Dürrenmatts ungeschriebene Regeln. Aufwärmphase gibt’s nicht, es geht direkt in die Vollen:

Edgar: "Ob wir noch Burgunder im Weinkeller haben?"
Alice: "Nein."
Edgar: "Wir brauchen aber Burgunder!"
Alice: "Wozu?"
Edgar: "Wir müssen unsere Silberne Hochzeit feiern!"
Alice: "Unser 25-jähriges Elend brauchen wir nicht zu feiern."
Edgar: "Wir hatten es manchmal nett miteinander."
Alice: "Das bildest du dir bloß ein."

Anklage des Gegenübers fürs eigene Elend als einzige Freude

Der Festungskommandant Edgar, gesundheitlich schwer angeschlagen, überhöht sich als weltberühmter Militärschriftsteller. Alice, die mal am Theater aufgetreten ist, preist sich als gefeierte Schauspielerin. Ganz nach August Strindbergs "Totentanz" leben sie in einem ehemaligen Gefängnisturm auf einer abgelegenen Insel, haben Gott und die Welt vergrault und erfreuen sich höchstens am Kartenspiel und daran, das Gegenüber fürs eigene Elend anzuklagen.

Bis Alices Vetter Kurt ankommt, den Edgar als Kleinganoven überführen will, während Alice sich ihm an den Hals wirft. Edgar täuscht einen Schwächeanfall nach dem nächsten vor – bis ihn dann plötzlich tatsächlich der Schlag trifft. Auf Mitleid braucht er da natürlich nicht zu hoffen.

Dürrenmatt hat Strindberg jede Sentimentalität ausgetrieben

In abgewetzter blauer Rittmeister-Uniform sitzt Ulrich Matthes an seinem Tischchen und spielt seinen verbitterten Edgar bärbeißig-breitbeinig vom Blatt, während Sophie Rois in schwarzer Spitze und überdimensionierten Puffärmeln daneben wirkt wie sein persönlicher Todesengel mit Giftspritze. Manuel Harder stößt zu beiden mit den Waffen eines nur leicht angegrauten Sunnyboys.

Gespielt wird hier keine psychologische Wohnzimmerschlacht im Stil eines Edward Albee oder einer Yasmina Reza, sondern eine überdrehte Groteske. Dürrenmatt hat Strindberg jede Sentimentalität ausgetrieben und damit jede psychologisch nachvollziehbare Verletzung. Geblieben ist nur der Hass, unbegründet und grell. Jede Runde wird blutig ausgefochten – doch Grund und Sinn des Kampfes bleiben vage.

Drei Virtuosen, die im Ring ihre Kunststückchen zeigen

Und so sieht man drei Virtuosen dabei zu, wie sie im Ring ihre Kunststückchen zeigen, die man denn auch gern beklatscht. Rois rollt die Augen und spreizt die Stimme ironisch-exaltiert, Matthes ächzt als todkranker Brummbär zu seinem Lieblingsmarsch über die Bühne. Wozu dieses leicht angestaubte Übungsspiel, jetzt, hier, von Adrian Linz als szenische Lesung eingerichtet, also in abgespeckter Form, das bleibt allerdings unklar.

"Nur für Fans" würde man sagen, wäre es ein Musikalbum.

Barbara Behrendt, rbbKultur

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