She She Pop Hexploitation
She She Pop
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Performance-Abend mit dem Kollektiv She She Pop - Hebbel am Ufer: "Hexploitation"

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"Hexploitation" heißt der neue Abend des Performance-Kollektivs She She Pop, deren Mitglieder alle um die 50 sind. Er verhandelt den Übergang von der Frau zur alten Frau – und all die Ängste, Bilder, Zuschreibungen und Horrorgeschichten, die damit behaftet sind.

Mieke Matzke trägt schicke Sonnenbrille zum schwarzen Divenkopftuch, Spitzenhandschuhe, Glitzerpantoffeln – und sonst: nichts. Sie posiert auf einem Präsentierteller, streckt dem Publikum ihre nackten Brüste entgegen, den Bauch, die Scham und reckt dann ihren Hintern in die Kamera. Sie lässt das Po-Fett wackeln, das man nun im ewigen Film-Loop auf der großen Leinwand hüpfen sieht. Ihre Kolleginnen kommentieren: "Seit wir sie das erste Mal gesehen haben, ist sie fast 30 jahre gealtert. Und so sehr hat sie sich gar nicht verändert. Sie sieht immer noch mädchenhaft aus. Und sie hatte schon als junge Frau keine wirklich definierte Taille und deshalb ist dieses leicht tonnenförmige um ihre Mitte jetzt endlich altersgerecht."

Weder pornografisch noch provokan

Das soll keine Beleidigung sein, sondern eine ehrliche Beschreibung. Die Performerinnen von She She Pop, alle kurz vor oder kurz nach ihrem 50. Geburtstag, begutachten ihre nackten Körper, halten den (nicht sehr opulenten) Bauchspeck in die Kamera, die Augenfalten – später wird auf einer Examinierliege Johanna Freiburgs Vagina ausgeleuchtet und monsterhaft vergrößert dutzendweise auf die Bühnenwände geworfen. Dass das weder pornografisch wirkt noch provokant, sondern wie natürlicher Teil einer intimen Recherche, liegt am augenzwinkernden Spiel der Gruppe. Nichts an diesem Abend ist verkrampft oder ausgestellt.

Der eigene Körper als Ausgangspunkt für einen gesellschaftlichen Diskurs

Der eigene Körper, die persönliche Erfahrung mit dem Älterwerden ist jedoch, wie immer bei She She Pop, nur der Ausgangspunkt für einen gesellschaftlichen Diskurs. Der Titel "Hexploitation", geschrieben wie die "Hexe", ist angelehnt an ein Horrorfilm-Genre aus den 1960er Jahren, "Hagsploitation", benannt nach der "hag", der bösen, hässlichen Alten. Die bislang makellose Frau wird in diesen Filmen angesichts ihrer Falten zur Wahnsinnigen. Was war zuerst da: Die Scham der Frauen vor ihrem körperlichen Verfall – oder die Angst der Männer vor der alternden Frau? Wann hat sie begonnen, die Abscheu vom welkenden weiblichen Körper und seinen Geschlechtsorganen? Vielleicht mit der Industrialisierung oder dem Frühkapitalismus, als der Mensch funktionalisiert und der weibliche Körper als Gebärmaschine betrachtet wurde? Oder schon zu Zeiten der Hexenverfolgung, als mächtige und eigenwillige Frauen von Männern aus dem Weg geschafft wurden?

Eine selbstironische Mischung aus Horrorfilm und Hexenküche

She She Pop geben Anregungen, aber keine Antworten. Ihr kurzweiliger 70-minütiger Abend gleicht einer höchst selbstironischen Mischung aus Horrorfilm und Hexenküche. Verschiedene Live-Videobilder verschmelzen auf der Leinwand. Mal nimmt ein Performer Embryo-Stellung ein und schlüpft aus dem darüber projizierten Performerinnen-Körper, der längst nicht mehr blutet. Dann werden Brustwarzen zu Monsteraugen in einem schwarzen Gruselwald. Sebastian Bark, der einzige Mann im Team, kocht auf der Bühne Menstruationsblut nach Anleitung nach.

"Will you still love me, when I am no longer young and beautiful?"

Der Ekel vor der Frau nach den Wechseljahren, das wird jedenfalls deutlich, ist nichts Frauengemachtes. Und so endet die angenehm lockere, ungeschliffene Inszenierung in einem emotionalen Finale mit den nackten Damen auf den Barrikaden. Nach Lana Del Rey singen sie: "Will you still love me, when I am no longer young and beautiful?" Um dann zu protestieren: "Nein, kein young, kein beautiful, kein you mehr, kein me. Du bist vergessen – und ich bin jetzt viele!"

Kampf-Feminismus und Aktivismus bedient der Abend aber zum Glück nur am Rande. Es ist seine Intimität, die Unaufgeregtheit und der Humor, die einen erreichen.

Barbara Behrendt, rbbKultur

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