Lisa Eckhart (Quelle: imago-images.de/Andreas Weihs)
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Kabarettabend im Tipi am Kanzleramt - Lisa Eckhart "Vorteile des Lasters"

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An der Kabarettistin Lisa Eckhart scheiden sich die Geister: Übertritt sie Grenzen des Sagbaren, wenn ihre Bühnenfigur Witze auf Kosten von Minderheiten macht? Oder führt sie ihr Publikum schlicht dahin, wo Behaglichkeit endet? Gerade war rund um die Veröffentlichung ihres Romanerstlings "Omama" eine Debatte zur Cancel Culture entbrannt. Nun ist Lisa Eckart mit ihrem Programm "Die Vorteile des Lasters" im TIPI AM KANZLERAMT zu Gast. Kai Luehrs-Kaiser hat den Auftritt gesehen.

Kein vorauseilender Protest, wohl aber Ausverkauftheit für die kommenden Vorstellungen begleitet Lisa Eckarts ersten Auftritt nach ihrem ‚Antisemitismus-Skandal’, wenn man ihn so nennen kann. Für einen Witz, den sie vor zwei Jahren gemacht hatte, erntete die österreicherische Kabarettistin einen verspäteten Shitstorm; aber ebenso viel PR-Aufmerksamkeit.

Der Witz – anlässlich von Harvey Weinstein – ging so: „Juden, da haben wir immer gegen den Vorwurf gewettert, denen ginge es nur ums Geld, und jetzt plötzlich kommt raus, denen geht’s wirklich nicht ums Geld, denen geht’s um die Weiber, und deshalb brauchen sie das Geld.“ Ein, wie ich nach diesem Abend sagen kann: typischer Lisa Eckart-Scherz. Nicht aufgrund der Geschmacklosigkeit. Sondern wegen völliger Witzlosigkeit.

Gelacht wird trotzdem freimütig und lauthals

Gelacht wird trotzdem im Tipi am Kanzleramt, und zwar freimütig und lauthals (wenn auch nicht über diesen Witz, denn er kommt nicht mehr vor). Der Erfolg liegt am durchgängigen Provokationswert der Sujets. Und irgendwie auch daran, wie lasziv Lisa Eckhart sich optisch präsentiert. Unterm bodenlagen Versace-Bademantel, der sich im Sitzen öffnet, trägt sie nichts als ein elfenbeinfarbenes Fetisch-Bustier. Der Auftritt erfolgt barfuß. Die Länge der angeklebten Fingernägel könnte den Neid von Dolly Parton wecken.

Aber schließlich geht es hier ja auch um die „Vorteile des Lasters“ (das Programm stammt von 2018). Was übrigens ein Titel sein mag, aber noch kein Thema. Denn was sollten die Vorzüge der Sünde sein – außer diesen Sünden selbst?!

Der gepflegte Herrenwitz, diesmal von einer Frau erzählt

Gelegentlich macht sich Lisa Eckart erfolgreich über sich selber lustig. Ihre Gesäßpartie, sagt sie, sei so flach, dass sie sich „bei einer Arschbombe zugleich eine Darmspülung“ zuzieht. Ein derber, aber guter Witz, da kommt Freude auf. Es geht natürlich nicht nur gegen sie. Der Händedruck mancher Männer sei so lasch, meint Eckhart, „dass man sich fragt, wie sie zuhause onanieren können“. Um hinzuzufügen: „Oder wie sie mich würgen sollen!“ Hier geht die Qualität schon deutlich runter. Es ist eigentlich: Der gepflegte Herrenwitz, diesmal von einer Frau erzählt.

Showelemente gibt’s nur im Sinne des Durchhaltevermögens. Allein die erste Hälfte dauert fast 90 Minuten, durchgeheizt ohne abzusetzen und ohne einen Schluck Wasser zu trinken. Der Abend gliedert sich in 7 Kapitel, geordnet nach den sieben Todsünden: Trägheit, Zorn, Wollust etc. Keine Ahnung, ehrlich gesagt, wovon unter diesen Überschriften gebrabbelt wird oder wie das zueinander passt. Klar ist nur: Sie lässt nicht locker.

Politisch anzüglich und problematisch

Politisch anzüglich und problematisch wird das schon. Was ist der Unterschied zwischen einem Fernsehgerät und einem Inder? Antwort: Beim Fernseher bleibt über Nacht das Stand-by-Lämpchen an. Ich weiß nicht einmal, was daran komisch sein soll. Was ist ein Schwarzer? Er nimmt Drogen und schändet Frauen. – Dass darüber laut gelacht wird, zeigt die sittenverderbende Wirkung einer Stunde Quasselei. Was ja auch schon eine Leistung ist.

Am Ende entlässt Eckhart ihr Publikum mit einem vertraulichen Tipp für den Signiertisch: „Fassen Sie mir an die Brust, aber Duzen Sie mich nicht! ... Grabschen statt Quatschen!“ Da kapiere selbst ich, der ich eigentlich ein Liebhaber politischer Unkorrektheit bin, warum besonders männliches Publikum lacht und applaudiert. Es ist ein Lachen der Vorfreude. Ein Appetenz-Geifern. Es tut mir Leid: Was für eine grauenvolle Künstlerin. Was für ein grauenhafter Abend.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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