Hans Otto Theater: Amadeus © Thomas M. Jauk
Thomas M. Jauk
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Hans Otto Theater | Schlosstheater im Neuen Palais - "Amadeus" von Peter Shaffer

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Das Ambiente passt fast schon zu gut: Das Schlosstheater im Neuen Palais wurde in der gleichen Epoche gebaut, in der diees spielt – in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Da gibt es viel Gold und Stuck, was gut zu den seidenglänzenden Rokoko-Kostümen passt, die Juan León für die "Amadeus"-Inszenierung entworfen hat. Man ist sofort in der Zeit, zugleich aber auch im Theater, denn alles ist ein wenig überdreht.

 

Die Höflinge sind stark geschminkt und tragen turmhohe Perücken. Die einen wirken albern, die anderen eher gruselig – von Anfang an ist klar, dass es um komödiantische Übertreibung geht.

Dabei hat das Stück von Peter Shaffer, das von Miloš Forman 1983 genial verfilmt wurde, einen düsteren Kern. Es geht um Antonio Salieri, der zu Mozarts Zeiten in Wien Hofkapellmeister ist. Er hat mehr als 40 Opern geschrieben und gilt als großer Komponist, doch er spürt, dass Mozart mehr Talent hat. Und das macht ihn unglücklich. Er heuchelt Mozart Freundschaft vor, doch hinter seinem Rücken beginnt er, gegen ihn zu intrigieren. Als Mozart stirbt, fühlt er sich schuldig.

Gottesfurcht, die sich in Hass verwandelt

Noch Jahrzehnte später, im Greisenalter, behauptet er, den Komponisten umgebracht zu haben. Im Film unternimmt er sogar einen Selbstmordversuch und wird deshalb in ein Irrenhaus gebracht. Dort legt er die Beichte ab und erklärt seinen Kampf gegen Mozart zu einem Kampf gegen Gott. Er glaubte nämlich, seit seiner Jugend einen Pakt mit dem Allmächtigen zu haben. Er versprach keusch und fleißig sein und erbat im Gegenzug musikalisches Talent. Als er später sieht, dass der unkeusche und in seinen Augen vulgäre Mozart viel talentierter ist, fühlt er sich betrogen. Seine Gottesfurcht verwandelt sich in Hass.

Und das konnte man im Film sehen: Der Salieri-Darsteller F. Murray Abraham war ein echter Mephisto und wurde für seine Leistung mit einem Oscar ausgezeichnet.

Mozart als sympathischer Rebell, der seiner Zeit voraus ist

In der Inszenierung von Bettina Jahnke wird die religiöse Motivierung nicht hervorgehoben. Es gibt zwar ein großes Kreuz im Bühnenhintergrund und Salieri erzählt auch, wie er vom gottesfürchtigen Menschen zum skrupellosen Intriganten wird, aber das tut er ohne biblischen Zorn. Die Regisseurin will ihn nicht als religiösen Fanatiker zeigen, sondern einfach als Menschen, der die Begabung seines Gegenüber nicht ertragen kann, weil ihm dadurch seine eigene Mittelmäßigkeit bewusst wird.

Hans Otto Theater: Amadeus © Thomas M. Jauk
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Mozart hingegen lässt sie als sympathischen Rebellen auftreten, der gegen die Konventionen seiner Zeit aufbegehrt. Er hat etwas Rockstarhaftes, was auch durch seine Perücke unterstrichen wird, die nicht barock frisiert ist, sondern eine wilde Haartolle zeigt. Diesen Einfall haben die Potsdamer vielleicht vom Film übernommen. Der Darsteller Paul Sies sieht dem Film-Mozart auch ziemlich ähnlich, aber er imitiert ihn nicht. Er hat einen eigenen Schwung und Charme, verplappert sich bei wichtigen Gesprächen, aber wenn er sich an den Flügel setzt, der gut sichtbar vorn im Orchestergraben steht, dann kann er virtuos improvisieren und selbst einhändig die wildesten Melodien spielen – von Mozart bis Free Jazz. Da wird sehr spielerisch klar gemacht, dass er seiner Zeit voraus ist.

Es gibt auch eine Szene, in der Mozarts Frau Constanze ihm Paroli gibt, als er ihr vorschreiben will, wie sie sich zu verhalten hat. Doch das sind aktuelle Einsprengsel, die nicht den Rahmen sprengen. Im Zentrum steht das Künstlerdrama – Mozart, der Star, der exzessiv lebt, arbeitet und sich selbst verbraucht. Ständiger Geldmangel und Eheprobleme setzen ihm zu, Salieris Intrige ist am Ende der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Hans Otto Theater: Amadeus © Thomas M. Jauk
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Streckenweise fehlt der Aufführung die Energie

Alles in allem ist die Aufführung gut gemacht – auch wenn Andreas Spaniol als Salieri etwas blass wirkt. Ein wenig mehr Bosheit und Zerstörungslust hätten der fast dreistündigen Inszenierung gut getan. Besonders in der zweiten Hälfte fehlt streckenweise die Energie. Da passt es, dass Salieri sich am Ende zum Schutzheiligen der Mittelmäßigen erklärt. Das Kraftzentrum der Inszenierung ist Mozart und nicht der gemeine Intrigant.

Oliver Kranz, rbbKultur

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