Staatstheater Cottbus: "Solaris" nach Stanisław Lem © Frank Hammerschmidt
Frank Hammerschmidt
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Staatstheater Cottbus - "Solaris" von Stanisław Lem

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"Solaris", der 1961 vom polnischen Autor Stanisław Lem veröffentlichte Roman, ist längst ein Kult-Klassiker des Science-Fiction-Genres. Der mit den Grenzen der Wahrnehmung spielende Roman wurde mehrfach erfolgreich verfilmt und wegen seiner visionären Erkundungen von Zeit und Raum immer wieder neu diskutiert und auf seine Aktualität befragt. Im Staatstheater Cottbus hatte jetzt eine Bühnenfassung des Romans Premiere, geschrieben und inszeniert hat sie die ungarische Theatermacherin Blanka Rádóczy.

Sie widersteht der Versuchung, auf ikonische Filmbilder zurückzugreifen: martialische Star-Wars-Schlachten, kauzige Marsmenschen, Eroberungsepen lässt Blanka Rádóczy links liegen. Der Roman ist für sie Spielmaterial für Gedankenexperimente über die Kraft der Fantasie, die Grenzen des Denkens, die Schaffung einer Welt als Wille und Vorstellung. Wie fühlt es sich an, wenn Vertrautes fremd wird und das Bekannte sich auflöst, Kommunikation nicht mehr möglich ist, weil das Gegenüber eine völlig anders geartete Erscheinung hat, eine andere Sprache spricht? Wie kann man Kontakt aufnehmen zu einem Planeten, dessen Oberfläche aus einem "Ozean" besteht, der seine Farbe und seine Gestalt verändert und auf eine rätselhafte Weise kommuniziert?

Staatstheater Cottbus: Solaris © Frank Hammerschmidt
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Surreale Erlebnisse und bewusstseinserweiternde Erfahrungen

Es geht um surreale Erlebnisse und bewusstseinserweiternde Erfahrungen. Die Welt ändert ständig ihre Farbe: sie scheint mal im roten, mal im blauen Licht, denn "Solaris" kreist um eine rote und um eine blaue Sonne. Der "Ozean" wird in experimentelle Töne übersetzt, die sich zu einer atonalen Sinfonie verdichten: Wir sehen den "Ozean" nicht, aber wir hören, wie er blubbert, grummelt, krächzt, piepst und dröhnt.

Die Figuren, die in der Raumstation um ihre Identität und ums Überleben in einer völlig fremden und feindlichen Welt kämpfen, vollführen absurde Bewegungsrituale, als würden sie von Computern ferngesteuert. Kelvin, der die Odyssee auf sich nimmt und nach "Solaris" reist, ist ziemlich verdattert: geistert doch dort seine tote Freundin Harey, die vor Jahren Selbstmord verübt hat, als Zombie durch die Raumstation, sie sieht aus wie eine blutleere Wasserleiche, spricht und bewegt sich wie ein Roboter und hat sich - anders als im Roman - in drei fast identische Wesen verwandelt: Blanka Rádóscy will es so, wohl um die Verwirrung von Kelvin auf die Spitze zu treiben: Denn nie kann er mit Gewissheit sagen, ob sie real ist oder ein Trugbild der Fantasie, ein vom "Ozean" kreiertes Geschöpf.

Der Planet bleibt ein Rätsel

Vom Planeten selbst sehen und erfahren wir nichts. Am Bühnenhimmel blinken ferne Lichter, Sterne, Milchstraßen. Vielleicht ist da draußen irgendwelches Leben. Kelvin und seine Mitstreiter Sartorius und Snaut wissen es nicht, sie haben genug mit sich und den so genannten "Gästen" zu tun, den materialisierten Halluzinationen, von denen alle in ihren Alpträumen heimgesucht werden.

Die Raumstation gleicht einer Ansammlung von engen Container-Boxen, die sich permanent drehen und den Geist verwirren. Manchmal verschläft darin jemand den Tag, manchmal wird jemand von den eingebildeten "Gästen" in den Wahnsinn getrieben. Manchmal treffen sich Kelvin, Snaut und Sartorius auf der Container-Piazza, um irgendwelche Experimente durchzuführen. Zu wabernden Nebeln und farblichen Lichtexplosionen quasseln sie dann endlos über Plasmasubstanzen, Destabilisierung, Neutrinos, Fantomgebilde und Ultra-Kopien: unverständliches Zeug.

Man hat den Eindruck, dass auch Johannes Scheidweiler (Kelvin), Thomas Harms (Sartorius) und Amadeus Gollner (Snaut) nicht wirklich wissen, worüber sie da eigentlich reden, was das ganze soll. Oft stehen sie nur minutenlang herum und staunen über sich und den technologischen Brei, in dem sie herumrühren, mühen sich ab mit dem wissenschaftlichen Pudding, den sie vergeblich versuchen, an die Wand zu nageln. Wenn ihnen nichts mehr einfällt, sortieren sie Akten und kämpfen sich durch Papierberge, die sie dann sofort wieder angewidert entsorgen.

Was sollten sie auch festhalten und archivieren auf einem Planeten, der ihnen ein großes Rätsel bleibt?

Staatstheater Cottbus: Solaris © Frank Hammerschmidt
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Kein Erkenntnisgewinn, kein Unterhaltungswert

Die aus dem Roman herausgehauenen Textbausteine fallen in ein tiefes schwarzes Loch und zerschellen dort als fernes Echo einer hirnrissigen Theaterbemühung, die glaubt, ohne schauspielerische Elemente auskommen zu können. Keine einzige Figur, die einen interessiert, keine einzige Szene, die einen nicht langweilen würde. Kein Erkenntnisgewinn und kein Unterhaltungswert. Nur ein gähnender Abgrund sinnlosen Geplappers über Original und Fälschung, Wirklichkeit und Wahnsinn.

Einmal sagt jemand: "Was geschehen ist, kann furchtbar sein. Aber am furchtbarsten ist, was nicht geschehen ist." Klingt spannend. Doch es wird nur aufgesagt wie verstaubte Zeilen aus einem alten Gedicht.

Beim Lesen des Romans hat man das Gefühl, der Autor ist auf Droge und versucht, für seinen LSD-Rausch die richtigen Worte und bunten Bilder zu finden. Davon spürt man im Theater rein gar nichts. Alles nur grauer Textnebel, der einen einlullt und sanft in den Theater-Schlaf begleitet: Hoffentlich gebiert der Schlaf der Theater-Vernunft keine Ungeheuer.

Frank Dietschreit, rbbKultur

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