Siemens-Schuckert-Werke, um 1915 Berlin-Siemensstadt © dpa/akg-images
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Stadtwärts - Unterwegs nach Groß-Berlin

Ende April 1920 votierte die Verfassungsgebende Preußische Landesversammlung für ein "Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin". Das Groß-Berlin-Gesetz trat am 1. Oktober 1920 in Kraft und schuf die nach London und New York damals drittgrößte Stadt der Welt.

Mehr als hundert Jahre chaotischer Stadtplanung waren dieser Entscheidung vorausgegangen, die umstritten war und lange blieb - und sogar noch heute spürbare Auswirkungen hat. (Wer einmal einen Taxi-Schein gemacht hat, weiß wie viele Bahnhofs- oder Dorfstraßen es in Berlin gibt …)

Der Widerspenstigen Zähmung

"Mög schützen uns des Kaisers Hand, vor Groß-Berlin und Zweckverband". Als 1911 der Grundstein für das Spandauer Rathaus gelegt wurde, seufzte Spandaus Stadtrat Emil Müller, aber es half nichts. Obwohl gerade die Spandauer noch heute "reinfahren nach Berlin" so als ob sie nicht dazu gehören würden. Spandau war eine der sieben Städte, aus denen das neue Groß-Berlin gebildet wurde, zuzüglich 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke.

Von schnieke bis keene Kohle

Alle Versuche, die vor 1920 unternommen wurden, um aus der wachsenden Region um das alte Berlin so etwas wie eine Einheit zu machen, waren gescheitert. Mehr als ein Dutzend Straßenbahnbetriebe existierten, eine einheitliche Stadtplanung war unmöglich, Gas und Elektrizitätsversorgung war gelegentlich noch "lokal" organisiert und schon bei den Vorgängermodellen von "Groß-Berlin" wurden "reiche" Bezirke umworben, "arme" wollte niemand haben. Dabei boomte die Region in weit stärkerem Ausmaß als heute - es musste eine Lösung her. Nach dem 1. Weltkrieg und der "Revolution" war es dann möglich, diese Entscheidung für Groß-Berlin zu fällen. 

Mittenmang und jottwd

Auch mit der Stadt-Werdung von 1920 waren nicht alle Unterschiede quasi per ordere Mufti beseitigt. Die Stadt beherbergt eine Vielfalt von Ansiedlungsformen wie kaum eine andere Metropole der Welt – von Investoren-geschaffenen Garten- oder Vorort-Villen-Orten wie Frohnau oder Lichterfelde über Städte wie Charlottenburg und Spandau bis hin zu Gutsbezirken, bei denen man sich noch heute wie auf dem Lande fühlt.

Schrippen, Charme und Schnauze

Berliner? Ne, ick bin Schöneberger oder Pankower oder komme aus dem Blumenkiez. Das "Ich bin ein Berliner" – 1963 von John F. Kennedy den Berlinern geschenkt - kommt ja wohl auch deshalb nicht aus dem Munde eines Berliners, formuliert kein Stadtgefühl, sondern ist als ein Bekenntnis zur Freiheit von West-Berlin gemeint gewesen. Und so ist das Berlin-Feeling schon zur Groß-Berlin-Werdung höchst unterschiedlich gewesen – 100 Jahre später noch merkt man die feinen Unterscheide, die sich übrigens auch auf die Neu-Berliner, egal welcher Provenienz, übertragen.

Stadt, Land, zu Fuß

Die Autorin Maya Kristin Schönfelder hat Berlin vor allem laufend "erfahren". Als passionierte Spaziergangs-Wissenschaftlerin (gibt’s wirklich!) ist sie schon immer gerne die Stadt durchwandert und hat für die Sendung Perspektiven 2016 eine Stadtwanderung mit Mikrofon unternommen.

Danach ist die Idee entstanden sich mit Blick auf das Stadtjubiläum "100 Jahre Groß-Berlin" mit der Ursprungs-Geschichte und besonderen Aspekten wie der Verkehrspolitik auseinanderzusetzen. Ab März laufen dann mehrere Sendungen, die regionale Besonderheiten akustisch einfangen und journalistisch verarbeiten.

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