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Staatliche Museen zu Berlin/ David von Becker
Bild: Staatliche Museen zu Berlin/ David von Becker

Gutachten fordert Auflösung - Diskussionen über Reform der Stiftung Preussischer Kulturbesitz

Der Stiftungsrat der Stiftung Preussischer Kulturbesitz (SPK) hat eine Reformkommission unter Leitung von Kulturstaatsministerin Grütters eingesetzt. Sie soll zügig Vorschläge entwickeln. Der Wissenschaftsrat hatte die Auflösung der SPK und Aufteilung in vier eigenständige Organisationen vorgeschlagen. Maria Ossowski über die Stiftungsratssitzung.

Das Urteil auf rund 280 Seiten war im Juli unmissverständlich. Der Wissenschaftsrat stellte der SPK trotz manchem Lob für 60 Jahre getane Arbeit doch ein vernichtendes Zeugnis aus: Die Stiftung hemme, schränke ein und müsse in ihrer jetzigen Form aufgelöst werden. Das Gutachten hatte Kulturstaatsministerin Grütters in Auftrag gegeben.

Aus Sicht des Wissenschaftsrats ist das Potenzial der Museen und Institute "herausragend und großartig", werde aber bei weitem nicht ausgeschöpft. Die "dysfunktionale" Dachstruktur der Stiftung schränke die Weiterentwicklung der Einrichtungen ein. Gründe seien "tief gestaffelte Hierarchien und unklare Entscheidungsprozesse", so das Urteil der Gutachter. Die Museen und Institute müssten mehr Autonomie erhalten: fachlich und finanziell.

Museumsdirektoren wollen mehr Verantwortung

Beim Besucherservice der Museen gebe es so starke strukturelle Defizite, dass man im internationalen Vergleich hinterherhinke, erläuterte die Mitautorin Marina Münkler. Auch sei der Etat der Museen zu gering, und es fehle an Personal. Weitere Mängel sieht das Gutachten bei Forschungsförderung und Digitalisierung.

Seither brodelt es in der Museumslandschaft. Die betroffenen Museumsdirektoren fordern mehr Eigenverantwortung. "Die langwierigen und intransparenten Prozesse in einer tiefgestaffelten Hierarchie verhindern ein schnelles Eingehen auf aktuelle Fragestellungen und Wünsche des Publikums oder die Initialisierung neuer Forschungsvorhaben", heißt es in einer Anfang August veröffentlichten Stellungnahme der Direktoren. "Ein Weniger an Strukturen führt hier eindeutig zu einem Mehr an Handlungsfähigkeit. Das wäre dann auch mit einem Mehr an Verantwortlichkeit verbunden."

Parzinger begrüßt Vorschläge und fordert mehr Geld

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Parzinger, begrüßte das Gutachten und die Vorschläge zu Reform und Auflösung der Stiftung Preussischer Kulturbesitz. Das sei eine Chance, sagte Hermann Parzinger auf rbbKultur. Man müsse fit für die Zukunft werden. Die Stiftung sei zu schwerfällig.

Jetzt müsse eine öffentliche Debatte beginnen, wie die größte deutsche Kulturstiftung in Zukunft aussehen solle. Das betreffe vor allem die Museen, die bräuchten einen "gedanklichen Neuanfang", "flachere Hierarchien" und "mehr Autonomie". Zusammen mit der Politik müsse die Reform in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden. Dafür brauche es nicht nur neue gesetzliche Regelungen, sondern auch ein finanzielles Bekenntnis: "Die Verselbständigung der einzelnen Einrichtungen der Stiftung macht nur Sinn, wenn es mit erheblichem Aufwuchs an Finanzen verbunden ist, an Personalstellen, an Geldmitteln. Das eine geht nicht ohne das andere."

Sitzung des Stiftungsrats am 19. August

Der Stiftungsrat als das oberste politische Beschlussorgan der SPK hat am 19. August über den Bericht des Wissenschaftsrats und seine Folgen beraten und eine Reformkommission unter Leitung von Kulturstaatsministerin Grütters eingesetzt. Im Stiftungsrat sind die Bundesregierung und alle 16 Bundesländer vertreten. Der Rat, der sich in der Regel zweimal jährlich trifft, wählt den Präsidenten und genehmigt den jährlichen Haushalt.

Die Stiftung Preussischer Kulturbesitz

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