Lucia Hennerici und Raiko Thal (Quelle: rbb)

- Zittern gegen die Kälte – oder warum Frauen schneller frieren

Obwohl der Frühling so nah ist, sind wir immer noch am Frieren – vor allem Frauen. Kein Wunder, liegen die Temperaturen doch nur knapp über dem Gefrierpunkt. Doch unser Körper kennt Mittel und Wege, sich gegen die Kälte zu wehren. Bei Frauen sind diese aus verschiedenen Gründen allerdings weniger effizient. 

Sensible Nervenfasern in der Haut und den Organen – so genannte Temperaturrezeptoren - informieren das Gehirn ständig über Wärme und Kälte. Sinkt die Temperatur, setzt der Organismus verschiedene Mechanismen in Gang, um das Auskühlen zu verhindern. Zunächst ziehen sich die Blutgefäße in Armen und Beinen zusammen, so dass sie weniger durchblutet werden. Der Körper verliert so weniger Wärme. Frostige Hände und Füße sowie eine eisige Nasenspitze und kalte Ohren sind die Folge.

Im nächsten Schritt versucht der Organismus selbst Wärme zu erzeugen. Rasche Muskelkontraktionen wandeln Bewegung in Wärme um. Also zittern wir, wenn wir frieren. Daher rührt auch das Zähneklappern: Wenn sich die Kaumuskeln rechts und links zusammenziehen, klappern die Zähne. Von Erfolg gekrönt ist das Zittern jedoch nur, wenn unsere Kleidung diese Wärme auch konserviert.

Gänsehaut ist ebenfalls eine Folge des Zitterns. Hier zieht sich ein winziger Muskel am Ende jedes Haarbalgs zusammen. Die Haare richten sich auf, so dass lauter kleine Hügel entstehen. Vor Urzeiten war das nützlich, weil die menschlichen Vorfahren noch ein Fell trugen. So entstand um die Haare ein wärmendes Luftpolster. Unbehaart wie wir heute sind bewirkt die Gänsehaut jedoch das Gegenteil: Sie vergrößert die Hautoberfläche und bietet dadurch noch mehr Angriffsfläche für Wind und Kälte. 

Frieren Frauen schneller?

Studien zeigen, dass Frauen allen Grund haben mehr zu frieren. Zum einen weitet das weibliche Geschlechtshormon Östrogen die Blutgefäße. Dadurch wird Wärme abgegeben. Gleichzeitig sind Frauen "dünnhäutiger"; ihre Haut ist um ein Sechstel dünner als die von Männern. Blutgefäße ziehen sich bei Kälte schneller zusammen; die Meldung "Mir ist kalt!" gelangt schneller von den Kälterezeptoren zum Gehirn.

Der Mythos, dass die dickere Fettschicht Frauen besser vor Kälte schützt, ist widerlegt. Gerade bei normalgewichtigen Frauen kann die dünne Schicht den Wärmeverlust nicht verhindern. ‚Je mehr Fett desto wärmer’ - dieses Prinzip gilt nur unter bestimmten Umständen. Mehr als auf das Fett kommt es auf die Muskeln darunter an. Immerhin sorgen sie für 80 Prozent der Körperwärme. Während bei Männern Muskeln 40 Prozent der Körpermasse ausmachen, sind es bei Frauen nur 25 Prozent. Wer seine vielen Muskeln also mit reichlich Fett schützt - wie es bei den Sumo-Ringern der Fall ist - wird auch nicht frieren.

Beim Frieren ist auch das Verhältnis von Körpervolumen zu -oberfläche entscheidend. Mit anderen Worten: Schlanke, kleine Menschen haben nicht besonders viel Körpervolumen, dafür aber verhältnismäßig viel Körperoberfläche, mit der sie Wärme abgeben. Ein großer Mensch mit mehr Körpervolumen hat im Verhältnis dazu unwesentlich mehr Körperoberfläche. Kleine Menschen - häufig Frauen - verlieren deshalb schneller Wärme.
Große, muskulöse Männer frieren dagegen seltener. Frauen fangen schon bei etwa 15 Grad Celsius an zu frösteln, Männern bei 10 Grad Celsius.

Und warum bekommen Frauen so schnell kalte Hände und Füße? Die Eis-Füße der Frauen haben ihren Ursprung in der Evolution. Frauen haben die Fähigkeit entwickelt, ihr warmes Blut bei Kälte von den Armen und Beinen zu den lebenswichtigen Organen zu ziehen. Denn in Anbetracht einer möglichen Schwangerschaft sollte die Kerntemperatur hoch gehalten werden. Bei ihnen werden also besonders Herz, Lunge und das Gehirn geschützt - sehr zum Leidwesen der Extremitäten.

Abhärten ohne Schuhe

Wer weniger frieren will, der kann sich abhärten. Sehr beliebt derzeit die harte Variante: Eisbaden oder die Ice-Bucket-Challenge. Aber es geht auch sanfter, indem man unter der Dusche regelmäßig kaltes Wasser über Füße, Knie und Arme fließen lässt. Kalte Güsse härten nicht nur ab; sie machen auch weniger anfällig für Erkältungen und bringen den Kreislauf in Schwung. Das gleiche gilt für das Saunieren. Der schnelle Heiß-Kalt-Wechsel härtet ab, verbessert die Durchblutung und stärkt das Kreislaufsystem.

Auch Barfußlaufen hilft der Haut, sich Temperaturwechseln besser anzupassen. Ob am sandigen Strand oder auf grünen Wiesen - die verschiedenen Temperaturreize wirken stimulierend. Also: Öfter mal die Schuhe ausziehen, losgehen und am Ende weniger frieren.

Filmbeitrag: Tom Garus
Infotext: Constanze Löffler

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