Frau hält sich den schmerzenden Rücken (Quelle: imago/blickwinkel)
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- Plötzlich Rückenschmerzen

Etwa jeder dritte Deutsche leidet an Rückenschmerzen. Schmerzen im unteren Bereich des Rückens sind dabei besonders häufig. In vielen Fällen gehen die Schmerzen dann vom Iliosakralgelenk (ISG) aus - auch Kreuzdarmbeingelenk genannt. Doch was kann man gegen die Schmerzen machen? Zum Tag der Rückengesundheit stellt die rbb Praxis Therapien vor.  

Schmerzt es im unteren Rücken, wird schnell der Bandscheibe die Schuld zugeschoben. Leicht übersehen wird ein anderer Knackpunkt im unteren Rücken: das Iliosakralgelenk.

Das Iliosakralgelenk oder auch Kreuzdarmbeingelenk ist das Gelenk zwischen dem Kreuzbein (Os sacrum) und dem Darmbein (Os ilium) und verbindet das knöcherne Becken mit der Wirbelsäule. Dieses beidseits der Wirbelsäule gelegene Gelenk ist nur wenig beweglich und mit einer straffen Gelenkkapsel ausgestattet. Bänder halten diese Verbindung zusammen. Aber in dieser minimalen Beweglichkeit liegt viel Verantwortung: Beim Gehen werden die Stöße auf das Becken "umgeleitet" – das entlastet die Wirbelsäule. 

Ausstrahlender Schmerz

Da so wenig Bewegung in dieser Verbindung liegt, wird immer wieder diskutiert, ob es sich überhaupt um ein Gelenk im eigentlichen Sinn handelt. Klar ist: Blockierungen des Iliosakralgelenks verursachen Schmerzen und können zu Beckenfehlstellungen führen und umgekehrt.

Typische Beschwerden sind ein tiefsitzender Rückenschmerz, der aber auch ins Gesäß oder den hinteren Oberschenkel ausstrahlen kann. Auch nach vorne in die Leistengegend kann der Schmerz fortgeleitet werden. Das macht oftmals die Abgrenzung von Bandscheibenvorfällen bzw. Leistenbrüchen schwierig.

Gezielte Krankengymnastik kann helfen sowie das Umlernen ungünstiger Bewegungsmuster, die z.B. durch Fehl- oder Schonhaltungen entstanden sind. Ergänzt werden kann die Physiotherapie durch Akupunktur und auch die Gabe von Schmerzmitteln. Starke Schmerzen am ISG werden jedoch meist nicht durch eine reine Blockade, sondern durch eine (zusätzliche) Arthrose hervorgerufen. Dann reicht Krankengymnastik meist nicht mehr aus. 

Mit Tapes oder Hitze gegen den Schmerz

Sogenannte Kinesiotapes sollen helfen. Bunte Bänder werden auf schmerzende Bereiche aufgeklebt. Sie sollen durch eine Art Bindegewebsmassage zur Schmerzlinderung führen. Die gesetzlichen Kassen zahlen diese Methode nicht.

Eine neuere Methode der gezielten Schmerztherapie ist die sogenannte Thermodenervation. Dabei werden Nerven im Bereich des Gelenks durch Hitze ausgeschaltet. Die Arthrose selbst wird nicht behoben, doch die Schmerzempfindungen werden durch Nerven nicht mehr fortgeleitet. Diese Methode ist für die Anwendung an der Wirbelsäule bereits etabliert, wie bei dem so genannten Facettengelenksyndrom. Inzwischen kann man auch die arthrotischen Schmerzen am Iliosakralgelenk damit behandeln, da nun auch niedrigere Temperaturen verwendet werden können. Spezielle Elektroden werden dazu erhitzt und unter Röntgenkontrolle in den entsprechenden Bereich eingestochen. Dann werden die Nerven verödet. Die Kosten für die Behandlung werden von den Krankenkassen übernommen. 

Filmbeitrag: Nadine Bader
Infotext: Susanne Faß

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