Knötchenförmige Veränderungen von Gewebe in der Lunge (Quelle: rbb/Andreas Schulz)

- Sarkoidose - Hoffnung auf Besserung?

Bei Sarkoidose ist meist die Lunge betroffenen, oft aber auch andere Organe wie die Leber. Was hilft, um die Krankheit aufzuhalten? Was können Erkrankte tun? Die rbb Praxis berichtet über neue medizinische Erkenntnisse.

Die Sarkoidose wird auch als "Krankheit mit 1000 Gesichtern" bezeichnet. Denn dabei häufig auftretende Symptome wie Reizhusten, Atemnot oder Fieber sind wenig eindeutig und können auf viele unterschiedliche Erkrankungen hinweisen.

Pro Jahr erkranken 20 bis 40 von 100.000 Einwohnern, am häufigsten im Alter zwischen 20-40 Jahren, Frauen etwas häufiger als Männer. Raucher erkranken seltener an Sarkoidose als Nichtraucher, dieser Zusammenhang ist noch ungeklärt.

Der ganze Körper ist betroffen

Nach den Erstbeschreibern heißt sie auch "Morbus Besnier-Boeck-Schaumann" oder kurz "Morbus Boeck". Die Sarkoidose ist eine Systemerkrankung, betrifft also den gesamten Körper. Aus unklarer Ursache bilden sich in den unterschiedlichsten Organen, in der Haut oder auch den Knochen winzige Knötchen. In den meisten Fällen ist jedoch die Lunge betroffen, sowie die Lymphknoten im Bereich des Brustkorbs.

Diese Knötchen, so genannte Granulome enthalten Abwehrzellen des Körpers. Untersucht man sie unter dem Mikroskop, findet man in den Knötchen ein typisches Zellbild. Doch nicht immer geschieht dieser Diagnose-Schritt frühzeitig, die Sarkoidose wird oft jahrelang nicht erkannt.

Zunehmend schränken die Granulome die normale Funktion der befallenen Strukturen ein. In der Folge baut sich das Gewebe um, es entstehen mehr und mehr funktionslose, narbige Bereiche. In ausgeprägten Fällen kann dann eine Lungentransplantation notwendig werden

Vermutlich entstehen die Knötchen durch eine überschießende Reaktion des Abwehrsystems. Als mögliche Auslöser werden infektiöse Erreger, wie Bakterien, Viren oder Pilze diskutiert, aber auch Umwelteinflüsse.  

Denn als 2001 die Terroranschläge auf New York verübt werden, atmeten die Feuerwehrleute vor Ort große Mengen Staub ein. Später erkrankten auffällig viele von ihnen an Sarkoidose. Deshalb folgerten Forscher, dass auch Staub oder chemische Verschmutzungen der Luft die Krankheit auslösen könnten.

Die akute Verlaufsform (etwa 10 Prozent der Fälle) betrifft meist junge Frauen und äußert sich typischerweise in einer "Trias": Mit Granulomen im Bereich der Lunge, einem knotigen Hautausschlag und einer Entzündung im Sprunggelenk. In 90 Prozent der Fälle ist die Erkrankung jedoch chronisch. Am Anfang zeigen sich meist unspezifische Beschwerden, wie Müdigkeit, später kommen Husten oder Atemnot dazu. Nicht selten wird die Sarkoidose nur zufällig durch ein Röntgenbild der Lunge entdeckt.  

Nicht bei allen Betroffenen ist eine Therapie notwendig. Diskutiert wird auch, ob die Gabe von Kortison überhaupt sinnvoll ist. In jedem Fall muss die Behandlung gut überwacht werden, denn Patienten, die innerhalb von 3 Monaten nicht darauf ansprechen, tun das meist auch im weiteren Verlauf nicht mehr. Deshalb verzichtet man bei Betroffenen in frühen Stadien meist ganz darauf. Bei zunehmenden Beschwerden ist jedoch Kortison weiterhin das Mittel der Wahl. Bei unzureichender Wirkung oder Unverträglichkeiten kombiniert man Kortison mit Immunsuppressiva, d.h. mit Präparaten, die das Abwehrsystem des Körpers dämpfen.

Echte Heilmittel gibt es jedoch nicht. Das ist für die Betroffene schwer zu akzeptieren und auch für die Ärzte oft eine Belastung.

Filmbeitrag: Jörg Simon
Infotext: Susanne Faß

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