Frau macht Fußübungen (Quelle: imago/Westend61)
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- Unruhige Beine - das Restless-Legs-Syndrom

Müdigkeit, Konzentrationstörungen und sogar depressive Verstimmungen - Schlafstörungen können den Alltag deutlich beeinträchtigen. Eine mögliche Ursache für unruhige Nächte können "unruhige Beine" sein. Das so genannte "Restless-Legs-Syndrom" betrifft besonders häufig Frauen. Nicht selten wird es verkannt oder nur unzureichend therapiert. 

Schlafstörungen können viele Ursachen haben. Eine davon ist das so genannte Restless-Legs-Syndrom (RLS) oder das Syndrom "der unruhigen Beine". Insgesamt fünf bis zehn Prozent der Deutschen leiden an der Erkrankung, Frauen häufiger als Männer. Meist tritt das RLS im mittleren Lebensalter auf, mitunter auch schon in jungen Jahren.

Typisch für das RLS ist ein unangenehmer Bewegungsdrang der Beine, der Arme oder seltener auch der Brustwand. Oft wird die Unruhe begleitet von Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen und Stechen.

Die Beschwerden treten dann auf, wenn der Körper zur Ruhe kommt. In der Regel ist dies am Abend und in der Nacht. Von den RLS-Patienten werden diese Beschwerden und Missempfindungen meist recht unterschiedlich beschrieben. Sie können einseitig, beidseitig oder auch abwechselnd auf der einen oder anderen Seite auftreten.

Genetische Veranlagung wahrscheinlich

Seltener ist das RLS auch Folgeerscheinung einer anderen Erkrankung, als so genanntes sekundäres RLS. Beispielsweise kämpft etwa jeder zweite Dialyse-Patient damit. Auch bei Schwangerschaften und rheumatischer Arthritis, Eisenmangel und durch bestimmte Medikamente kann ein RLS auftreten.

Im Gehirn der Betroffenen scheint Dopamin, ein Neurotransmitter, nicht ausreichend produziert zu werden, oder das Gehirn kann den Botenstoff nicht richtig verwerten. Dadurch werden Bewegungsimpulse nicht korrekt an die Muskeln weitergeleitet. Viele Betroffene kennen weitere Erkrankte in der Familie, so dass man von einer genetischen Veranlagung ausgehen kann.

Linderung statt Heilung

Bei fast 80 Prozent der RLS-Patienten tritt zusätzlich eine weitere neurologische Störung auf: Unwillkürliche Beinbewegungen, nicht nur in Ruhe oder vor dem Einschlafen, sondern auch während des Schlafes. Werden diese festgestellt, ist die Diagnose sicher. Jedoch ist nicht immer eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig. Dies sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Der erste Ansprechpartner bei einem Verdacht auf ein Restless-Legs-Syndrom ist der Hausarzt. Er kann dann die Betroffenen zu einem Neurologen, der sich gut mit der Erkrankung auskennt, weiter überweisen.

Heilen lässt sich das RLS bislang nicht, dafür aber dessen Symptome lindern: Bei leichten Beschwerden helfen Kaltwasserbäder oder Bürsten und Reiben der betroffenen Körperteile. Auch sportliche Bewegung wirkt bei manchen Betroffenen lindernd. Im weiteren Verlauf der Erkrankung reicht das jedoch oft nicht mehr aus und es muss mit Medikamenten behandelt werden. Dopamin-Präparate sind dabei die Mittel der Wahl. Möglich sind L-Dopa-Präparate oder Dopaminagonisten, die es auch als Pflaster gibt. Die Medikamente verstärken den Nervenbotenstoff, bzw. ersetzen ihn.

Mit Fußbandagen gegen das Kribbeln

Wichtig: Bevor Medikamente eingesetzt werden, ist zu klären, ob nicht z.B. eine Diabetes-Erkrankung, eine Funktionsstörung der Schilddrüse oder Probleme mit den Beinvenen Ursache für das Kribbeln sein könnten.

Eine genaue Diagnose ist wichtig, denn die Medikamente können starke Nebenwirkungen haben, zum Teil auch schwerwiegende, wie Impulskontrollstörungen, wie z.B. Spielsucht oder Kaufsucht. Deshalb sollte man so lange wie möglich auf nicht medikamentöse Alternativen setzen.

Ganz neu aus den USA sind spezielle Fußbandagen, die das Kribbeln verringern sollen. Diese sind momentan noch nicht in Deutschland erhältlich und sehr kostspielig. Immerhin rund 350 Dollar sollen diese Hilfsmittel kosten. Ein Vorteil bei diesen Bandagen ist, dass unerwünschte Nebenwirkungen nicht zu erwarten sind. Eine ärztliche Empfehlung gibt es jedoch bislang dafür nicht.

Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Susanne Faß

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