Unterschenkel in Startposition zum Laufen. Quelle: rbb

- Gesunde Waden – starker Auftritt

Wadenkrämpfe sind lästig und schmerzhaft. Da sie häufig nachts einsetzen können sie vielen Betroffenen zudem die Nachtruhe rauben. Bis zu zwei Drittel der Bevölkerung sollen davon betroffen sein.  

Der Mechanismus, der hinter den Wadenkrämpfen steht, ist bislang nicht abschließend geklärt. Offenbar sind die Krämpfe jedoch eher einer Muskelermüdung und Nervenfunktionsstörungen zuzuschreiben, als durch Elektrolytstörungen oder Flüssigkeitsmangel verursacht. Zudem können auch bestimmte Medikamente und Krankheiten Wadenkrämpfe auslösen. Dazu gehören Erkrankungen des Gefäßsystems, neurologische Erkrankungen, eine Leberzirrhose und ein Kaliummangel im Blut. Dagegen gehen Studien zufolge weder Blutarmut noch Veränderungen im Blutzuckerspiegel, eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder Nierenerkrankungen vermehrt mit Wadenkrämpfen einher. 

Ermüdete Muskeln sind besonders bei sportlich aktiven Menschen und Schwangeren der Auslöser: Sportler erleiden also Wadenkrämpfe, wenn sie mehr trainieren als gewöhnlich. Und Schwangere könnten vermehrt betroffen sein, weil ihre Muskulatur durch das zunehmende Gewicht ungewöhnlich stark belastet ist. Aber umgekehrt können auch untrainierte Wadenmuskeln zu den unangenehmen Beschwerden führen. Denn im Alter nimmt die Muskelmasse ab, auch an den Waden. Somit müssen die verbliebenen Muskeln mehr leisten und auch diese relative Überlastung kann schmerzhaft enden. Nicht zuletzt können sich auch Rückenprobleme in die Waden "fortsetzen". So nimmt man an, dass sich eine gestörte Weiterleitung von Nervenimpulsen im Bereich des Rückenmarks in Wadenschmerzen äußern kann.  

DIE wirksame Therapie gegen Wadenschmerzen gibt es leider nicht. Als der Klassiker gilt Magnesium, doch die Wirksamkeit ist umstritten. Das gilt auch für die Einnahme von Kalium. Lediglich bei nachgewiesenem Mangel können entsprechende Präparate sinnvoll sein. Medikamente wie Kalzium-Kanal-Blocker, Muskelrelaxantien oder Vitamin B12 konnten in Studien nicht überzeugen. Einen Versuch wert ist es, vor dem Schlafen gehen regelmäßig ein Gals Tonic-Wasser zu trinken. Chinin ist ein krampflösender Stoff und im Tonic enthalten. Chinin-Tabletten werden dagegen nicht empfohlen.

Gezielte Kräftigungsübungen für die Waden sollen jedoch durchaus einen positiven Effekt haben. Vorbeugend kann passives Stretching oder eine Tiefenmassage helfen. Als Notfallmaßnahme, wenn also die schmerzhaften Muskelzuckungen auftreten, hilft es, die Wadenmuskulatur zu strecken und die Fußsohle zu dehnen, indem man die Zehen Richtung Knie zieht.

Besenreiser

Besenreiser sind kleine erweiterte Venen direkt unter der Hautoberfläche. Sind sie sehr fein und oberflächlich, schimmern sie eher rot, dickere tiefer gelegene eher bläulich durch die Haut. Betroffen sind auch schon junge Menschen, aber die Häufigkeit der Besenreiser nimmt mit dem Alter zu. Zwei Drittel aller Frauen und ein Drittel der Männer sind von den unschönen "Gefäßbäumchen" betroffen. Sie treten vor allem in der unteren Körperhälfte aus, mitunter auch im Gesicht. Die Ursachen für Besenreiser sind nicht sicher bekannt, eine Bindegewebsschwäche soll die Entstehung begünstigen.

Meist sind Besenreiser nur ein kosmetisches Problem und haben keinen Krankheitswert. Manche Experten sehen einen Zusammenhang mit Krampfadern, andere bezweifeln diesen. Trotzdem sollte vor der kosmetischen Behandlung der oberflächlichen Besenreiser immer abgeklärt werden, ob ein Venenleiden vorliegt.

Gegen Besenreiser ist die Methode der ersten Wahl die Sklerosierung oder Verödung. Dabei wird das Verödungsmittel direkt in die Besenreiser eingespritzt. Sofort wird damit das Blut in der kleinen Vene verdrängt, eine dauerhafte Wirkung entsteht jedoch erst einige Zeit später. Denn das Verödungsmittel ist eine Substanz, die eine Entzündung an der Venenwand hervorruft. Heilt diese Entzündung ab, verkleben als Nebeneffekt nach einigen Wochen die Gefäßwände. Zunächst können die behandelten Stellen jedoch mit Blutergüssen und dunklen Flecken schlimmer aussehen als vorher. Deshalb lassen viele eine Verödung im Herbst durchführen, wenn man wieder lange Hosen oder Strumpfhosen trägt. Medizinisch spricht jedoch nichts dagegen, sich im Sommer die Beine verschönern zu lassen. Allerdings gehört ein Sonnenschutz zur Nachbehandlung dazu, um die Haut der Beine nicht zusätzlich zu belasten. 

Meist sind zwei bis drei Termine notwendig. Beim Folgetermin wird überprüft, ob man alle Äderchen der bereits behandelten Areale erwischt hat und bei Bedarf nachgespritzt. Die Ergebnisse sind umso besser, je rascher "hinterhergespritzt" wird. Vorübergehend kann es bei der Behandlung zu leichten Schmerzen und einem brennenden Gefühl kommen. Nach der Therapie wird entweder ein Druckverband mit elastischen Binden angelegt oder man erhält Kompressionsstrümpfe. Aber auch hier gehen die Meinungen auseinander, ob diese Maßnahmen wirklich einen Effekt auf die Nachhaltigkeit der Behandlung haben.  

Kosten vor der Therapie besprechen

Die Kosten für eine Sklerosierung können von Praxis zu Praxis erheblich schwanken. Manche Praxen berechnen den Zeitaufwand nach Minuten, andere je nach Größe der zu behandelnden Fläche. Manche Ärzte behandeln pro Sitzung nur einen Teilbereich, andere versorgen in einer Sitzung das ganze Bein oder gar beide Beine. Erkundigen Sie sich im Vorgespräch genau nach dem jeweiligen Vorgehen, dann bleiben unschöne Überraschungen beim Abrechnen erspart. Mehrere Hundert Euro muss man jedoch für schöne Beine sicherlich einplanen.

Wenige Alternativen

Eine gute Alternative zur Sklerosierung gibt es genau genommen nicht. Laser eignet sich nur für sehr feine Äderchen und überschaubar große Areale. Viele Experten sehen dieses Verfahren kritisch, da die therapeutische Breite gering sei: Ist die Dosis zu niedrig kehren die Äderchen an der gleichen Stelle rasch zurück. Ist die Dosis zu hoch, können helle Streifen auf der Haut entstehen, da der Laser dann die Hautpigmente zerstört. Zudem ist eine Laserbehandlung wesentlich schmerzhafter als die Sklerosierung. Bei letzterer sind lediglich feine Nadelstiche zu ertragen. Eine Behandlung mit Radiowellen wird ebenfalls angeboten. Dabei werden die Äderchen durch Hitzeanwendung "verkocht". Das ist schonend und wenig schmerzhaft, jedoch teuer und aufwändig.

Die Kosten für eine Lasertherapier sind ähnlich wie bei der Sklerosierung von der Art und Weise der Abrechnung, sowie der Größe des Areals abhängig. Auch hier sollte man sich vor der Behandlung genau erkundigen.

Cremes gegen Besenreiser werden ebenfalls angeboten. Ob man damit eine Wirkung erzielen kann, ist jedoch fraglich.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Susanne Faß

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