Eine Seniorin legt ihre Hand in die Hand einer Pflegekraft (Bild: imago/

- Demenz - Leid für die ganze Familie

"Ein ganzes Leben verschwindet Stück für Stück" - für die Tochter einer an Demenz erkrankten alten Dame ist es schwer, die Wesensveränderung ihrer Mutter hinzunehmen. Wie kann das Zusammenleben gelingen, wer bietet Unterstützung, wenn Vater oder Mutter zuhause versorgt werden sollen? Die rbb Praxis zeigt das berührende Beispiel einer Brandenburger Familie und stellt Informationen rund um mögliche Hilfsangebote zusammen.  

Wenn die "Krankheit des Vergessens" zuschlägt, trifft das die ganze Familie: Heute leben rund 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenz in Deutschland, davon allein 100.000 Menschen in der Region Berlin-Brandenburg. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Betroffenen bundesweit auf über drei Millionen ansteigen. Rund 60 Prozent aller Demenzen werden durch Alzheimer hervorgerufen. Die Ursachen für den Nervenzelltod sind bis heute nicht vollständig geklärt.

In jedem Fall sterben bei Alzheimer Nervenzellen im Gehirn ab. Dadurch baut der Betroffene geistig immer mehr ab; räumliche und zeitliche Orientierung, Erinnerungsvermögen und Persönlichkeitsmerkmale gehen verloren. Den Patienten fällt es zunehmend schwer, Bewegungsabläufe sinnvoll zu koordinieren. Zudem laufen die Betroffenen ziellos umher, sind rastlos und aggressiv, andere wieder teilnahmslos und apathisch. Sie weisen die Pflege zurück oder verweigern das Essen. Durch eine typische emotionale Leere fließt ihr Leben nur noch so dahin.

Verdacht auf eine Demenz besteht, wenn die Vergesslichkeit über Monate zunimmt und irgendwann ein Ausmaß annimmt, das den normalen Alltag gefährdet. Wenn also Merkzettel als Hilfe nicht mehr ausreichen, Orientierungshilfen nicht befolgt werden können, das Denk- und Urteilsvermögens gestört sind und Erinnerungslücken, Wortfindungs- und Orientierungsschwächen neu auftreten und anhalten. Experten kennen sieben Risikofaktoren, mit denen man häufiger oder leichter eine Demenz bekommt: Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes im mittleren Lebensalter, Rauchen, Depression, geistige und körperliche Inaktivität. 

Ist Demenz trotz aller Forschung nicht heilbar?

Tatsächlich gibt es bislang keine Hoffnung auf Heilung - sondern lediglich Medikamente, welche die Reservefunktionen des Gehirns verstärken und so die Symptome verbessern. Sie setzen aber nicht an der Wurzel der Erkrankung an. Bis es soweit ist, kann jeder selbst einiges tun, damit seine grauen Zellen weiterhin in Schwung bleiben, zum Beispiel regelmäßig Fisch essen oder das Gehirn trainieren, indem man eine Fremdsprache oder ein Instrument lernt. Besonders effektiv ist regelmäßige Bewegung, denn sie tut auch den Gefäßen im Gehirn gut.

Angehörige im Wechselbad der Gefühle

Wenn die Demenz diagnostiziert ist, gehen vor allem pflegende Angehörige durch ein Wechselbad der Gefühle. Schmerz und Mitleid gehören ebenso dazu wie Hilflosigkeit, Ärger, Wut, Trauer und Verzweiflung. Daneben müssen sie ganz praktische Herausforderungen bewältigen. Pflegende Angehörige verwenden einen großen Teil ihrer Zeit und Kraft darauf, sich um die demenzkranke Ehefrau, den Vater oder die Schwiegermutter zu kümmern. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen und sich gut über Alzheimer und andere Formen der Demenz zu informieren. Mit der Zeit entwickeln viele pflegende Angehörige so ein gutes Gespür dafür, ihre kranken Angehörigen im Alltag richtig zu unterstützen und demenzgerecht zu kommunizieren. Auch mit der Krankheit erleben sie schöne Stunden miteinander.

Sich auf das demenzkranke Familienmitglied einstellen

Angehörige sollten vor allem versuchen, sich auf ihn oder sie einzustellen, ganz gleich in welchem Zustand das demenzkranke Familienmitglied ist. Denn umgekehrt geht es nicht mehr. Sinnlos ist es beispielsweise, einen demenzkranken Menschen darauf hinzuweisen, dass eine Frage vor fünf Minuten schon einmal beantwortet wurde. Vielmehr löst dies unter Umständen Aggressionen und Konflikte aus. Um eine Eskalation zu vermeiden, sollte man geduldig auf Wiederholungen reagieren, mehrmals antworten oder das Gespräch auf ein anderes Thema lenken.

Wichtig ist weiterhin, zu verstehen, dass Demenzkranke Vergangenheit und Gegenwart durcheinanderbringen. Gutes Zureden und Argumente holen sie nicht aus ihrer Realität zurück. Vielmehr sollten sich die Gesunden auf diese Realität einlassen. Dazu gehört, die Äußerungen, Gefühle und das Verhalten der Kranken ernst zu nehmen.

Bei eigenen Zweifeln und Trauer hilft der Psychotherapeut

Wer sich mit dieser Aufgabe überfordert fühlt oder zweifelt, ob er oder sie die Pflege des demenzkranken Familienmitgliedes durchhält, kann sich auch psychotherapeutische Hilfe nehmen. Mit der Unterstützung eines Therapeuten lassen sich Fragen zu beispielsweise Verantwortungsgefühlen, Krisen aus dem Alltag oder die eigene Trauer oft besser verarbeiten.

Film: Jana Kalms
Infotext: Beate Wagner

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