Symbolbild: Frau in Panik hinter einer Folie (Quelle: imago/Bernd Friedel)
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- Panikattacken - Wenn Angst krank macht

Panikattacken sind plötzlich auftretende Angstanfälle, die in der Regel nicht länger als 30 Minuten andauern. Die Betroffenen verspüren eine Reihe körperlicher Symptome, die von ihnen als lebensgefährlich empfunden werden. Deshalb entsteht eine panische Angst vor diesen Attacken und damit auch vor Orten oder Situationen, wo sie entstehen können.

Herzrasen, Druckgefühl auf der Brust, Zittern, Krämpfe und Schwindel durch Hyperventilation, Zustände von plötzlicher Beklemmung, Luftnot, Übelkeit, Todesangst: Bei diesen Beschwerden muss ein Notarzt immer an verschiedene Ursachen denken. Neben einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt steckt nicht selten eine Panikattacke hinter den Beschwerden. Jeder Fünfte erlebt mindestens einmal im Leben eine solche psychische Problematik. 

Menschen, die an einer Panikstörung leiden, erleben regelrechte Angstanfälle. Diese können immer wieder in bestimmten Situationen, (z. B. Menschenansammlungen), an bestimmten Orten (z. B. Aufzüge) oder bei bestimmten Begegnungen (z. B. Spinnen) ausbrechen. Die Panikattacken können die Betroffenen aber auch grundlos, wie aus heiterem Himmel, überfallen. Sie dauern oft nur wenige Minuten, können aber bis zu einer halben Stunde andauern.

Da in den meisten Fällen die körperlichen Symptome im Vordergrund stehen, fürchten viele Betroffene, ernsthaft erkrankt zu sein. Und tatsächlich können solche körperliche Symptome auch bei einer akuten Angina pectoris, einem Herzinfarkt oder anderen körperlichen Erkrankungen auftreten. Deshalb rufen Betroffene einer Panikattacke oft den Notarzt. Der Arzt klärt dann eine mögliche körperliche Ursache ab, schließt mithilfe eines EKGs und einer Blutuntersuchung vor allem einen Herzinfarkt aus. 

Gerüche und Geräusche können zum Auslöser von Panikattacken werden

Auslöser einer Panikattacke können ein bestimmter Geruch, eine Bewegung, ein Geräusch sein. Sie setzen dann eine Kaskade von körperlichen Reaktionen in Gang, mit denen der Körper typischerweise auf eine drohende Gefahr reagiert. Durch das Gefühl der Angst schüttet der Körper also vermehrt Stresshormone aus. Der Puls beginnt zu rasen. Der Blutdruck steigt, die Betroffenen haben Atemnot. Dieser Umstand befeuert die Panik weiter, die Angstspirale dreht sich.

Wer von Panikattacken geplagt wird, sollte sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn nicht selten entwickelt sich nach einer ersten Attacke eine zusätzliche, tief sitzende Angst vor einem möglichen neuen Anfall. Die „Angst vor der Angst“ kann irgendwann schwer das alltägliche Leben belasten. Deshalb sollten Betroffene sich frühzeitig behandeln lassen. Therapeuten helfen den Teufelskreis zu durchbrechen. Sie gehen einfühlsam auf den Patienten ein und wirken so beruhigend. Die körperlichen Symptome werden minimiert, die "Angst vor der Angst" schwindet.

Doch die Suche nach dem richtigen Therapeuten ist oft gar nicht so einfach. Betroffene sehen sich mit einer verwirrenden Vielfalt von Begriffen konfrontiert, die immer wieder verwechselt werden. So gibt es beispielsweise psychologische Psychotherapeuten und ärztliche Psychotherapeuten. Erstere haben Psychologie studiert und sich dann in einer mehrjährigen Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin in Verhaltenstherapie weitergebildet. Danach sind Psychologen befugt, eine Approbation als psychologische Psychotherapeuten zu beantragen. Als solche behandeln sie Patienten und sind zuständig für psychische Erkrankungen, die durch Gespräche und Übungen behandelt werden können, wie z. B. Zwänge, depressive Verstimmungen, Süchte und Ängste. 

Ärztliche Therapeuten dürfen Medikamente verschreiben

Ärztliche Psychotherapeuten sind hingegen ausgebildete Ärzte. Sie haben mit dem medizinischen Staatsexamen die Vollapprobation erlangt und sich dann zu einem Facharzt weitergebildet. Das kann entweder der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sein oder auch der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Außerdem gibt es noch den Arzt mit Zusatzbezeichnung „Fachgebundene Psychotherapie“. Alle diese Ärzte können mögliche körperliche Ursachen von psychischen Störungen erkennen, die Wechselwirkungen von Körper und Psyche eruieren und anders als Psychologen Medikamente verschreiben.

Auch bei den Formen der Therapien gibt es oft Verwirrung: In Deutschland werden nur drei Therapieverfahren von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt:

1) Analytische Psychotherapie

Sie wird nach Sigmund Freud auch Psychoanalyse genannt. Hier liegt der Fokus auf allen Problemen, die den Patienten quälen. Die Betroffenen liegen meist auf einer Behandlungscouch, um sich stärker auf sich zu konzentrieren. Sie erzählen frei und offenbaren damit ihre unbewussten Denk- und Beziehungsmuster, die sie seit der Kindheit prägen. Während der Psychoanalyse verändert der Patient die Koordinaten, an denen er sich bisher in seinem Leben orientiert, indem er sich selbst besser kennenlernt. Er lernt in der Analyse seine tiefsten Wünsche, Ängste und Aggressionen kennen. Die Sitzungen finden ca. dreimal pro Woche statt, oft über mehrere Jahre.

2) Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie richtet sich der Blick auf das unbewusste Erleben und das Verhalten des Patienten. Anders als bei der Psychoanalyse liegt der Fokus auf einem zentralen Problem. Bei Angstsymptomen gehen die Therapeuten dann zum Beispiel davon aus, dass die Beschwerden Ausdruck eines unbewussten inneren Konfliktes sind. Im Dialog versuchen Patient und Therapeut diesen zu lösen. Der Therapeut darf die Situationen bewerten und zielführend nachfragen.

3) Verhaltenstherapie

In der Verhaltenstherapie suchen Therapeut und Patient nicht nach den Ursachen, sondern versuchen, tief sitzende Verhaltensmuster zu erkennen und Lösungsmöglichkeiten dafür zu finden. Die Verhaltenstherapie ist sehr praxisorientiert. Die Patienten üben zum Beispiel sich schwierigen Situationen wieder anzunähern, die sie bisher vermieden haben. Bei einer Angststörung gehen sie also beispielsweise das Symptom Angst konkret an und setzten sich ihm aus. Zudem werden Entspannungsverfahren erlernt.

Psychotherapeuten jetzt besser erreichbar

Da es in der Vergangenheit für viele Betroffene oft lange Wartezeiten beim Psychotherapeuten gab, sind seit April neue Richtlinien für die Therapeuten bindend: Demnach müssen zum Beispiel Psychotherapeutische Praxen, die mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen, mindestens 200 Minuten in der Woche telefonisch erreichbar sein, zum Beispiel um Termine vereinbaren zu können. Für die neue Sprechstunde kann der Therapeut aber wählen, ob er individuelle Terminvereinbarungen anbietet oder feste Zeiten einrichtet, zu denen dann jeder kommen kann.

Filmbeiträge: Carola Welt
Infotext: Beate Wagner

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