Symbolbild Schwindel: Himmel und Erde drehen sich (Quelle: imago/Westend61)
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- Plötzliche Ohnmacht

Eine plötzliche Ohnmacht hat oft harmlose Ursachen. Doch in einigen Fällen ist eine ernste Erkrankung die Ursache.

Jeder Dritte erlebt im Laufe seines Lebens eine Ohnmacht (Synkope). Oft ist die Ursache eine harmlose Fehlregulation des Kreislaufs. Doch in einem von zehn Fällen steckt eine ernste Krankheit dahinter, zum Beispiel eine Störung der Herzfunktion. Ob eine Ohnmacht harmlos oder gefährlich ist, lässt sich oft nur schwer unterscheiden. Viele Ärzte nehmen sich nach Einschätzung von Experten nicht genügend Zeit, die Ursachen dafür herauszufinden - dabei kann es zu Fehldiagnosen kommen. 

Ohnmacht: Wenn der Kreislauf versagt

Bei einer kreislaufbedingten Ohnmacht versagen die Regelkreise im Körper. Normalerweise treibt bei körperlichem Stress der Sympathikusnerv das Herz an und stellt die Gefäße eng. Doch bei einigen Menschen kommt es zu einer Fehlschaltung des vegetativen Nervensystems: Der Sympathikus fällt aus. Dann übernimmt sein Gegenspieler, der Vagusnerv, die Regie. Er stellt die Gefäße weit. Dadurch sackt das Blut in die Beine und das Gehirn wird weniger gut durchblutet und weniger gut mit Sauerstoff versorgt. Schon ein kurzfristiges Absinken der Sauerstoffkonzentration kann zur Ohnmacht führen.

Symptome der Ohnmacht: Kreislauf oder Herz?

Eine Synkope ist für Ärzte eine diagnostische Herausforderung. Denn oft sind nach einer plötzlichen Ohnmacht das EKG und die Blutwerte völlig in Ordnung.
Das sind die unterschiedlichen Symptome bei kreislaufbedingter und herzbedingter (kardialer) Ohnmacht:
•Eine kreislaufbedingte Ohnmacht kann mit Vorboten wie Sehstörungen, einem komischen Gefühl im Bauch, Kribbeln im Körper, Knacken und Rauschen im Ohr, Übelkeit und leichten Zuckungen einhergehen. Oft wird sie fälschlicherweise für eine Epilepsie gehalten. Sie kommt schnell und dauert nur kurz an. Danach sind die Patienten wieder fit.
•Eine kardiale Ohnmacht tritt meist ohne Vorboten auf. Der Blutdruck sackt ab und mitunter bleibt das Herz sogar für mehrere Sekunden stehen. Eine Ohnmacht, die in einen Herzstillstand übergeht, ist lebensgefährlich.

Fehlregulation des Kreislaufs

Ursache einer kreislaufbedingten Ohnmacht ist meist ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie), vor allem bei großen und schlanken Menschen. Ausgelöst wird diese Form der Ohnmacht zum Beispiel durch einen heftigen Schreck, Luftdruckschwankungen oder den Anblick von Blut. Ob es sich um kreislaufbedingte Ohnmacht handelt, können Ärzte mit dem sogenannten Schellongtest herausfinden: Dabei liegen Betroffene auf einem Kipptisch, der abrupt aufgerichtet wird. Vor und nach dem Lagewechsel misst der Arzt Blutdruck und Puls. Steigt der Puls stark an, ist das ein Hinweis auf eine kreislaufbedingte Ohnmacht.

Störung der Herzfunktion

Die Ursachen für eine gestörte Herzfunktion sind zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, eine Verengung der Aortenklappen, Schäden an den Herzkranzgefäßen oder am Herzmuskel. Bei wiederholten Ohnmachtsanfällen setzen Ärzte einen sogenannten Eventrekorder ein: Das Gerät wird unter örtlicher Betäubung unterhalb des Brustbeins unter die Haut geschoben und zeichnet danach drei Jahre lang die Herztätigkeit auf. Bei Auffälligkeiten funkt das Gerät die Daten an die behandelnden Ärzte. So lassen sich auch seltene Herzschäden entdecken und behandeln. Wird die Ursache kardialer Ohnmachtsanfälle nicht behandelt, stirbt jeder zweite bis dritte Betroffene innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Kreislaufbedingter Ohnmacht vorbeugen

Ist eine Schädigung des Herzens als Ursache ausgeschlossen, kann man einer kreislaufbedingten Ohnmacht mit diesen Maßnahmen vorbeugen:
Regelmäßige Bewegung - am besten einmal täglich 15 bis 30 Minuten an der frischen Luft. Auch Saunagänge und abwechselnd warme und kalte Duschen können den Kreislauf in Schwung bringen. Wer lange stehen muss, kann das Absacken des Blutes in die Beine durch das Anlegen von Kompressionsstrümpfen verhindern.

Leichte Ernährung, zum Beispiel mit Muntermachern wie Wasser, Saft und Kräutertees. Davon mindestens 2 bis 2,5 Liter pro Tag trinken. Eine Tasse Kaffee kurbelt den Kreislauf nur vorübergehend an. Schwere oder fetthaltige Speisen meiden. Ausreichend Salz essen - aber maximal sechs Gramm pro Tag. Bei häufigen Symptomen können spezielle Medikamente (Alpha-Agonisten) den Blutdruck anheben.

Isometrische Übungen dienen zur Vorbeugung, können aber auch eine akut drohende Ohnmacht oft noch verhindern: Im Stehen die Beine kreuzen, dabei Bein-, Bauch- und Gesäßmuskeln anspannen. Danach mit einer Hand die andere greifen und in Brusthöhe mit beiden Armen in die Gegenrichtung ziehen. Zum Schluss einen Gummiball oder anderen Gegenstand in die Hand nehmen und kräftig drücken.

Beitrag und Text: Jutta Rosbach 

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