Leere Tablettenpackung (Quelle: imago/blickwinkel)
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- Frei verkäufliche Schlafmittel nicht harmlos

Weit mehr als eine Millionen Menschen in Deutschland sind von Schlafmitteln abhängig. Vordergründig verschaffen die Mittel zunächst eine Linderung des Problems: Sie wirken angstlösend und muskelentspannend. Doch dieser künstlich herbeigeführte Zustand lässt das Gehirn im Schlaf nicht normal arbeiten und es erfolgt keine körperliche Erholung.

Koordinationsschwierigkeiten, Schwindelgefühl und Benommenheit können Nebenwirkungen von Schlafmitteln sein. Viele Menschen mit dauerhaften Schlafstörungen greifen aus Angst vor Tablettenabhängigkeit und den Folgen des Schlafmangels zu rezeptfreien und vermeintlich unbedenklichen Schlafmitteln. Doch frei verkäufliche Präparate können gefährlich sein. Beispielsweise können sie zu Herzproblemen führen, weil die Herzfrequenz erhöht wird. Dies ist besonders bei vorbelasteten Patienten bedenklich.

Oft wird auch der sedierende Effekt unterschätzt, der auch Stunden nach der Einnahme noch zu Koordinationsschwierigkeiten, Schwindelgefühl und Benommenheit führt. In der Folge kann dies gerade bei älteren Patienten Stürze und andere Unfälle verursachen. Doch damit nicht genug: Laut einer Studie aus den USA mit 3.500 Personen stehen die Inhaltsstoffe vieler Einschlafhelfer sogar im Verdacht Demenz zu fördern. 

Wirkung im peripheren Nervensystem und Gehirn

Die Substanzen wirken zentral auf das periphere Nervensystem und das Gehirn. Dort beeinflussen sie bestimmte Signalübermittler, die sogenannten Neurotransmitter. Die bekanntesten Wirkstoffe sind Diphenhydramin und Doxylaminsuccinat. Beide sind sogenannte Histaminblocker der ersten Generation und wurden lange Zeit vor allem bei Allergiepatienten eingesetzt. Als Nebenwirkung machen sie aufgrund ihrer zentralen Wirkungsweise müde - und genau das macht sie heute so populär im Einsatz als rezeptfreie Schlafmittel. Aktuelle Antihistaminika gegen Allergien haben diese Nebenwirkungen nicht mehr und sind besser verträglich.

Baldrian kann eine Alternative sein

Wer regelmäßig Einschlafprobleme hat, sollte lieber zu natürlichen Alternativen greifen. Der bekannteste Vertreter ist der Baldrian. Seine Wirkstoffe beeinflussen den Stoffwechsel der Nervenzellen und lindern damit Unruhe und Nervosität. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 450 bis 750 Milligramm. Gesteigert werden kann die Wirkung des Baldrians durch die Zugabe von Hopfen: Dessen natürliche Bitterstoffe wirken stark beruhigend. Wichtig bei den pflanzlichen Schlafmitteln ist allerdings ein wenig Geduld, denn die Wirkung setzt in der Regel erst nach 14 Tagen ein.

Beitrag: Volker Ide
Infotext: Volker Ide / Susanne Faß 

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