Schwangere Frau lächelt und hält eine Tasse in der Hand (Quelle: imago/Westend61)
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- Schwanger dank Immuntherapie

Thea S. hatte vier Fehlgeburten. Sie und ihr Partner dachten schon über eine Adoption nach, dann empfahl die Frauenärztin einen Besuch bei einem Immunologen. Das war bei ihnen der Schlüssel zum Erfolg. Jetzt hat sie einen gesunden Sohn geboren.

Menschen mit Allergien sind vor allem in einem sehr geübt: Verzicht. Wissen sie, welche Substanz ihr Immunsystem als körperfremd erkennt, müssen sie dieses sogenannte Allergen meiden. Ansonsten wird im Organismus eine starke Immunreaktion ausgelöst, mit der die fremden Stoffe abgewehrt werden.

Allergikerinnen können durch überaktives Immunsystem kinderlos bleiben

Auch ein im Bauch einer Allergikerin heranwachsendes Kind kann zu einem überaktiven Immunsystem führen. Nicht selten hat das sogar gravierende Auswirkungen auf die Schwangerschaft: Die körpereigene Abwehr sorgt dafür, dass der Embryo abgestoßen wird, meist in den ersten zwölf Wochen. Oft wissen Paare nicht, dass eine Allergie die eigentliche Ursache für eine jahrelange Kinderlosigkeit ist – und gehen in die Kinderwunschsprechstunde, denken über eine künstliche Befruchtung oder eine Adoption nach.

Dabei kann in einigen Fällen eine immunologische Behandlung zielführend sein. Wird das weibliche Immunsystem darin in ihrer Abwehrfunktion etwas gedämpft, kann das die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft erhöhen.

Mütterliches Immunsystem erkennt Eizelle als fremd

Bei einer Schwangerschaft trägt die Mutter nicht nur eigene, sondern auch fremdartige Zellen des Vaters in sich. Die befruchtete Eizelle wird von dem mütterlichen Immunsystem als sogenanntes Allotransplantat betrachtet, also als Transplantat eines anderen Individuums derselben Spezies. Das mütterliche Immunsystem kann jedoch nicht zwischen der körpereigenen, befruchteten Eizelle und den "männlichen Anteilen" darin differenzieren. Es verlässt sich daher auf Begleitumstände, die bei Kontakt mit dem fremden Antigen auftreten können oder unterbleiben. Man spricht dabei von sogenannten "Dangerous", also Gefahr - Signalen.

Werden diese Signale verstärkt gebildet, so wird das mütterliche Immunsystem weniger wahrscheinlich eine Toleranz gegenüber der befruchteten Eizelle entwickeln. Im Gegenteil: Die Immunzellen der Frau sind vielmehr in Alarmbereitschaft versetzt. Die gesamte Frucht wird durch die Reaktion des Abwehrsystems abgestoßen. Die Anzahl an "Dangerous" Signalen kann bei Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoditis oder bei Allergien erhöht sein. Die Schwangerschaft wird dann häufig in den ersten zwölf Wochen beendet.

Ziel der Therapie: ein gedämpftes Immunsystem

Kommt eine Allergikerin mit Kinderwunsch zum Immunologen, lässt er zunächst die Werte bestimmter Immunzellen und Botenstoffe im Blut bestimmen. Therapeutisch versucht er dann, die immunologische Gesamtsituation zu optimieren, um die Chance auf eine verlässliche und dauerhafte Schwangerschaft zu erhöhen. Die Behandlung besteht dann zum Beispiel in einer medikamentösen Dämpfung des Immunsystems mithilfe von Omega-3 Fettsäuren aus konzentriertem Fischöl. Die Einnahme von Omega-3 Fettsäuren soll bewirken, dass das Immunsystem auf ein angemessenes Maß der Aktivierung gedämpft, aber gleichzeitig nicht geschwächt wird. Statt einer aufwändigen künstlichen Befruchtung kann sich bei einigen Allergikerinnen so schon der Traum vom eigenen Kind erfüllen.

Filmbeitrag: Angelika Wörthmüller
Infotext: Beate Wagner

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