Verband wird um eine Wunde an der Hand gelegt (Quelle: imago/Westend61)
imago/Westend61
Bild: imago/Westend61

- Chronische Wunden richtig versorgen

Es gibt Wunden, die nur schwer heilen – z.B. als Folge von Durchblutungsstörungen, Diabetes oder schwerer Krankheit. Doch wie sieht eine ideale Wundversorgung aus? Wo können sich Betroffene oder Angehörige Hilfe suchen? Die rbb Praxis zeigt moderne Pflaster und Wundauflagen und auch, wie Ernährung die Wundheilung unterstützt.

Mangelernährung, ein schwaches Immunsystem, Gefäßerkrankungen wie Venenprobleme oder Krampfadern, Krebs, hohes Alter, bestimmte Medikamente: Es gibt viele mögliche Ursachen, wenn Wunden nicht heilen. Von einer chronischen Wunde spricht man, wenn sich die Haut über einer Wunde und das Gewebe darunter trotz geeigneter Therapie innerhalb von zwölf Wochen nicht schließt. Oft sind jedoch chronische Wunden der erste Hinweis auf ein tiefer liegendes Problem: So versteckt sich zum Beispiel hinter einem Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris) oft eine bislang unentdeckte Gefäßerkrankung. Leider unterbleibt nicht selten eine weiterführende Diagnostik bei so einer Wunde, umgangssprachlich auch oft "offenes Bein" genannt. Experten nehmen an, dass sogar in bis zu 80% der Fälle keine Diagnostik zur Ursachenforschung erfolgt. Die Wunde wird stattdessen monatelang versorgt und nicht selten, wird es als schicksalshaft hingenommen, dass die offenen Stellen nicht verheilen.

Unbedingt sollten Betroffene, bei denen sich der Zustand der Wunden trotz regelmäßiger Versorgung nicht bessert, bei ihrem Arzt nachfragen. Auch eine Zweitmeinung könnte eingeholt werden. Hilfreich kann es dabei sind sich bei einer Praxis oder Ambulanz zu erkundigen, wo man sich auf die Behandlung von chronischen Wunden spezialisiert hat.

Viele Produkte – ähnliche Wirkung

Das Grundprinzip der modernen ambulanten wie stationären Wundbehandlung ist es, die Wunden ganz individuell zu versorgen. So schafft man für feuchte Wunden, d.h. solche, bei denen Wundsekret austritt für die Heilung ein feuchtes Milieu. Trockene Wunden werden meist trocken versorgt. Zur modernen Wundbehandlung stehen mittlerweile mehr als 150 verschiedene Produkte zur Auswahl – die sich in ihrer Funktion jedoch ähneln.
Ein Kritikpunkt dabei ist oft, dass die modernen Wundauflagen teuer sind, wesentlich teurer als herkömmliche Kompressen beispielsweise. Doch da die modernen Pflaster und Auflagen seltener gewechselt werden müssen und die Heilung schneller gelingt, werden die Mehrkosten meist schnell ausgeglichen.

Dekubitus durch regelmäßigen Lagewechsel vorbeugen

Bei längerer Bettlägerigkeit können wunde Stellen entstehen. Experten sprechen von Dekubitus. Bei einem Dekubitus ist die Haut oder das darunter liegende Gewebe geschädigt. Häufig betroffen sind zum Beispiel knöcherne Vorsprünge oder Stellen, die unter Druck liegen.
Die Haut erscheint zunächst rot, irgendwann öffnet sie sich. Um einem Dekubitus vorzubeugen, sollten Patienten regelmäßig die Lage wechseln, also Stehen, Liegen, Sitzen, Gehen abwechseln. Wenn sie für Eigenbewegungen zu schwach sind, muss das Personal die Kranken regelmäßig „lagern“, also deren Position im Bett verändern. Die Haut sollte zudem regelmäßig gepflegt werden. Außerdem helfen druckverteilende Systeme, wie eine spezielle Matratze. Im häuslichen Bereich kann eine gerollte Wolldecke, die seitlich unter die Matratze geschoben wird, den Auflagendruck des Körpers vermindern. In Sanitätshäusern gibt es Lagerungskissen, aber auch handelsübliche Kissen oder sogar Stilkissen kann man für die Entlastung nutzen.

Ernährung liefert die nötigen Materialien

Damit sich die Wunde verschließt, muss der Körper viele „Baustoffe“ bereitstellen. Die Ernährung ist daher für die Wundheilung extrem wichtig. Um neue Zellen bilden zu können, die den Defekt schließen, benötigt der Körper vor allem Eiweiß. Der Bedarf an Protein pro Tag bei gesunden Erwachsenen liegt bei 0,8 g/ kg Körpergewicht. Er erhöht sich bei vorliegenden chronischen Wunden auf 1,2 – 2,0 g/ kg Körpergewicht.

Ein Mann von 70 kg Körpergewicht sollte also etwa 84 bis 140 Gramm Eiweiß zu sich nehmen.
Das erreicht er über einen Tag zum Beispiel durch folgende Lebensmittel:
- Zum Frühstück: 1 Ei - ca. 6 g Eiweiß, 100 g Brot - ca. 7 g Eiweiß, 200 ml Milch - ca. 6 g Eiweiß
- Zum Mittag: 200 g Hähnchenfleisch - ca. 40 g Eiweiß, 100 g grüne Erbsen - ca. 7 g Eiweiß, 100 g Kartoffelpüree - ca. 2 g Eiweiß
- Zum Kaffee: 100 g Joghurt - ca. 3,4 g Eiweiß
- Zum Abendessen : 100 g Wiener Würstchen - ca. 20 g Eiweiß

Ideal ist es, verschiedene Lebensmittel zu kombinieren, um die sogenannte biologische Wertigkeit zu erhöhen. Die biologische Wertigkeit beschreibt, wie effizient Proteine eines Lebensmittels in körpereigene Proteine umgesetzt werden können. Gute Kombinationen sind Vollei und Kartoffeln, Rindfleisch und Kartoffeln, Vollei und Milch, Milch und Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Kartoffeln oder Bohnen und Mais. 100 g Hülsenfrüchte haben beispielsweise einen Eiweißgehalt von ca. 20 g -25 g (Linsen-24 g; Kidneybohnen 21 g; Kichererbsen 20 g).

Die nötige Energie liefern Makronährstoffe wie Kohlenhydrate und Fette. Der Bedarf an Energie liegt bei 30 - 35 kcal /kg Körpergewicht /pro Tag. Ein Mann von 70 kg braucht also etwa ca. 2400 kcal. Nicht zu vergessen sind zudem die Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente und ausreichende Flüssigkeit. Der Bedarf an Flüssigkeit liegt bei 30 ml /kg Körpergewicht/pro Tag. Ein Mann von 70 kg sollte also etwa 2100 ml Flüssigkeit in Form von ungesüßtem Tee oder Wasser zu sich nehmen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch Nahrungsmittel Flüssigkeit enthalten.

In Berlin / Brandenburg gibt es vier weitere zertifizierte Einrichtungen mit teilweise spezialisierten Fachrichtungen. Adressen findet man auch unter: icwunden.de
• Evangelische Elisabeth Klinik - Lützowstraße 24-26, 10785 Berlin
• Interdisziplinäres Wundzentrum im Martin-Luther-Krankenhaus Berlin unter Leitung der Klinik für Plastische Chirurgie, Caspar-Theyß-Straße 27-31, 14193 Berlin
• Wundzentrum des Bundeswehrkrankenhauses Berlin - (Spezialisierung auf Gefäßchirurgie und Dermatologie), Scharnhorststraße 13, 10115 Berlin-Mitte
• Ernst von Bergmann Klinikum GmbH (Wundklinik), Charlottenstraße 72, 14467 Potsdam
In der Regel ist eine Überweisung dorthin nicht nötig, Betroffene können dort eigenständig Termine einholen. Allerdings ist eine Terminabsprache zwischen einen Hausarzt und der Wundeinrichtung ggfls. schneller, da gleich wichtige Informationen über Ursache, Zustand und bisherige Behandlungsstrategie weitergegeben werden können.

Filmbeitrag: Nadine Bader
Infotext: Beate Wagner

weitere Themen der Sendung

Abstrakte grafische Darstellung eines menschlichen Gehirns (Quelle: imago/Science Photo Library)
imago/Science Photo Library

Schlaganfall – die Zeit läuft

Auf der Stroke Unit werden Patienten mit akutem Schlaganfall überwacht und behandelt - mit 24-Stunden Bereitschaft, Fachärzten und intensivmedizinischer Betreuung. Und was passiert danach mit den Patienten? Therapie und Rehabilitation. rbb Praxis hat die Charité und die die Fachklinik Wolletzsee besucht, die erste Klinik in der Region, die konsequent auf "hightech" setzt.

Frau hält sich die Hand an die Schläfe (Quelle: imago/Science Photo Library)
imago/Science Photo Library

Neue Migräne-App - neue Hoffnung?

Mehrere Hunderttausend Gesundheits-Apps sind derzeit auf dem Markt, täglich kommen neue hinzu. Für Migränepatienten gibt es nun eine als Medizinprodukt zertifizierte App - entwickelt von einem Spinoff der Humboldt Universität Berlin. Eine neue Hoffnung für Migräne-Patienten?

Schwangere Frau lächelt und hält eine Tasse in der Hand (Quelle: imago/Westend61)
imago/Westend61

Schwanger dank Immuntherapie

Thea S. hatte vier Fehlgeburten. Sie und ihr Partner dachten schon über eine Adoption nach, dann empfahl die Frauenärztin einen Besuch bei einem Immunologen. Das war bei ihnen der Schlüssel zum Erfolg. Jetzt hat sie einen gesunden Sohn geboren.