Frau hält sich die Hand an die Schläfe (Quelle: imago/Science Photo Library)
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- Neue Migräne-App - neue Hoffnung?

Mehrere Hunderttausend Gesundheits-Apps sind derzeit auf dem Markt, täglich kommen neue hinzu. Für Migränepatienten gibt es nun eine als Medizinprodukt zertifizierte App - entwickelt von einem Spinoff der Humboldt Universität Berlin. Eine neue Hoffnung für Migräne-Patienten?

Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzformen. Acht Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter. Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. Fachleute unterscheiden 22 verschiedene Migräneformen. Die häufigste ist die Migräne ohne Aura mit etwa 80 bis 90 Prozent. Als Aura bezeichnen Mediziner dynamische, oftmals visuelle oder andere sensorische Störungen der Wahrnehmung. Die Migräne mit neurologischen Begleitstörungen macht etwa zehn Prozent aller Attacken aus.

Die typischen Beschwerden sind pochende Kopfschmerzen auf einer Seite, Blitzen in den Augen, Übelkeit und Erbrechen, manchmal kommen auch Zahnschmerzen dazu. Meist überfällt die Migräne die Betroffenen anfallsartig, bis zu fünf Tage kann eine Attacke dauern.
Verantwortlich für die heftigen Symptome ist eine Überaktivität von Botenstoffen an den Nervenenden. In Bereich der Hirnhäute dehnen sich die Blutgefäße aus und entzünden sich. Diese Reizung erzeugt heftige, oftmals kaum auszuhaltende Schmerzen.

Was die Migräneattacken auslöst, ist noch nicht gänzlich verstanden. Klar aber gibt es individuelle Unterschiede. So reagieren die meisten Betroffenen auf Stress, bei Frauen lösen oft hormonelle Schwankungen die Migräne aus. Weitere Triggerfaktoren können bestimmte Lebensmittel, Rotwein oder Zusatzstoffe in der Nahrung sein. Zudem werden auch Wetterfühligkeit und Schlafmangel für die Schmerzen verantwortlich gemacht.

Neue App hilft, das persönliche Migränemuster zu erkennen

Wer genau wissen will, welche Faktoren bei ihm eine Rolle spielen, kann das nun mit einer als Medizinprodukt zertifizierte App für das Smartphone herausfinden. Der digitale Gesundheitshelfer soll helfen, Attacken zu vermeiden und Medikamente zu reduzieren. M-sense heißt die App – sie bietet ein Tagebuch, in das Betroffene die individuellen möglichen Einflussfaktoren dokumentieren. Auch die Attacken tragen die Betroffenen in einen Migräne-Kalender ein. Mit dem Medikamenten-Tracker behalten sie ihre Einnahmen im Überblick Die App erstellt dann eine statistische Auswertung der Auslöser und findet das persönliche Kopfschmerzmuster, vermeintliche und tatsächliche Auslöser und wie und wann die Attacken auftreten. Anschließend schlägt die App in Zusammenarbeit mit einem Arzt einen auf den Betroffenen zugeschnittenen Therapieplan vor. Gemäß den aktuellen medizinischen Leitlinien können Patienten dann in der App Therapiemethoden wie z.B. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson machen – individuell aufbereitet, geplant und immer mobil auf dem Smartphone zur Verfügung.

Die von einem Spin-off der Humboldt Universität Berlin entwickelte App ist eine von weltweit mindestens 380.000 Apps mit Gesundheitsbezug. Sie soll Menschen mit Migräne helfen, Zusammenhänge und Auslöser der Krankheit besser zu verstehen. Die App verbindet dazu aktuelle Migräneforschung, Big Data und künstliche Intelligenz zu einem individuellen und nicht-medikamentösen Therapieprogramm. Es soll, so die Forscher Markus Dahlem und der Mensch-Maschine Interaktionsexperte Stefan Greiner, die Kopfschmerztage seiner Nutzer um mindestens die Hälfte vermindern. Die Analysesoftware der Migräne-App untersucht auch die Auswirkungen von Umweltfaktoren und individuellem Lebensstil auf Migräne- und Kopfschmerzattacken. Zudem werden Wetterdaten automatisiert erfasst. Die App ist für Android- und iOS-Handys erhältlich. Die Macher sind mit Forschungsgeldern des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert worden. Die Barmer GEK überlegt derzeit, ob sie die App unterstützt und zur Kassenleistung macht. Die Krankenkasse will mit ihr einen Feldversuch mit Migränepatienten bei der Deutschen Telekom machen. Das integrierte Therapieangebot der App soll zukünftig ca. 7,50 Euro kosten. Die App ohne Therapieangebot bleibt weiter kostenfrei. Es gibt natürlich noch andere Migräne-Apps im deutschsprachigen Raum, die bei Beschwerden helfen könnten, besonders erwähnt die Migräne App der Schmerzklinik Kiel GmbH in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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