Arzt untersucht Frau mit Othoskop (Quelle: imago/Westend61)
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- Endlich Hilfe gegen Schwerhörigkeit

Hörgeräusche und Schwerhörigkeit, was steckt dahinter? Die rbb Praxis ist live dabei, wenn sich in der HNO-Ambulanz des St. Gertrauden-Krankenhauses in Berlin-Wilmersdorf Experten auf Spurensuche bei einem Betroffenen begeben, der unter unklaren Hörproblemen leidet.

Schwerhörigkeit betrifft Millionen Menschen, sie ist ähnlich weit verbreitet wie die Volkskrankheit Spannungskopfschmerz. Viele Betroffene verdrängen oder verschweigen jedoch ihr Problem. Denn Hören ist für uns eigentlich selbstverständlich, zudem hat Schwerhörigkeit ein schlechtes Image.

„Hören“ bedeutet akustische Schallwellen in elektrische Signale umsetzen und diese bewerten. Im menschlichen Hörapparat werden dazu die Luftbewegungen von der Ohrmuschel gebündelt und über den äußeren Gehörgang, das Trommelfell und die Gehörknöchelchen auf die Basilarmembran im Innenohr übertragen. Sie gerät in Schwingung und erregt Teile der insgesamt etwa 15 000 Sinneszellen, die so genannte Haarzellen. Ionenströme und freigesetzte Botenstoffe tun das übrige, damit die Informationen nun in Form elektrischer Impulse zur Hörbahn im zentralen Nervensystem gelangen.

Um eine Schwerhörigkeit zu behandeln, muss sie zunächst mithilfe der sogenannten audiometrischen Diagnostik der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde genauer definiert werden.
Schwerhörigkeit kann durch Störungen im äußeren Gehörgang, Mittel- oder Innenohr sowie zentral im Bereich der Hörbahn entstehen. Sind das Innenohr oder Bereiche der Hörnerven betroffen, sprechen Experten von einer Schallempfindungsstörung. In den meisten Fällen sind Hörprobleme durch eine solche Innenohrschwerhörigkeit bedingt. Die Haarzellen, der Hörnerv im Innenohr oder bestimmte Strukturen im Gehirn sind dann geschädigt. Hörsysteme oder Implantate können helfen – wenn oft auch nur eingeschränkt.

Ist hingegen das Mittelohr oder der äußere Gehörgang betroffen, nennt man das Schalleitungsstörung. Nur jeder zehnte Schwerhörige hat einen geschädigten äußeren Gehörgang oder ein Problem im Mittelohr. Medikamentöse oder chirurgische Therapien sind hier weitaus Erfolg versprechender als Hörgeräte.

Wie Schwerhörigkeit getestet wird

Es gibt verschiedene subjektive Tests, hier muss sich der Arzt auf die Aussagen des Patienten verlassen. Dazu zählen die Tests per Stimmgabel, sie heißen Rinne-Test und Weber-Test. Mit ihnen können HNO-Ärzte zwischen der Schalleitungsstörung und der Schallempfindungsstörung unterscheiden.

Beim „Rinne-Tests“ kann der Experte eine Schallleitungsstörung mit einer Stimmgabel diagnostizieren. Die angeschlagene Stimmgabel wird dazu auf den Knochen hinter dem Ohr gesetzt. Dann wird die immer noch schwingende Stimmgabel vor das Ohr gehalten (Luftleitung). Der normal hörende Mensch hört den Ton dann wieder – er ist sozusagen Rinne-positiv. Hört der Patient den Ton nicht mehr, wenn die Stimmgabel vors Ohr gehalten wird, ist er Rinne-negativ. Ist der Ton der Stimmgabel also über die Knochenleitung länger und lauter als über Luft, liegt eine Schalleitungsstörung vor.

Beim Weber-Test wird die angeschlagene Stimmgabel auf die Schädelmittel aufgesetzt. Der Patient wird gefragt, in welchem Ohr er den Ton besser hört. Gibt der Patient keine hörgeminderte Seite an, kann in Kombination mit dem Rinne-Versuch eine Schallleitungs- von einer Schallempfindungsstörung differenziert werden.

Frequenzabhängig die Hörempfindlichkeit testen

Die am häufigsten durchgeführte apparative Untersuchung ist die Tonschwellen-audiometrie. Mit dem subjektiven Verfahren lässt sich frequenzabhängig die Hörempfindlichkeit feststellen, indem die Luft- und Knochenleitung gemessen werden. Hierdurch können Aussagen über das Ausmaß der Hörstörung sowie über die Ursache (Schallempfindungs- oder Schalleitungsstörung) gemacht werden.

Dem Patienten werden über einen Kopfhörer und einen Knochenleitungshörer Töne verschiedener Frequenzen vorgespielt. Die Lautstärke wird für jede einzelne Frequenz in fünf Dezibel-Schritten erhöht. Der Patient gibt ein verabredetes Signal, sobald er den Ton hört. Die Hörschwellen der einzelnen Frequenzen werden auf einem Audiogrammformular markiert. Die Verbindung der einzelnen Hörschwellenpunkte ergibt eine Hörschwellenkurve für Luft- und Knochenleitung. So lässt sich der Hörverlust für die einzelnen Frequenzen ablesen: Bei einer Schallleitungsstörung ist die Hörschwelle für die Luftleitung erhöht, aber die Hörschwelle für die Knochenleitung normal. Bei einer Schallempfindungsstörung ist die Hörschwelle für Luft- und Knochenleitung gleichermaßen erhöht.

Ein wichtiger objektiver Test ist die Tympanometrie. Das standardisierte Verfahren misst, wie steif oder nachgiebig das Trommelfell ist. Bei der Tympanometrie wird vom Trommelfell reflektierter Schall bei wechselnden Druckverhältnissen im äußeren Gehörgang gemessen. Dadurch lässt sich auf die Beweglichkeit des Trommelfells und auf die Belüftungssituation im Mittelohr rückschließen.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner

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