Ein Flugzeug im Landeanflug in der Nähe eines Wohnhauses (Quelle: imago/Waldmüller)
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- Krank durch Fluglärm – nur Einstellungssache?

Lärm macht krank, das gilt mittlerweile als bewiesen. Doch wie sehr, das hängt angeblich von der inneren Haltung zum Lärmverursacher ab. Zumindest legt das eine aktuelle Studie der Berliner Charité nahe. Wer etwa von Fluglärm betroffen ist, aber grundsätzlich kein Problem mit dem Flughafen hat, scheint gesundheitlich keine Einbußen zu haben.

Das moderne Leben fordert Kompromisse. Vor allem in der Großstadt müssen Menschen mit Einflüssen leben, die ihre Gesundheit empfindlich schädigen können. So kann Lärmbelästigung durch Flugverkehr krankmachen.

Auf dem City-Flughafen Berlin Tegel fliegen alle zwei Minuten Flugzeuge über die Stadt – vor allem morgens in der Zeit von sechs bis zwölf Uhr ist Hochbetrieb. Im Schnitt sind das derzeit täglich 560 Flüge. Bei Landungen werden Spitzenwerte über 90 Dezibel gemessen. In Flughafennähe ist es mindestens zehn Dezibel lauter als sonst in der Stadt. Mehr als 300.000 Berliner in Flughafennähe sind vom Fluglärm durch Tegel betroffen. Ursprünglich hätte der Flughafen Tegel längst geschlossen werden sollen. Dann wurde die Eröffnung des neuen internationalen Flughafens BER in Schönefeld verschoben, auf einen noch unbekannten Termin.

Der kommende Sonntag wird zeigen, ob die Berliner ihren Stadtflughafen Tegel auch zukünftig behalten wollen. Zeitgleich mit der Bundestagswahl wird die Volksabstimmung für oder gegen den Flughafen abgehalten. Die letzten Umfragen zur Tegel-Volksabstimmung gehen eindeutig in die Richtung, dass Tegel erhalten bleiben soll.

Fluglärm macht krank

Es gibt diverse Studien rund um den Fluglärm. Sie zeigen mehr oder weniger signifikant, dass Lärmbelästigung mit nachfolgender Ausschüttung von Hormonen einhergeht – und so Stress und Schlafstörungen erzeugt, sowie dass
• Lärm zu Kopfschmerzen, Nervosität, Störungen der Immunabwehr führt.
• Hyperaktivität bei Kindern mit der Höhe der Fluglärmbelastung zunimmt.
• das Leseverständnis bei Kindern durch Fluglärm verzögert ist.
• nächtlicher Fluglärm das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen kann.
Es gibt jedoch auch Studien, die zeigen, dass Fluglärm deutlich seltener Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wenn man dem Flughafen positiv gegenüber steht.

Literaturrecherche bringt Übersicht

Um eine Übersicht über alle Ergebnisse zu bekommen, haben Forscher der Berliner Charité im April 2017 den Forschungsstand zusammengefasst. Das Team des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums hat in der umfassenden Literaturrecherche insgesamt 328 Studien untersucht, die den Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herz-Kreislauf, Schlaf, Stresshormone, Krebs, psychische Erkrankungen und kognitiven Wirkungen analysiert hatten.
Das Ergebnis: Erkenntnisse über die Wirkungen von Fluglärm auf das Belästigungsempfinden, das Herz-Kreislaufsystem, den Schlaf und auf das Leseverständnis von Kindern konnten bestätigt werden. Das Ausmaß dieser Wirkungen muss zukünftig aber genauer beschrieben werden. Mögliche Auswirkungen auf andere Organsysteme und Krankheitsbilder sind auch nach heutigem Forschungsstand noch nicht ausreichend belegt. Für viele Fragen zum Zusammenhang von Fluglärm und gesundheitlichen Auswirkungen sei die Datenlage den Studienautoren zufolge unzureichend.

Fazit

Fluglärm kann also, muss aber nicht krank machen. Sicher ist kein Fluglärm gesünder. Haben Menschen dem Flughafen gegenüber aber eine kritische Einstellung, wachen sie auch eher davon auf, haben einen höheren Blutdruck als diejenigen Betroffenen, die dem Flughafen neutral oder positiv gegenüberstehen. Wer sich von der aktuellen Belästigung durch den Fluglärm ablenken will, kann das mit einer der zahlreichen Flugzeug-Radar-Apps versuchen.

Filmbeitrag: Angelika Wörthmüller
Infotext: Beate Wagner

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