Gerd Blum beim Training im Wald (Quelle: rbb/Lucia Hennerici)
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Bild: rbb/Lucia Hennerici

- Marathon trotz Dialyse

In Deutschland warten etwa 8.000 Menschen auf eine Spenderniere. Einer von ihnen ist Gerhard Blum. Seit rund drei Jahren muss er zur Dialyse. Doch er lässt sich nicht unterkriegen und nimmt nun sogar am Berlin-Marathon 2017 teil. Das Okay hat er von den Sportärzten bekommen, den Startplatz von der rbb Praxis.

Über 35.000 Läufer werden am kommenden Sonntag wieder an dem Berlin-Marathon teilnehmen. Wie man sich auf die 41,195 Kilometer vorbereitet, unterscheidet sich von Läufer zu Läufer stark. Die Bandbreite an Leistungen der einzelnen Sportler ist riesig: Sogar nierenkranke Menschen mit sehr guter körperlicher Fitness, die mehrmals die Woche an die Dialyse müssen, dürfen nach einem ausgiebigen medizinischen Check mitlaufen. Bei dem medizinischen Check wird u.a. ein Lungenfunktionstest, ein EKG in Ruhe und bei Belastung auf dem Fahrradergometer gemacht. Zudem werden die Motorik und der Gleichgewichtssinn überprüft. Stellt sich dann heraus, dass die Sportler körperlich topfit sind, können sie trotz Nierenfunktionsstörung und Dialyse auch an einem Langstreckenlauf teilnehmen.

Wenn die Nieren nicht mehr wollen

Die bohnenförmigen, faustgroßen Nieren liegen links und rechts der Lendenwirbelsäule oberhalb des Beckens. Sie bilden den Urin, der über die Harnleiter in die Blase gelangt. Die Nieren holen rund 180 Liter Flüssigkeit pro Tag aus den fünf bis sieben Litern Blut und bilden daraus ein Konzentrat von ein bis zwei Litern Urin, der auch die herausgefilterten Giftstoffe enthält. So regulieren sie den Wasser- und Mineralhaushalt und entsorgen wasserlösliche giftige Substanzen. Fallen beide Nieren weitgehend aus, kann sich der Organismus nicht mehr der schädlichen Endprodukte aus dem Stoffwechsel und des Wassers entledigen. Er vergiftet nach und nach.

Dialyse filtert das Blut ersatzweise

Um das zu verhindern, wird die Dialyse nötig. Insgesamt werden bei jeder Dialyse 5 bis 7 Liter Blut etwa 15 Mal durch den Filter gespült. Gesunde Niere schaffen täglich 300 „Runden“. Die Blutwäsche oder Dialyse erfolgt etwa jeden zweiten Tag und dauert 4 bis 5 Stunden. Das Blut wird mit einem Filter der Dialysemaschine gereinigt. Im Hämodialysator fließt das Blut des Patienten entlang einer halbdurchlässigen Membran, in der Gegenrichtung fließt die Spülflüssigkeit, das so genannte Dialysat. Die auszuscheidenden Stoffe treten über winzige Poren in der Membran in die Spülflüssigkeit über. Das Dialysat wiederum enthält Nährstoffe und Salze wie Natrium, Glukose oder Bikarbonat, die ebenfalls über die Membran ins Blut des Patienten übertreten.

Wenn Menschen mit einer funktionslosen Niere auf die Marathonstrecke gehen, müssen sie neben ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit vor allem ihren Bedarf an Flüssigkeit beim Laufen kennen – und täglich ihr Gewicht überprüfen. Denn wer keinen Harn mehr ausscheidet, kann nur so viel Flüssigkeit aufnehmen, wie er auch wieder ausschwitzt. Im Training lässt sich das errechnen. Gerhard Blum kennt seinen Körper genau: Bei Temperaturen zwischen 22 bis 26 Grad Celsius z.B. braucht der Brandenburger pro zehn Kilometer einen halben bis dreiviertel Liter Flüssigkeit. Von Freunden und Familie lässt der 63-Jährige sich alle zehn Kilometer an der Strecke eine entsprechend gefüllte Flasche Wasser reichen. So kann er Marathon wie alle anderen Sportler mit Spaß und Disziplin bewältigen.

Filmbeitrag: Ina Czycykowski
Infotext: Beate Wagner

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