Älterer Mann im Rollstuhl (Bild: Kacso Sandor/colourbox.de)

- Besondere Pflege für Demenz-Kranke

Anlässlich des Welt-Alzheimertages am Donnerstag, den 21.09. 2017, hat die rbb Praxis einen Wohnbereich für demenziell erkrankte Menschen in Berlin besucht. Denn Demenz-Betroffene profitieren von einer spezialisierten Betreuung, wie sie dort angeboten wird. Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Demenz, bei der Mehrzahl ist die Alzheimer-Krankheit der Grund.

Etwa 1,2 Millionen Menschen leiden an einer Demenz, davon allein 100.000 Menschen in der Region Berlin-Brandenburg. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Betroffenen bundesweit auf über drei Millionen ansteigen. Bei der Demenz verkleinert sich der Hippocampus. Der Betroffene büßt zunehmend die Fähigkeit ein, Gedächtnisinhalte aus dem Kurzzeitgedächtnis in bleibende Erinnerungen in die Hirnrinde zu überführen.

Zwar kann die Krankheit auch schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten, das Alter ist aber der größte Risikofaktor für Alzheimer. Etwa zwei Drittel der betroffenen Patienten sind älter als 80 Jahre, fast 70 Prozent sind zudem Frauen. 2015 wurden mehr als 19.000 Alzheimerpatienten in Kliniken behandelt - fast doppelt so viele wie vor 15 Jahren.

Alzheimer verändert die Persönlichkeit

Die häufigste Form einer Demenz ist die Alzheimer-Erkrankung. Jedes Jahr erhalten in Deutschland rund 300 000 Menschen diese Diagnose. Die Ursachen für den Nervenzelltod sind bis heute nicht vollständig geklärt. Bei Alzheimer baut der Betroffene geistig immer mehr ab; räumliche und zeitliche Orientierung, Erinnerungsvermögen und Persönlichkeitsmerkmale gehen verloren. Den Patienten fällt es zunehmend schwer, Bewegungsabläufe zu koordinieren, wie sie beim Ankleiden, Essen oder dem Zubereiten der Mahlzeiten sinnvoll sind. Der Gang wird breitbeinig und kleinschrittig. Die Patienten sind oft rastlos und aggressiv, andere wieder teilnahmslos und apathisch. Sie weisen die Pflege zurück oder verweigern das Essen.

Immer häufiger leben Betroffene mit Demenz heute in speziellen Wohngemeinschaften zusammen. So zum Beispiel in dem Evangelischen Charlottenheim auf dem Gelände der Evangelischen Elisabeth Klinik in Berlin. Bewohner mit einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung leben hier in einem eigenen Wohnbereich, der den speziellen Bedürfnissen entsprechend gestaltet ist.

Demenzkranke sind besonders sturzgefährdet

Zudem stehen diverse Hilfsmittel zur Verfügung, die den Betroffenen den Alltag erleichtern: So zum Beispiel der sogenannte „Walker“, eine sturzsichere Gehhilfe, mit der demenziell Erkrankte ihrem gesteigerten Bewegungsdrang gefahrenlos nachkommen können. Der „Walker“ kann die Sturzgefahr minimieren, die bei den Betroffenen durch deren häufig über die Erschöpfungsgrenze hinausgehende Aktivität besteht.

Menschen mit Demenz haben zudem einen gesteigerten Kalorienverbrauch. Überall in dem Wohnbereich gibt es sogenannten „Eat-And-Go-Stationen“, an denen sie sich jederzeit mit Snacks versorgen können. Der Sinneswagen bietet den Patienten zudem visuelle, akustische und olfaktorische Reize.

Ein Blick von außen verbessert die Zuwendung von innen

Darüber hinaus wird das vom britischen Sozialpsychologen Tom Kitwood entwickelte Verfahren des „Dementia Care Mapping“ (DCM) angewandt. Da demenziell Erkrankte oft nicht mehr verbal äußern können, wie sie sich fühlen, beobachten ausgebildete Personen ihr Verhalten. Besteht Kontakt mit anderen oder sitzt der Betroffene nur da und schaut? Wie reagiert er auf Angebote oder Berührung – neutral oder freudig - oder ist Missfallen erkennbar? Auch der Umgang der Mitarbeiter mit den Bewohnern wird hier eingeschätzt. Gibt es wertschätzende und zugewandte Blicke und Körperkontakt von den Mitarbeitern. Wird die gemeinsame Beschäftigung im Alltag gefördert?

Das dient einer Verbesserung in der Pflege der Demenzerkrankten. Früher hat man in der Pflege geschaut, was können die Leute nicht mehr und hat sich an diesen Defiziten orientiert. Durch das „Dementia Care Mapping“ können die Demenzkranken besser eingeschätzt werden, was sie noch können. Ein positiver Ansatz. Die Ergebnisse der Beobachtung fließen anschließend in die Konzeption für die künftige Betreuung ein.
Denn der Blick von außen verbessert die Zuwendung von innen.

Der vierteljährliche Alzheimersalon

Einmal im Monat findet in der Kapelle eine „Demenzandacht“ statt. Neben den jahreszeitlichen Festen wie Weihnachten, Ostern, Erntedank oder dem Sommerfest wird vierteljährlich der „Alzheimersalon“ angeboten, der für Menschen mit einer Demenzerkrankung aus dem ganzen Bezirk offen steht. Bei Kaffee, Kuchen und musikalischer Unterhaltung verbringen die Bewohner gemeinsam mit anderen Betroffenen einen vergnügten Nachmittag.

Der Welt-Alzheimertag am Donnerstag den 21. September 2017 steht unter dem Motto "Demenz. Die Vielfalt im Blick". Dies soll darauf hinweisen, dass Demenz viele Gesichter hat.

Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Beate Wagner

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