Defibrillator, Quelle: rbb
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- Defibrillatoren – die neue Generation

Bei einem Herzstillstand können die Stromstöße eines Defibrillators lebensrettend sein. Bei schweren Herzerkrankungen kann ein "Defi" in Kleinformat den Betroffenen am Herzen eingepflanzt werden. Bislang wurden dafür die Sonden direkt ins Herz geschoben, mit einer neuen Generation dieser Geräte ist dies nicht mehr notwendig.

Pro Jahr sterben in Deutschland 100.000 bis 150.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Risikofaktoren sind unter anderem ein vorangegangener Herzinfarkt, eine Herzmuskelentzündung, Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen. Unterschreitet die Pumpleistung des Herzens trotz optimaler Herzinsuffizienz-Medikation nach drei Monaten einen bestimmten Wert, wird diesen Patienten ein Defibrillator empfohlen, um weiteren schweren Herzereignissen vorzubeugen. Die Kardiologen implantieren dann einen Herzschrittmacher, kurz ICD (implantierbarer Kardioverter Defibrillator). Der ICD, auch „Defi“ genannt, ist ein Elektroschockgerät in Miniaturausgabe.

Überwachter Herzrhythmus

Die meisten Schrittmachersysteme bestehen aus einer Steuereinheit und mehreren Sonden. Die Sonden (bis zu drei Elektroden) werden über die Blutgefäße direkt in die Kammern und Vorhöfe des Herzens geführt. Hier werden sie verankert und an das Schrittmachergerät angeschlossen. Die etwa streichholzschachtelgroße batteriebetriebene Steuereinheit wird im Bereich des Schlüsselbeins in einer Art Gewebetasche unter die Haut oder unter den Brustmuskel geschoben. Das geschieht entweder in lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose.

Die Elektroden der Systeme können sowohl die Herzströme kontinuierlich messen als auch den Herzmuskel durch gezielte elektrische Impulse stimulieren. Dadurch lässt sich die Herzleistung automatisch steuern. Grundsätzlich springt ein Herzschrittmacher mit seinen künstlichen Impulsen aber nur an, wenn die Herzaktivität gestört ist: Bei lang anhaltenden Rhythmusstörungen oder dem plötzlichen Aussetzen des Herzschlags löst die Elektrode einen Stromschock aus.

Einer der Nachteile des älteren Systems ist, dass die Herzvene, durch welche die Elektrode gelegt wird, sich mit der Zeit verschließen kann. Das ist vor allem bei jungen Patienten ein Problem, da sie viele Jahre mit einem Defi leben müssen. Nach zehn bis fünfzehn Jahren nutzt sich zudem die Defi-Elektrode durch die ständige Bewegung ab und muss ausgetauscht werden. Das ist ein Problem, denn die Sonden zu entfernen ist durchaus ein Risiko. Sie sind über Jahre in die Gefäße und im Herzen festgewachsen, so dass beim Austausch Verletzungen am Herzen entstehen. Immerhin ein Prozent der Patienten verstirbt beim Wechsel. Und: Mit jedem Mal, dass man den ICD wechseln muss, steigt auch das Infektionsrisiko.

Neue Generation unter der Haut

Das soll sich nun ändern. Eine neue Generation von ICDs wird nicht direkt in Brustkorb und Herz, sondern lediglich unter der Haut eingesetzt – die sogenannten S-ICDs oder subkutanen ICDs. Im Gegensatz zu einem transvenösen ICD gibt dieses System einen elektrischen Schock ab, ohne dafür im Herzen implantierte Drähte zu benötigen. Bei der Implantation eines S-ICD bleiben Herz und Blutgefäße also unberührt und intakt.
Er wird unterhalb der Achselhöhle und die Elektrode oberhalb des Brustbeins direkt unter der Haut implantiert. Das Prinzip des Unterhaut-Defis ist das Gleiche wie bei herkömmlichen Defibrillatoren: Bei einem plötzlichen Herzstillstand löst die Elektrode einen Schock aus und animiert das Herz zum regelmäßigen Schlag. Der Vorteil: Der Defibrillator kann bei Komplikationen leicht wieder herausgenommen und ausgetauscht werden.

Bei der neueren, subkutanen Methode ist der Defi im Vergleich größer als zu herkömmlichen ICDs, dafür lassen sich die Daten von außen leichter auslesen. Bislang bieten etwa 15 Kliniken in Berlin und Brandenburg diesen speziellen Eingriff an. Allerdings ist das Verfahren bisher nur bei einem Teil der Patienten anwendbar. Bei speziellen Herzerkrankungen muss der Defi nach wie vor tiefer unter dem Brustmuskel eingesetzt werden.

Auch neu: Die Defi-Weste

Die Defibrillatorenweste ist ein tragbarer „Defi“, der das Herz von außen überwacht, starke Rhythmusstörungen erkennt und bei drohendem Herzstillstand Alarm schlägt.
Im Gegensatz zum implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) wird die Defi-Weste außen am Körper getragen und nicht im Brustkorb implantiert.
Das Gerät überwacht das Herz des Patienten mit trockenen Messelektroden ohne Klebstoff, um lebensgefährliche, unregelmäßige Herzrhythmen zu erkennen. Wenn ein solcher Rhythmus erkannt wurde, alarmiert das Gerät den Patienten, bevor es einen Behandlungsschock abgibt. Dadurch kann der Patient diesen verzögern. Wird der Patient bewusstlos, gibt das einen Behandlungsschock ab, um den normalen Rhythmus wiederherzustellen.

Die Weste wird, je nach Zustand der Patienten, nur für eine bestimmte Zeit eingesetzt – beispielsweise wenn noch unklar ist, ob der Patient wirklich dauerhaft einen ICD braucht. Neben dem zuverlässigen Schutz für den Patienten gibt die LifeVest dem Arzt durch die Aufzeichnung der kardialen Ereignisse eine ideale Entscheidungsgrundlage, ob ein ICD langfristig notwendig ist oder nicht.

Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Constanze Löffler

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