Faltenunterspritzung - Mann läßt sich Hyaluronsäure in seine faltige Stirn spritzen,
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- Hyaluronsäure-Behandlung – Riskante Spritze gegen Falten

Volle Lippen, glattes Gesicht – der Markt für Injektionen mit Hyaluronsäure boomt. Zunehmend mehr Menschen lassen sich mit dem natürlichen Hautaufpolsterer verschönern. Das Verfahren erscheint einfach: Spritze setzen – und fertig. Doch Hyaluronsäure injizieren sollten nur Befugte, am besten ein plastischer Chirurg oder auf ästhetische Gesichtsbehandlungen spezialisierter Hautarzt. In der Realität gibt es einen riesigen Schwarzmarkt, auf dem Laien ihre Injektionsdienste anbieten – mit oft dramatischen Folgen!

Normalerweise erneuert sich die obere Hautschicht alle vier Wochen. Mit dem Alter verlangsamt sich dieser Prozess jedoch. Das gilt auch für die Bildung neuer Kollagen- und Elastinfasern, welche die Haut stützen und geschmeidig machen. Die sichtbaren Konsequenzen: Die Haut wird dünner, schlaffer und trockener, ihre Elastizität nimmt ab. Muskeln, Haut und Bindegewebe sacken ab, es entstehen Falten.

Hyaluronsäure polstert Falten auf

Diese „Schwerkraft“-Falten lassen sich mit Hyaluronsäure oder Eigenfett unterpolstern. Besonders beliebt ist Hyaluronsäure. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Bindegewebes, bindet viel Wasser und sorgt so für Spannkraft. Der natürliche Gehalt der Haut nimmt ab dem 25. Lebensjahr ab. Bei der Faltenbehandlung wird synthetisch hergestelltes Hyaluronsäure-Gel in die Haut injiziert, das sich dann gleichmäßig verteilen soll. Das Mittel wird unter die Falte gespritzt, diese dadurch von unten aufgepolstert und somit angehoben. Das Gel bindet Wasser und verweilt im Allgemeinen vier bis sechs, mitunter bis zu neun Monaten an der Injektionsstelle.

Schwarze Schafe mit Dumpingpreisen

In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Hyaluronsäure-Injektionen gestiegen. Denn statt eines kompletten Facelifts wünschen sich viele Menschen eine sanfte Verschönerung – beispielsweise mit Hyaluronsäure. Zunehmend mehr Ärzte bieten deshalb das Aufpolstern an. Doch der Boom lockt auch viele schwarze Schafe an, welche die Behandlung zu Dumping-Preisen anbieten. „Spare bis zu 70%“, heißt es auf Internet-Portalen und in Einkaufsstraßen. Dass bei solchen Sonderangeboten keine ausgebildeten Fachärzte in einer hygienischen einwandfreien Praxis oder Klinik am Werk sind, liegt nahe.
Vor allem seit ein, zwei Jahren drängen die Billiganbieter auf den Markt. Wie viele es sind, ist nicht bekannt – es gibt kein Register. Fest steht aber: Der Markt boomt. Viele Hersteller bieten Fertig-Spritzen mit biotechnisch hergestelltem Hyaluronsäure-Gel in Deutschland an.

Fachgesellschaften raten zum Facharzt

Vertreter der verschiedenen Fachgesellschaften, u. a. der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Ästhetischen und Rekonstruktiven Chirurgen (DGPRÄC), warnen: Die Injektion sollten ausschließlich Mediziner mit einer entsprechenden Ausbildung durchführen.
Grundsätzlich dürfen alle Ärzte – bis auf Zahnärzte – Hyaluronsäure spritzen. Sogar Heilpraktiker haben die Erlaubnis dazu, denn Hyaluronsäure ist kein Medikament. Viele Fachleute sehen das allerdings kritisch. Man müsse bei diesen Eingriffen sehr genau Bescheid wissen über die Anatomie des Gesichtes, den Verlauf von Nerven, Muskeln und Blutgefäßen sowie über die verschiedenen Schichten der Haut, meint Raymund E. Horch, Präsident der DGPRÄC, in einer Pressemitteilung von Juni 2017. Bei Heilpraktikern ist das keineswegs der Fall. „Außerdem haben die Deutschen Heilpraktiker-Verbände 2008 betont, dass es nicht zum Aufgabengebiet eines Heilpraktikers gehöre, Schönheitsoperationen durchzuführen.“

Unzulässige Laienausbildung

Diese Aufklärung ist wichtig. Denn im Internet kursieren Schulungsofferten – angeboten für absolute Laien. In acht Stunden erlerne man, so das Versprechen, wie man Hyaluronsäure-Spritzen setzt. Der Kurs, den die Redakteure dieses Beitrags undercover buchen, wird von einer Heilpraktikerin angeboten. Gebucht wird er von Kosmetikerinnen, Nageldesignerinnen, Fußpflegerinnen. Keine von ihnen besitzt also die nötige Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde. Die Theorie dauert etwa zwei Stunden – dann geht’s auch schon los am lebenden Modell. Die Modelle sind völlig ahnungslos, dass sie von Laien gespritzt werden.
Absolut fahrlässig, finden Experten. Es braucht Jahre, bis ein Arzt die Gesichtsanatomie so gut kennt, dass er Patienten sicher behandeln kann. Hyaluronsäure ist ein flüssiges Implantat. Wird es aus Versehen in ein Blutgefäß oder in einen Nerv gespritzt, kann das ernste Folgen haben. Arterien verstopfen. Es kommt zum Infarkt, Teile des Gesichts können absterben – oder man erblindet. Nerven werden verletzt und führen zu Lähmungen. Ein Laie kann die Gefahren weder abschätzen noch die Folgen einer fehlerhaften Unterspritzung behandeln.

Und wie sieht es das Gesetz?

Wer als Nicht-Arzt oder Nicht-Heilpraktiker Falten mit Hyaluronsäure unterspritzt, verstößt gegen das Gesetz. In dem Moment, in dem der Behandelnde die Spritze ansetzt und diese die Haut durchdringt, begeht er strafrechtlich gesehen eine Körperverletzung. Einem Urteil des Oberlandesgerichtes Karlsruhe zufolge ist das Faltenunterspritzen durch Kosmetikerinnen oder Laien als unzulässige Ausübung von Heilkunde sogar strafbar.
Die eindeutige Rechtslage ist das eine – die Kontrolle des Marktes eine andere. Zuständig sind die jeweiligen Bundesländer. Und die nehmen es mit der Kontrolle offenbar nicht so genau. Denn wären die Ordnungsämter da hinterher, wäre es ein leichtes für sie, diese Angebote ausfindig zu machen und zu schließen. Doch das ist bislang nicht der Fall.

Filmbeitrag: Maria Jeorjoula und Rebecca Kirkland
Infotext: Constanze Löffler

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