Tätowierter Arm eines Mannes © imago/NBL Bildarchiv
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Tätowierter Arm eines Mannes | Bild: imago/NBL Bildarchiv

- Risiko Tattoo – Krebsfrüherkennung erschwert

Rund acht Millionen Deutsche tragen gestochene Bilder auf der Haut. Hautärzte sind von diesem Trend nicht begeistert. Denn verdächtige Leberflecke oder gar Hautkrebs gehen in den Farben der Tattoos unter und lassen sich nicht immer rechtzeitig erkennen. Experten warnen deshalb davor, Leberflecke zu überstechen.

Ein Tattoo ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, direkt in die Haut gestochen. Die Beliebtheit von Tattoos ist hierzulande ungebrochen: Laut dem Statistik-Portal Statista haben 14 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, 16 Prozent der 30- bis 59-Jährigen und immerhin 7 Prozent der über 60-Jährigen ein Tattoo. Jeder zehnte Deutsche hat sich sogar mehrfach stechen lassen, darunter viele Frauen. Bei vielen währt die Freude über das Tattoo nicht ewig – und manch einer lässt es sich wieder entfernen. Knapp die Hälfte der Statista-Befragten gibt als wichtigsten Grund, über eine Entfernung nachzudenken, das „gesundheitliche Risiko“ an.

Wenn schon Tattoo, dann keine Leberflecken bestechen

Dem können Hautärzte nur zustimmen. Neben Infektionen und verunreinigten Farben, die Gesundheitsprobleme auslösen können, schätzen Dermatologen eine Gefahr als besonders gravierend ein: Ein Hautkrebs-Screening lässt sich bei einem Tattoo nur unzureichend durchführen. Denn: Leberflecke entstehen erst im Laufe des Lebens, die meisten bis zum 30. Lebensjahr. Doch viele Menschen lassen sich ihre Tattoos in jungen Jahren stechen, sodass Leberflecke erst später darunter entstehen und dann nicht mehr entdeckt werden können. Dabei ist die optische Veränderung eines Pigmentmales ausschlaggebend für dessen effektive Früherkennung. Mit einem Tattoo lassen sich Veränderungen nur bedingt beurteilen. Vor allem, wenn Tattoos viel Farbe enthalten, wird es für Hautärzte schwierig – übrigens auch für die Pathologen, welche verdächtige Flecken mikroskopisch untersuchen müssen. Hautärzte raten deshalb: Wenn es unbedingt ein Tattoo sein muss, dann Leberflecken bitte nicht mitbestechen.

Hautkrebs-Screening – was ist das?

Hautkrebs ist die weltweit am häufigsten auftretende Krebserkrankung. In Deutschland erkranken rund eine Viertel Million Menschen jährlich neu daran. Die Tendenz ist steigend - in Deutschland und auch weltweit. Früh erkannt ist Hautkrebs zu nahezu 100 Prozent heilbar.
Pigmentmale, Leberflecke oder Altersflecken haben die meisten Menschen. In der Regel sind diese Hautveränderungen harmlos. Doch Pigmentmale können auch entarten und zu lebensgefährlichem Hautkrebs werden. Deshalb kommt es darauf an, solche Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und zu entfernen.

• Für wen? Ab 35 Jahre
• Wie oft? Alle zwei Jahre
• Was passiert? Im Gespräch klärt der Arzt, ob man selbst Hautveränderungen festgestellt hat. Da Hautkrebs nicht nur an sonnenbeschienen Stellen entsteht, schaut sich der Arzt die Haut vom behaarten Kopf bis zu den Füßen an – mit dem bloßen Auge und durch ein Handmikroskop. Fällt ihm eine verdächtige Veränderung auf, wird er diese erneut kontrollieren und möglicherweise eine Hautprobe entnehmen.
• Wie gut ist das Hautkrebs-Screening? Empfehlenswert. Besonders Menschen mit mehr als 100 Muttermalen, in deren Familie bereits Hautkrebs aufgetreten ist oder die konkrete Veränderungen bemerkt haben, profitieren von dem Vorsorgeangebot. In Deutschland haben sich rund 40.000 Ärzte für das Screening qualifiziert.

Was tun bei Verdacht?

Selbst wenn die Haut vorher nicht tätowiert wurde, können auch erfahrene Hautärzte nicht immer mit letzter Sicherheit erkennen, ob es sich bei einem Pigmentmal um eine Alterswarze oder die frühe Form des lebensgefährlichen Schwarzen Hauskrebses – von den Fachleuten Melanom genannt – handelt. Grundsätzlich beurteilt der Hautarzt verdächtige Flecke nach der ABCDE-Regel – und schaut dabei nach Asymmetrie, Begrenzung, Kolorit, Durchmesser und Erhabenheit. Im Zweifelsfall nehmen die Ärzte eine Probe und schicken sie zur Gewebe-Untersuchung ins Labor. Wird ein Melanom nicht entdeckt, verzögert sich die Diagnose, und damit sinkt auch die Überlebenschance des Patienten.

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Constanze Löffler

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